Teurer Geizhals
VW hat ihn schon, Skoda bietet ihn demnächst im Octavia auch an: Die Rede ist vom neuen 1.6 TDI mit 110 PS, der mit besonders geringem Verbrauch im NEFZ überzeugen soll. Nun baut ihn auch Audi in den A3 ein und nennt das Modell „Ultra“
Ingolstadt, 7. August 2013 – VW hat ihn schon, Skoda bietet ihn demnächst im Octavia auch an: Die Rede ist vom neuen 1.6 TDI mit 110 PS, der mit besonders geringem Verbrauch im NEFZ überzeugen soll. Nun baut ihn auch Audi in den A3 ein und nennt das Modell „Ultra“. Dieser Begriff soll künftig besonders sparsame Modelle von Audi kennzeichnen. Doch der Premium-Sparer fordert nicht nur kleinere Einschränkungen bei Auswahl an Sonderausstattungen, sondern ist auch unvermutet teuer.
Alte Abgasnorm
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 10,5 Sekunden ist der 110 PS starke Audi A3 1.6 TDI Ultra geringfügig flotter als die 105 PS starke Normalversion. Die Unterschiede sind allerdings wirklich minimal: Die Sparausgabe schafft fünf km/h mehr und ist 0,2 Sekunden schneller auf Tempo 100. Da Käufer solcher Knauser-Modelle nicht unbedingt dafür bekannt sind, ihre Fahrzeuge ständig am Limit zu bewegen, wird der kleine Unterschied im Alltag kaum auffallen. Das maximale Drehmoment von 250 Nm ist bei beiden gleich, im 110-PS-TDI liegt es zwischen 1500 und 3000/min an, im schwächeren Modell zwischen 1500 und 2750/min. Die Maschine wird in identischer Form auch im VW Golf Bluemotion und demnächst auch im Skoda Octavia angeboten. Enttäuschend für ein flammneues Modell mit Öko-Anstrich: Der Motor erfüllt nur die Abgasnorm Euro 5. Die für neu homologierte Fahrzeuge ab September 2014 verbindliche Euro 6 hat Volkswagen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Hier hätte der Konzern ein Zeichen setzen können, was gerade diesen Modellen gut gestanden hätte.
Teurer Geizhals (6 Bilder)

Der Audi A3 1.6 TDI Ultra soll im NEFZ mit 3,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer auskommen
NEFZ-optimiert
Zu einem glänzenden Wert im NEFZ sollen die um 15 mm tiefer gelegte Karosserie, Schwellerverkleidungen, Reifen mit geringem Rollwiderstand und ein eine längere Übersetzung beitragen. Das Resultat dieser Bemühungen. Statt 3,8 Liter (105-PS-TDI) soll der Ultra-TDI nur 3,2 Liter im NEFZ verbrauchen. Der Sportback ist mit 0,1 Liter mehr angegeben. Bei Spritmonitor liegen die meisten A3 1.6 TDI (105 PS) der Baujahre 2012 und 2013 bei rund 5,5 Litern. Vermutlich wird der 110-PS-TDI im Alltag nur knapp darunter landen. Die CO2-Emissionen sinken von 99 auf 85 g/km. Damit unterbietet er den Polo BlueMotion um zwei Gramm – bei wesentlich besseren Fahrleistungen, wohlgemerkt. Das zeigt, dass es durchaus auch bei konventionellen Motoren noch Fortschritt gibt. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass die Hersteller die NEFZ-Optimierung weiter verfeinert haben und der Kunde davon in der Praxis, wenn überhaupt, nur einen geringen Vorteil hat.
Das Gewicht des neuen Modells beträgt, nach EU-Norm gemessen, 1280 Kilogramm. Das sind 25 weniger als beim 1.6 TDI. Diese Gewichtsersparnis ist jedoch ein Ausstattungseffekt. Sie kommt im Wesentlichen durch die 16-Zoll-Räder und einige weitere Details zustande, wie Audi auf unsere Nachfrage erklärt. So sind beispielsweise das große Panoramaglasdach, das Bang & Olufsen
Soundsystem oder das verstellbare Magnetic-Ride-Fahrwerk für das Sparmodell nicht zu haben. Wenn diese Optionen verfügbar wären, würde das Auto in eine höhere Schwungmassenklasse rutschen, da diese auch mit allen verfügbaren Extras bestimmt wird. Weil der Widerstand auf dem Rollenprüfstand für die Verbrauchsmessung aber je nach Schwungmassenklasse eingestellt wird, wäre der Verbrauch im NEFZ höher. Wir haben vor einiger Zeit im Fahrbericht des schon erwähnten VW Polo BlueMotion die Sache mit der Schwungmassenklasse näher beleuchtet.
Sparen kostet
Die Auswahl an Extras ist etwas eingeschränkt. So hat der Kunde die Wahl zwischen den serienmäßigen Radkappen und einem Design bei den aufpreispflichtigen Alufelgen. Da die für den Ultra einzig lieferbare Basisausstattung „Attraction“ recht spärlich bestückt ist, muss der Kunde für Dinge wie Klimaautomatik, Lederlenkrad oder ein Radio mit dem ausfahrbaren Bildschirm noch einmal draufzahlen. Der Aufpreis für das Sparmodell liegt bei 400 Euro. Der Dreitürer kostet also mindestens 25.200, der Sportback 26.100 Euro. Das ist mehr als üppig, denn selbst der Golf, auch nicht gerade ein Billigheimer, kostet als BlueMotion mehr als 3000 Euro weniger. In einem ähnlichen Rahmen wird sich der Octavia mit dieser Maschine bewegen. Schwacher Trost: Mercedes langt für die sparsamste A-Klasse, den A 180 BlueEfficiency Edition mit 27.311 Euro noch gieriger zu und verbraucht im NEFZ mit 3,6 Litern noch etwas mehr. (mfz)