Tesla baut Fabrik in Brandenburg
Tesla wird seine europäische Fabrik im Umland von Berlin bauen. Tesla-Chef Elon Musk verkündete das überraschend am Dienstagabend (12. November 2019) in Berlin. Das Werk solle in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER entstehen
Tesla wird seine europäische Fabrik im Umland von Berlin bauen. Tesla-Chef Elon Musk verkündete das überraschend am Dienstagabend (12. November 2019) bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ von der Zeitschriften Auto Bild und Bild am Sonntag in Berlin. Das Werk solle in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER entstehen. Die „Gigafactory“ soll zunächst das künftige Kompakt-SUV Model Y [1] sowie auch Batterien und Antriebe bauen.
„Deutschland baut großartige Autos“
Tesla werde zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum in Berlin ansiedeln, sagte Musk. „Deutschland baut großartige Autos.“ Das sein einer der Gründe für die Standort-Entscheidung gewesen. Tesla hatte schon seit längerem nach einem Standort für eine „Gigafactory“ für die Herstellung von Batterien und Fahrzeugen in Europa gesucht. Obwohl auch andere Länder Interesse zeigten, hatte Musk zuvor bereits gesagt, dass Deutschland gute Chancen habe.
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Im Gespräch waren aber eher andere Bundesländer, unter anderem das Saarland und Niedersachsen [4]. Berlin und Brandenburg waren nicht auf dem Radar. Nach Tagesspiegel-Recherchen handelt es sich bei dem Standort um eine potenzielle Industriefläche im brandenburgischen Grünheide im Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin, die bereits einmal im Rennen für die Ansiedlung eines BMW-Werkes war. Brandenburgs Regierungssprecher bestätigte dies nicht. Details zum konkreten Standort wolle Tesla bekanntgeben, sagte er.
Die Fabrik in Deutschland soll nach bisherigen Angaben voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen. Musk twitterte in der Nacht zum Mittwoch, das Model Y solle das erste Fahrzeug aus dem Werk sein. Der Kompakt-SUV auf Basis des jetzigen Model 3 (Test) [5] könne nach Einschätzung von Experten zum meistverkauften Fahrzeug der Firma werden.
Bauzeit sechs Monate - in China
Die erste Gigafactory, die bisher nur Batterien produziert, baute Tesla in der Wüste im US-Bundesstaat Nevada. Erst vor kurzem wurde in weniger als sechs Monaten eine Fabrik in China fertiggestellt. Dort sollen bis zu 150.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden, zunächst das Model 3, dann auch das Model Y.
Das Model 3 wird bisher im Tesla-Stammwerk in Fremont im Silicon Valley gebaut. Die Fabrik ist so überlastet, dass Musk eine Fertigungslinie in einem Zelt neben den Werkshallen aufbauen ließ. In Europa montierte Tesla bisher in den Niederlanden einige Fahrzeuge der teureren Modellreihen Model S und Model X (Test) [6]. Musk stellte aber wiederholt klar, er sehe die Zukunft der Firma vor allem im Model 3 und im Model Y.
Tesla kämpft angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe bei neuen Modellen immer wieder mit hohen Verlusten. Zugleich wird praktisch nach jeden Quartalszahlen der Firma diskutiert, ob die Nachfrage nach Elektroautos generell stark genug ist, um Musks ambitionierte Wachstumspläne zu tragen. Auch zeichnet sich wachsende Konkurrenz aus China ab, wo Elektrofahrzeuge massiv vom Staat gefördert werden.
3 und Y als Gegenspieler
Die Ansiedlung der Fabrik in Deutschland hat auch symbolische Kraft. Tesla wagt sich ins Heimatland der deutschen Autohersteller, die oft um die selben Käufer kämpfen. Das Model 3 ist direkter Gegenspieler von BMWs 3er-Reihe [7]. Die Deutschen sind gerade dabei, ein breiteres Angebot an Elektroautos an den Start zu bringen. Tesla kaufte vor drei Jahren den deutschen Maschinenbauer Grohmann, der auf Fertigungslinien spezialisiert ist.
Wer Visionen hat ...
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) [8] sagte der dpa nach der Ankündigung: „Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land. Wir haben uns dafür seit längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt. Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat.“ Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) twitterte: „Wer Visionen hat, kommt nach Berlin! Willkommen in der Metropolregion, Tesla!“
Musk war überraschend zur Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ nach Berlin gekommen. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Volkswagen-Chef Herbert Diess auf der Preisverleihung zeigte er Verständnis für das ursprüngliche Zögern der deutschen Autohersteller bei Elektroantrieben. Es sei schwierig, sich auf eine neue Technologie einzulassen, die sich erst noch bewähren müsse, wenn beträchtliche Ressourcen und Arbeitskraft in traditioneller Technik gebunden seien. (mfz [9])
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[4] https://www.heise.de/news/Tesla-Produktion-in-Niedersachsen-4502416.html
[5] https://www.heise.de/tests/Test-Tesla-Model-3-4400919.html
[6] https://www.heise.de/news/Ausfahrt-mit-dem-Tesla-Model-X-3491198.html
[7] https://www.heise.de/tests/Test-BMW-330e-4575801.html
[8] https://www.heise.de/tp/features/Brandenburg-SPD-hat-sich-fuer-Kenia-Koalitionsverhandlungen-entschieden-4534833.html
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