zurück zum Artikel

Tiangong 1: Chinesische Raumstation vor unkontrolliertem Absturz

Martin Holland
Tiangong-1: Chinesische Raumstation vor unkontrolliertem Absturz

(Bild: cmse.gov.cn)

Ende des Jahres oder Anfang 2018 wird Tiangong 1 abstĂŒrzen, ohne dass absehbar ist, wann genau das passieren wird und wo mögliche TrĂŒmmerteile einschlagen könnten. Das wird sich erst kurz vorher abzeichnen. Das Risiko einer GefĂ€hrdung sei sehr gering.

In den nĂ€chsten Monaten wird die chinesische Raumstation Tiangong 1 abstĂŒrzen, noch ist aber weder klar, wann das passieren wird noch wo eventuell einzelne Teile aufschlagen werden. China hatte das BĂŒro der Vereinten Nationen fĂŒr Weltraumfragen im Mai darĂŒber informiert [1], dass die 2011 gestartete Station zwischen Oktober 2017 und April 2018 wieder in die AtmosphĂ€re eintreten und grĂ¶ĂŸtenteils verglĂŒhen werde. Die meisten strukturellen Komponenten wĂŒrden dabei zerstört, ist sich die verantwortliche Weltraumbehörde sicher. Dem Guardian zufolge [2] besteht aber die Möglichkeit, dass bis zu 100 Kilogramm schwere Teile auf die OberflĂ€che einschlagen werden. Die Wahrscheinlichkeit von SchĂ€den sei aber sehr gering, versichert China.

Der VorgĂ€nger von Chinas aktuellem Weltraumlabor Tiangong 2 [3] war am 29. September 2011 gestartet worden und danach Teil mehrerer Missionen [4]. Am 16. MĂ€rz 2016 verlor die chinesische Weltraumbehörde offenbar die Kontrolle ĂŒber die Station und seitdem sinkt sie mit grĂ¶ĂŸer werdender Geschwindigkeit hinab zur ErdoberflĂ€che. China veröffentlicht regelmĂ€ĂŸig den beobachteten Status der Raumstation und den jĂŒngsten Zahlen [5] zufolge kreist die Station derzeit in einer mittleren Höhe von noch 311 Kilometern. Sobald sie in die dichter werdende AtmosphĂ€re eintritt, wird sie rasch abgebremst und auf die Erde stĂŒrzen. Wann genau das sein wird und wo eventuelle TrĂŒmmerteile landen, wird sich aber erst kurz vorher abzeichnen, denn schon kleine Turbulenzen könnten hier den betroffenen Ozean beziehungsweise Kontinent Ă€ndern.

UrsprĂŒnglich hatte China möglicherweise vor, die Station kontrolliert ĂŒber einem Ozean zum Absturz zu bringen – genau wie es Roskosmos 2001 mit der Raumstation Mir [6] vorgemacht hatte. Der Verlust der Kontrolle, der von China lange nur indirekt eingestanden wurde, hat solche PlĂ€ne aber zunichte gemacht. Deswegen besteht zumindest eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz Auswirkungen auf den Flugverkehr oder SchĂ€den am Boden nach sich ziehen könnte. Die US-amerikanische Organisation Aerospace hat zuletzt berechnet [7], dass Tiangong 1 zwischen Ende Dezember 2017 und Ende Februar 2018 abstĂŒrzen dĂŒrfte. (mho [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3861079

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.unoosa.org/res/osoindex/data/documents/cn/a/aac_1051150_html/AC105_1150E.pdf
[2] https://www.theguardian.com/science/2017/oct/13/tiangong-1-chinese-space-station-will-crash-to-earth-within-months?CMP=share_btn_tw
[3] https://www.heise.de/news/Chinas-Raumfrachter-koppelt-erfolgreich-an-Raumlabor-an-3691127.html
[4] https://www.heise.de/news/China-Drei-Taikonauten-zu-bislang-laengstem-Raumflug-gestartet-1886435.html
[5] http://en.cmse.gov.cn/col/col1763/index.html
[6] https://www.heise.de/news/MIR-Absturz-soll-im-Internet-uebertragen-werden-35807.html
[7] http://www.aerospace.org/cords/reentry-predictions/tiangong-1-reentry/
[8] mailto:mho@heise.de