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"Telekomgate": Wer hat was gewusst?

Die AffĂ€re um die Bespitzelung von Journalisten entwickelt sich zum Supergau fĂŒr den Bonner Konzern. Noch sind viele Fragen offen.

FĂŒr die Deutsche Telekom entwickelt sich die AffĂ€re um die Bespitzelung [1] von Managern und Journalisten immer mehr zu einem Supergau. Auch wenn die Bonner Staatsanwaltschaft den aktiven Vorstand und Konzernchef RenĂ© Obermann aus der Schusslinie nahm [2], bleibt die ganze Dimension des Vorgangs undurchsichtig. Waren es nur die Jahre 2005 und 2006 [3], in welchen der grĂ¶ĂŸte europĂ€ische Telekommunikationskonzern Verbindungsdaten missbrĂ€uchlich nutzte, um Informanten aus dem Konzern auf die Schliche zu kommen? In welchem Ausmaß wurde gesetzeswidrig in Verbindungsdaten geschnĂŒffelt, und wer erteilte die AuftrĂ€ge?

"Je lĂ€nger die AufklĂ€rung dauert, umso grĂ¶ĂŸer wird der Schaden fĂŒr das Telekom-GeschĂ€ft sein", befĂŒrchtet Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz. Obermann habe nichts zu verbergen, heißt es bei der Telekom, auch wenn er schon Mitte 2007 es von einem Fall des Datenmissbrauchs wusste. Und doch steht der 45-jĂ€hrige Manager vor ErklĂ€rungsnöten: Denn den Schritt in die Öffentlichkeit ging der Telekom-Chef erst, als das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am vergangenen Wochenende den massiven Datenmissbrauch bei der Telekom ans Licht brachte.

Obermann habe seinerzeit sofort reagiert, den Bereich der Konzernsicherheit umgebaut und den zustĂ€ndigen Leiter entlassen, heißt es bei der Telekom zur Entschuldigung. Doch der Fall blieb zunĂ€chst unter dem Teppich. Die Telekom habe angesichts eines Streiks vor einer Zerreißprobe gestanden, begrĂŒndet ein Sprecher die ZurĂŒckhaltung. "Deshalb haben wir davon Abstand genommen, den Einzelfall an die Öffentlichkeit zu bringen", sagt Philipp Schindera.

Aber zu diesem Zeitpunkt war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Denn die Ereignisse ĂŒberstĂŒrzten sich: Am Donnerstag bekam die Telekom Besuch [4] von 50 Beamten der Staatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes. Die Behörde nahm Ermittlungen gegen frĂŒhere Telekom-Manager und Verantwortliche auf. Nicht davon betroffen: der derzeitige Vorstand und Konzernchef Obermann, der wenige Tage vor der Hauptversammlung des Unternehmens mit einer Strafanzeige die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen hatte.

Die AffĂ€re bleibt ein riesiges Puzzle. Namen werden genannt, mögliche Strippenzieher, Verantwortliche, AusfĂŒhrende und Betroffene. "Was war eigentlich der Mehrwert dieser Aktion?", fragt ein Manager des Unternehmens und schĂŒttelt verstĂ€ndnislos den Kopf. Die Telekom steht ohnehin im Inland durch einen scharfen Wettbewerb mit dem RĂŒcken zur Wand. Und jetzt dieser Image- und Vertrauensverlust.

Schnell zeigen die Finger auf den damaligen Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den frĂŒheren Aufsichtsratsvorsitzenden, Klaus Zumwinkel. Gegen beide ermittelt die Staatsanwaltschaft ebenso wie gegen sechs weitere ehemalige Telekom-Manager.

Doch die Beschuldigten weisen alle VorwĂŒrfe zurĂŒck. Klar ist jedenfalls, dass dem damaligen Vorstand und Aufsichtsrat das Ausplaudern von Interna in den Medien zunehmend gegen den Strich ging. "Die Telekom war wie ein Schweizer KĂ€se", umschreibt ein Ex- Manager das Bonner Unternehmen in der damaligen Zeit. Die Informationslöcher sollten gestopft werden. Welche AuftrĂ€ge von wem erteilt wurden, das will die Staatsanwaltschaft jetzt herausfinden.

"Alleine schon um die Anweisung der finanziellen Mittel zu veranlassen, hĂ€tte es jemanden aus dem Bereich bedurft", sagt ein mit den VorgĂ€ngen vertrauter Telekom-Mitarbeiter. Er schloss nicht aus, dass auch Konzernchef Obermann, dem der Aufsichtsrat am Mittwoch den RĂŒcken gestĂ€rkt hatte, ĂŒber die Bespitzelung von AufsichtsrĂ€ten, Managern und Journalisten informiert gewesen ist. "Immerhin waren Ricke und Obermann enge Freunde".

Siehe dazu auch:

(Peter Lessmann, dpa) / (vbr [18])


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[2] https://www.heise.de/news/Telekom-Spitzelaffaere-Keine-Ermittlungen-gegen-aktive-Vorstandsmitglieder-Update-210929.html
[3] https://www.heise.de/news/Telekomgate-Die-Deutsche-Telekom-soll-seit-dem-Jahr-2000-bespitzelt-haben-210700.html
[4] https://www.heise.de/news/Spitzelaffaere-Konzernzentrale-der-Telekom-von-Staatsanwaltschaft-durchsucht-210781.html
[5] https://www.heise.de/news/Telekom-Spitzelaffaere-Keine-Ermittlungen-gegen-aktive-Vorstandsmitglieder-Update-210929.html
[6] https://www.heise.de/news/Spitzelaffaere-Konzernzentrale-der-Telekom-von-Staatsanwaltschaft-durchsucht-210781.html
[7] https://www.heise.de/news/Telekomgate-Die-Deutsche-Telekom-soll-seit-dem-Jahr-2000-bespitzelt-haben-210700.html
[8] https://www.heise.de/news/Telekom-soll-Spitzel-in-der-Capital-Redaktion-platziert-haben-210671.html
[9] https://www.heise.de/news/Telekom-ueberwachungsaffaere-Fruehere-Konzernleitung-belastet-210428.html
[10] https://www.heise.de/news/Kriminalbeamte-fordern-zentrale-Datenbank-fuer-Verbindungsdaten-210161.html
[11] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-sehen-schwindendes-Rechtsbewusstsein-210155.html
[12] https://www.heise.de/news/Telekom-arbeitet-mit-Hochdruck-an-Aufklaerung-der-Bespitzelungsaffaere-210039.html
[13] https://www.heise.de/news/Ethikverband-Krimineller-Sumpf-bei-der-Telekom-210010.html
[14] https://www.heise.de/news/Telekom-Chef-Obermann-will-harte-Konsequenzen-aus-Bespitzelungsaffaere-ziehen-209927.html
[15] https://www.heise.de/news/DJV-nennt-Telekom-Bespitzelungsaffaere-Angriff-auf-Pressefreiheit-209874.html
[16] https://www.heise.de/news/Telekom-Aufsichtsrat-fordert-schnelle-Aufklaerung-im-Spitzel-Skandal-209863.html
[17] https://www.heise.de/news/Telekom-soll-eigene-Manager-bespitzelt-haben-209826.html
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