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Telekom will ver.di mit verbessertem Angebot an Verhandlungstisch locken [Update]

Die Telekom bessert ihr bisheriges Angebot im Konflikt mit ver.di durch Aussicht auf Zahlung eines Erfolgsbonus und geringere Absenkung der GehÀlter nach.

Mit der Aussicht auf Zahlung eines Erfolgsbonus und einer geringeren Absenkung der GehĂ€lter will die Telekom [1] im Streit um die Umstrukturierung des Konzerns ver.di [2] an den Verhandlungstisch zurĂŒckbringen. "Wir stehen in den nĂ€chsten Tagen vor einer Weichenstellung, ob ver.di und die Telekom gemeinsam oder getrennte Wege gehen", sagte Personalvorstand Thomas Sattelberger am Mittwoch in Bonn.

Dabei erlĂ€uterte er erstmals die Erfolgsbeteiligung [3], die unter anderem abhĂ€ngig sei von den individuellen Leistungen der Mitarbeiter und dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Als mögliche AusschĂŒttungssumme nannte er einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Auch bei anderen Bereichen wie der Absenkung der GehĂ€lter sei die Telekom verhandlungsbereit. "Es gibt bei uns kein Dogma", betonte Sattelberger.

[Update]:
Der Erfolgsbonus soll neben einer Ausweitung des variablen Anteils der GehĂ€lter auf 20 Prozent als neues Element in die Verhandlungen einfließen. Diese Beteiligung könnte im Jahr 2011 zur Auszahlung kommen. Die ausgeschĂŒttet Summe sei dabei abhĂ€ngig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und von erreichten Zielen bei der Kundenzufriedenheit. AusdrĂŒcklich betonte Sattelberger, dass der Vorstand auch zu den anderen Bausteinen gesprĂ€chsbereit sei.

In einer ersten Stellungnahme lehnte ver.di-Streikleiter Ado Wilhelm EinkommenskĂŒrzungen weiterhin strikt ab. Er signalisierte aber erstmals ein Einlenken der Gewerkschaft: "Wenn das Signale fĂŒr Verhandlungen sind, werden wir uns das anschauen." Sattelberger zeigte sich indes sehr optimistisch, dass der Tarifpartner in den nĂ€chsten Tagen an den Verhandlungstisch zurĂŒckkehren wird. Dabei betonte er, dass die Offerte der Telekom keine "Charmeoffensive" sei.

In den Verhandlungen mit ver.di hatte die Telekom zuletzt eine stufenweise Absenkung der GehĂ€lter um 9 Prozent und eine VerlĂ€ngerung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden angeboten. Im Gegenzug sollte es unter anderem einen KĂŒndigungsschutz bis Ende 2011 geben. ver.di hatte die Offerte abgelehnt und die BeschĂ€ftigten nach einer Urabstimmung zum Streik aufgerufen. Durch die Auslagerung von 50 000 BeschĂ€ftigten in Service-Gesellschaften will das Unternehmen unter anderem 500 Millionen bis 900 Millionen Euro einsparen und die Service-QualitĂ€t verbessern.

Mit dem nachgebesserten Gesamtkonzept, das auch einen Investitionspakt fĂŒr Qualifizierung und Service-Kultur vorsieht, sind die EinsparplĂ€ne der Telekom laut Sattelberger nicht gefĂ€hrdet. "Wir liegen weiterhin voll im Zielkorridor, es wird kein Abstriche geben". Das hĂ€tte das Unternehmen den KapitalmĂ€rkten versprochen.

Einen möglichen Alleingang beim Stellenumbau bezeichnete der Personalchef erneut als "ultima ratio". Die Telekom hatte ver.di mehrfach diesen Schritt angedroht, sollte es zu keiner Einigung mit dem Tarifpartner kommen. In der kommenden Woche sollen die betroffenen Mitarbeiter formell ĂŒber ihre Eingliederung in neue Gesellschaften unterrichtet werden. Dabei drohen ihnen wesentlich schlechtere Konditionen als die im letzten Telekom-Angebot genannten Bedingungen.

Siehe zum Arbeitskonflikt bei der Telekom auch die Linkliste zu Artikeln und Nachrichten in c't-Hintergrund:

(dpa) / (jk [5])


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https://www.heise.de/-136256

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.telekom.de
[2] http://www.verdi.de
[3] https://www.heise.de/news/Neuer-Personalvorstand-bringt-Schwung-in-Diskussion-um-Telekom-Umbau-135834.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Der-Streik-bei-der-Deutschen-Telekom-302618.html
[5] mailto:jk@heise.de