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Telekommunikationsunternehmen gegen Sonderrolle der IP-Registries

Monika Ermert

Die regionalen Registries, die fĂŒr die Vergabe der IP-Adressen in aller Welt zustĂ€ndig sind, haben seit dem Hick-Hack um die Reform der Namensverwaltung einen Autonomie-Kurs gefahren.

Die vier regionalen IP-Registries [1] (RIRs [2]), zustĂ€ndig fĂŒr die Zuteilung von IP-Adressen in aller Welt, sollen keine Sonderrolle innerhalb der privaten Netzverwaltung haben. Das forderte heute beim ICANN [3]-Treffen in Kuala Lumpur der Verband der EuropĂ€ischen Telekommunikationsunternehmen (ETNO). Das ICANN-interne Gremium der RIRs, die Adress Supporting Organisation (ASO [4]), solle wie auch andere Gremien (ccNSO, GNSO) nicht alleine ĂŒber die Zusammensetzung seines Vorstands bestimmen, forderte ein Vertreter von France Telecom fĂŒr die ETNO. ICANNs Nominierungskomitee sollte auch in das ASO-Council Vertreter entsenden.

Die regionalen IP-Registries haben seit dem Hick-Hack um die Reform der Namensverwaltung einen Autonomie-Kurs gefahren. Mit der GrĂŒndung der Dachorganisation Numbering Resource Organisation (NRO [5]) hat man sich -- fĂŒr den Fall der FĂ€lle -- auch darauf vorbereitet, die Zuteilung der IP-Adressblöcke in Eigenregie zu ĂŒbernehmen. APNic-Chef Paul Wilson erklĂ€rte allerdings in Kuala Lumpur: "Wir sind Freunde des ICANN-Modells, also der idealen ICANN, auf die wir alle hinarbeiten." Wilson konterte die ETNO-Kritik mit dem Hinweis, dass man sehr wohl nicht-stimmberechtigte Vertreter anderer ICANN-Gremien einladen werde. Dies ist auch laut dem geplanten Memorandum of Understanding mit der ICANN so vorgesehen. Allerdings wollen sich die RIRs ihre EigenstĂ€ndigkeit durchaus verbriefen lassen: der ASO-Rat wird ganz einfach von der NRO gebildet.

Wie das Tauziehen weitergeht, dafĂŒr gibt es vielleicht schon bei der morgigen ICANN-Vorstandssitzung einen Hinweis. Eines dĂŒrfte den RIRs nicht so gut gefallen: Nicht nur die ETNO protestierte heute. Auch der Regierungsbeirat (Government Advisory Committee, GAC [6]) der ICANN mahnte in seinem Abschlussdokument [7], die ASO mĂŒsse den Kreis der Mitglieder erweitern. Die RIRs haben bislang am effektivsten ihre Rolle als echte Selbstverwaltungsgremien behauptet, gegen den Trend zur Koregulierung. ICANN selbst hat die wichtige Rolle der Regierungen innerhalb der Netzverwaltung inzwischen anerkannt.

Dabei beweisen die RIRs aktuell mit dem gemeinsam angestoßenen Aufbau der fĂŒnften Schwesterorganisation, der regionalen IP-Registry fĂŒr Afrika, AfriNic [8], ihre StĂ€rken. Adiel Akplogan, geschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor von AfriNIC, sagte in Kuala Lumpur, man stehe, nachdem die Aufbauarbeit praktisch abgeschlossen seien, kurz davor, die formelle Anerkennung bei ICANN zu beantragen. Das soll schon in den nĂ€chsten Wochen geschehen. Bislang hatten ARIN und RIPE den schwarzen Kontinent mit IP-Adressen versorgt. Das AfriNic hat sich eine dezentrale Struktur mit BĂŒros in Mauritius, Ghana, SĂŒd-Afrika und Ägypten gegeben.

Zum Meeting der Internet- und DNS-Verwaltung siehe auch:

(Monika Ermert) / (jk [13])


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https://www.heise.de/-101308

Links in diesem Artikel:
[1] http://aso.icann.org/rirs/index.html
[2] http://www.ripe.net/ripencc/about/regional/rir-system.html
[3] http://www.icann.org/
[4] http://aso.icann.org/
[5] http://www.nro.net/
[6] http://194.78.218.67/web/index.shtml
[7] http://194.78.218.67/web/meetings/mtg19/GAC_Communique.doc
[8] http://www.afrinic.net
[9] https://www.heise.de/news/Vor-dem-ICANN-Meeting-Wie-gross-soll-die-Netzverwaltung-sein-100045.html
[10] https://www.heise.de/news/ICANN-WSIS-und-die-Selbststaendigkeit-der-Internet-Verwaltung-100521.html
[11] https://www.heise.de/news/ICANN-Meeting-Ochsentour-internationalisierte-Domains-100955.html
[12] https://www.heise.de/news/ICANN-Meeting-das-Geschaeft-mit-den-Domains-101260.html
[13] mailto:jk@heise.de