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The Bard's Tale IV angespielt: Schlampige Technik trĂŒbt ein sympathisches Spiel

Stephan Greitemeier
The Bard's Tale IV angespielt: Die schlampige Technik macht viel kaputt

(Bild: Sega)

14 Jahre nach seinem letzten Auftritt geht der BÀnkelsÀnger wieder auf Tour. Leider blitzen die 80er Jahre-Wurzeln der Sage unangenehm durch.

14 Jahre nach The Bard's Tale gibt es mit Bard's Tale IV nun wieder einen neuen Teil in der Spielereihe. Was zuerst unangenehm auffĂ€llt, ist die altbackene Grafik. Die Stadt Skara Brae wirkt im neuen Ableger merkwĂŒrdig billig, selbst auf Ultra-Setting. Details ploppen erst nach und nach ins Bild und man fragt sich, wofĂŒr die 8 GB RAM verwendet werden sollen. Erst das Spielen an den Reglern fĂŒr TiefenschĂ€rfe macht die Umgebung ertrĂ€glich. Problematisch ist aber genauso die Bewegung. Das Bild wirkt gestaucht wie das erste „Doom“.

Das ist umso tragischer, da das Spiel hauptsĂ€chlich die Egoperspektive benutzt, ohne dass Arme oder Ă€hnliches ins Blickfeld ragten. Grafik-Minimalismus lĂ€sst Entwickler inXile Entertainment auch an anderer Stelle walten. Hat sich jemand der eigenen Gruppe angeschlossen, verschwindet er oder sie aus der Umgebung. Das hat leider zur Folge, dass man unter UmstĂ€nden nicht merkt, dass man einen Getreuen in der Taverne verloren hat - bis es zum Kampf kommt. Dann nĂ€mlich wechselt das Spiel in die Dritte Person und man stellt ĂŒberrascht fest, dass man plötzlich alleine vier Panzerreitern gegenĂŒbersteht.

Selbst die Ladezeiten sind wie vor 30 Jahren. Nicht nur das Betreten eines neuen Levels, auch das Betreten eines Hauses dauert erstaunlich lange. Die Wartezeit wird mit launigen Tipps verkĂŒrzt, aber fĂŒr ein aktuelles Spiel mit maximal mittelmĂ€ĂŸiger Grafik ist die Dauer kaum zu entschuldigen. Man ist versucht, in der Zwischenzeit ein Level eines Mobile Games zu meistern. Oder den gesamten Abwasch zu erledigen.

Bard's Tale IV (0 Bilder) [1]

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Sieht man ĂŒber Grafik und Ladezeiten hinweg, entdeckt man viele gute Eigenschaften in The Bard's Tale IV. Einzelne Level wie das Goblin-Ghetto sind erstaunlich schön geraten. Ein nettes Feature ist auch der Humor, der immer wieder durchscheint. Das beginnt schon bei den breiten schottischen Akzenten, mit denen die fantastischen Sprecher ihre Monologe plĂ€rren. Die Nebenfiguren sind scharf gezeichnet, mit eigenen Persönlichkeiten und Macken. Das macht das Klicken durch die DialogbĂ€ume etwas angenehmer.

Auch die Story beginnt spannend und birgt unheimliche AnklĂ€nge ans aktuelle politische Klima. Das multikulturelle Skara Brae droht in offenen Rassenkrieg auszubrechen: Trolle gegen Elfen, Elfen gegen Menschen, Menschen gegen Alle! Mit List und TĂŒcke versuchen die Inquisitoren der Paladine, gegen magische Wesen zu intrigieren, und die entehrte Gilde der Abenteurer scheint die letzte Bastion der VölkerverstĂ€ndigung zu sein. Dabei wird dankbarerweise kein einfaches Gut/Böse-Schema bedient, Helden und Schurken tummeln sich in allen Fraktionen.

Das originelle, aber nicht ganz durchdachte Speichersystem birgt hohes Frustpotential: Statt eines Schnellspeichersystems gibt es verteilte Totems, die man entweder aktivieren oder aussaugen kann. Man hat im Grund die Wahl, ob man lieber speichern oder einen Buff fĂŒr sein Team möchte. Entscheidet man sich fĂŒr den Buff, muss man im Zweifelsfall lange Spielabschnitte erneut hinter sich bringen. Dankbarerweise kann man dennoch das Spiel an jedem Ort beenden. Das gilt dann nicht als fester Speicherpunkt, aber man kann zumindest wieder an der selben Stelle anfangen.

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Gut gelungen ist das runden- und felderbasierte Kampfsystem von Bard's Tale IV, das an frĂŒhe japanische RPGs erinnert. Auf einem virtuellen Schachbrett stehen die VerbĂŒndeten den Feinden gegenĂŒber. "Zauberpunkte" bestimmen die Anzahl der ZĂŒge, die in Angriffe, Bewegung oder Magie umgemĂŒnzt werden können. Einen versehentlichen Klick kann man leider nicht zurĂŒcknehmen. Das kann schlimme Konsequenzen haben, denn mit nur drei Zauberpunkten pro Runde ist der Raum fĂŒr Fehler begrenzt. Immerhin kann man KĂ€mpfe anfangs auch abbrechen, und gefallene Kameraden werden wiederbelebt, wenn man gewinnt.

Das schlimmste Problem sind die Bugs, die Bard's Tale IV infestiert haben. Zwar gab es im Test keine AbstĂŒrze, wohl aber einen digitalen Diebstahl: Beim Handeln mit der Barfrau der Abenteurer-Gilde verschwand plötzlich das komplette Inventar. Nur was wir am Leibe trugen, ĂŒberstand die hinterlistige Attacke.

Die Wiederbelebung der klassischen Fantasy-Reihe versteckt seine Perlen hinter einer Brandmauer technischer Fehler. Trotz sympathischer Story, tollen Sprechern und spaßigen Kampfsystem wirkt Bard's Tale IV an vielen zentralen Stellen wie hingeschludert.

„The Bard’s Tale IV: Barrow‘s Deep (ab 8 €) [4]“ ist seit dem 18. September fĂŒr Windows-PC erhĂ€ltlich. Eine Version fĂŒr Linux soll folgen. Das Spiel kostet 35 Euro. FĂŒr unser Angespielt haben wir ein paar Stunden mit der Release-Version gespielt. (dahe [5])


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