Telekom feilt an "Strategie 2.0"
Noch arbeitet der Vorstand der Telekom an einer geheimen "Strategie 2.0", da wird erste Kritik an RenĂ© Obermanns PlĂ€nen laut. Der setzt aufs mobile Internet und enttĂ€uscht die Erwartungen an groĂe Visionen.
Wenn RenĂ© Obermann am Donnerstag die Bilanz der Telekom [1] fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2009 vorlegt, wird er auch etwas zur Zukunft des Konzerns sagen mĂŒssen. Die Telekommunikationsbranche leidet zwar weniger unter den Auswirkungen der Krise als andere Industriezweige, doch richtig rund lĂ€uft es fĂŒr die Bonner nicht. Mit dem alten KerngeschĂ€ft Telefondienste ist immer weniger Geld zu verdienen, die Konkurrenz drĂŒckt auf Preise und Margen. Telekom-Chef Obermann setzt unter anderem aufs mobile Internet [2], um neue GeschĂ€ftsfelder zu erschlieĂen und auch dem Aktienkurs wieder etwas Leben einzuhauchen.
Eine neue Idee muss her. Die Telekom hatte zuletzt auf dem Mobile World Congress in Barcelona ihre Vision vom "vernetzten Leben und Arbeiten [3]" vorgestellt. Dazu passend formuliert der Vorstand eine "Strategie 2.0". Noch ist die nicht veröffentlicht â das soll Mitte MĂ€rz passieren â da gibt es schon erste Attacken auf Obermann. Dessen bisher geheim gehaltener FĂŒnf-Punkte-Plan sei "visionslos", zitiert [4] das Handelsblatt eine ungenannte FĂŒhrungskraft des Konzerns. Der Plan sei die FortfĂŒhrung von AltbewĂ€hrtem. Auch von der Zeitung befragte Analysten wĂŒnschen sich ein bisschen mehr Phantasie.
TatsĂ€chlich mag es kaum ĂŒberraschen, dass sich die Telekom mit einem Netzausbau fĂŒr den steigenden Bandbreitenbedarf rĂŒsten will. Obermann will nach Deutschland [5] offenbar auch in anderen LĂ€ndern Festnetz und Mobilfunk in einer Unternehmenseinheit zusammenfĂŒhren. Der Plan sieht nach Informationen der Wirtschaftszeitung zudem vor, die UmsĂ€tze mit einer Fokussierung aufs mobile Internet zu steigern. Bisher verdienen da vor allem andere. Der Boom bei mobilen Anwendungen geht an den Netzbetreibern weitgehend vorbei. Auch deshalb unterstĂŒtzt die Telekom eine Initiative der Branche fĂŒr einen neuen App-Standard [6].
Auf der anderen Seite bleibt dem Telekom-Chef die Fortsetzung des Sparprogramms. Nachdem in den Jahren 2006 bis 2009 rund 30.000 Jobs bei der Telekom dem Rotstift zum Opfer fielen, sollen mit der Umstellung der Netztechnik auf das Internet-Protokoll (IP) bis 2014 weitere bis zu 20.000 ArbeitsplĂ€tze auf der Kippe stehen. Bei den GeschĂ€ftszahlen erwarten Experten indes keine groĂen Ăberraschungen. Die Deutsche Telekom dĂŒrfte, so die SchĂ€tzungen, die Ziele des Vorstands fĂŒr 2009 erreichen. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sollen es gut 20,5 Milliarden Euro werden. Und die Dividende bleibt vermutlich erneut stabil. FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2008 waren 0,78 Euro je Aktie ausgeschĂŒttet worden. (vbr [7])
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[2] https://www.heise.de/news/MWC-Deutsche-Telekom-will-um-mobiles-Internet-kaempfen-932731.html
[3] https://www.heise.de/news/MWC-Telekom-unterstuetzt-App-Standardisierung-932123.html
[4] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/telekom-strategie-2-0-obermanns-plaenen-fehlt-der-biss;2535247
[5] https://www.heise.de/news/Telekom-Aktionaere-segnen-Verschmelzung-von-Mobilfunk-und-Festnetz-ab-864415.html
[6] https://www.heise.de/news/MWC-Telekom-unterstuetzt-App-Standardisierung-932123.html
[7] mailto:vbr@heise.de
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