Telekom-Chef sucht GlĂŒck im Ausland und Streit mit ver.di
Nach den PlÀnen von René Obermann soll die Telekom in Deutschland ein neues Gesicht bekommen. Dem Telekom-Chef sitzen Regulierer, AktionÀre und Konkurrenten im Nacken; Gewerkschaften und Belegschaft haben ihm aber den Kampf angesagt.
Drei Monate nach seinem Amtsantritt [1] steht Telekom [2]-Chef RenĂ© Obermann möglicherweise vor einer der hĂ€rtesten Auseinandersetzungen in seiner Managerkarriere. Gewerkschaften und Belegschaft haben ihm wegen der geplanten Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern in eine Service-Gesellschaft den Kampf angesagt. Dabei zeigt der 43-jĂ€hrige Manager zwar VerstĂ€ndnis fĂŒr die Sorgen der BeschĂ€ftigten, doch er scheut den Konflikt nicht und bleibt in der Sache hart: "Wir mĂŒssen reagieren, sonst laufen wir auf Grund", analysiert er die Lage, wie sie sich aus seiner Sicht darstellt.
Und so verteidigt er seine PlĂ€ne gegen die Kritik der Gewerkschaften, die von LohndrĂŒckerei sprechen und gar einen Verkauf von Teilen der neuen Service-Sparte befĂŒrchten. GegenĂŒber den Wettbewerber seien die Kosten bei der Telekom zu hoch, sagt Obermann. Gewerkschafter wie Lothar Schröder von ver.di [3] befĂŒrchten dagegen massive EinbuĂen bei den Löhnen. Knapp fĂŒnf Milliarden Euro will die Telekom bis zum Ende der Dekade einsparen.
Nach den PlĂ€nen von Obermann soll die Telekom in Deutschland ein neues Gesicht bekommen. Die MĂ€ngel im Service sollen beseitigt, die Produktpalette den KundenansprĂŒchen angepasst und die Markenvielfalt abgeschafft werden. So soll der Kunstname T-Com durch T-Home ersetzt werden. Eine SchlĂŒsselrolle beim Werben um die Kundenschaft rĂ€umt Obermann dem Service ein. "Wir mĂŒssen hier besser werden, um unsere höheren Preise zu rechtfertigen", unterstreicht er. Wegen ihrer Kostenbasis werde die Telekom immer teurer bleiben. FĂŒr die preisbewussten Kunden will die Telekom im Sommer zudem eine Billigmarke fĂŒr Mobilfunk und DSL auf den Markt bringen. Mehr verrĂ€t Obermann nicht. Experten haben Zweifel am Erfolg der MaĂnahmen: "Der Markt ist in vielen Bereichen gesĂ€ttigt und es herrscht ein starker Preiswettbewerb", sagt Martin Gutberlet von der Marktforschungsgesellschaft Gartner.
Doch Obermann hat kaum Alternativen zu seinen PlĂ€nen und muss einen Riesenspagat hinbekommen. Neben den Gewerkschaften sitzen ihm Regulierer, AktionĂ€re und Konkurrenten im Nacken. Im Inland laufen der Telekom die Kunden in Scharen davon und drĂŒcken auf die Gewinne. Selbst der Mobilfunk, einst die Vorzeigesparte des Konzerns, ist in Deutschland durch den Preiskampf unter Druck geraten. Obermann nennt die Schwachstellen mit Namen und bleibt Realist: Stabilisierung der Lage, lautet sein Minimalziel. Im Klartext: Der Telekom-Vorstand geht davon aus, dass das Unternehmen in diesem Jahr erneut zwei Millionen Kunden im FestnetzgeschĂ€ft an die Konkurrenz verlieren wird. "In Deutschland mĂŒssen wir uns in den nĂ€chsten 15 Monaten auf das Brot- und Butter-GeschĂ€ft konzentrieren", rĂ€umt T- Com-Chef Timotheus Höttges ein.
WĂ€hrend die Telekom auf dem Heimatmarkt nur langfristig mit einer Erholung rechen kann, will Obermann seinem Unternehmen mit Akquisitionen neue Wachstumsfantasien einhauchen. Ohne diese wird der Aktienkurs auf dem niedrigen Stand kleben bleiben â was den GroĂaktionĂ€ren Bund und Blackstone nicht schmecken wĂŒrde. Um den finanziellen Spielraum zu erweitern, plant Obermann den Verkauf von Beteiligungen und Immobilien. Nach EinschĂ€tzung von Analysten könnten hierdurch ĂŒber zehn Milliarden Euro in die Kassen gespĂŒlt werden. Das Geld braucht der Konzern. Denn klar ist, ohne einen groĂen Wurf verliert die Telekom den Anschluss in Europa. Dort geben andere das Tempo schon vor: Die spanische TelefĂłnica beispielsweise hat sich, auch begĂŒnstigt durch tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung ihrer Regierung, als gefrĂ€Ăiger ZukĂ€ufer wie unter anderem beim britischen Mobilfunkbetreiber O2 betĂ€tigt. Auch auf die Telecom Italia haben die Spanier eine Auge geworfen â und an der hatte sich bekanntlich der frĂŒhere Telekom-Chef Ron Sommer vor acht Jahren die ZĂ€hne ausgebissen.
Die neue Konzernstrategie der Deutsche Telekom
Mit dern neuen Strategie will Telekom-Chef RenĂ© Obermann das langfristiges Ăberleben des Konzerns am Markt sichern. Dabei geht es im Kern um die Verbesserung der WettbewerbsfĂ€higkeit im Inland, um Wachstum auf den auslĂ€ndischen MobilfunkmĂ€rkten durch ZukĂ€ufe und die StĂ€rkung der GeschĂ€ftskundensparte durch Partnerschaften.
FĂŒr die Privatkunden werden die VerĂ€nderungen am sichtbarsten sein: So werden die Telekom-Produkte kĂŒnftig nur noch unterschieden in T-Home fĂŒr Angebote zu Hause und T-Mobile fĂŒr Angebote unterwegs. Alle anderen Marken wie T-Com und T-Online werden als Marke kĂŒnftig verschwinden. Mit dieser Vereinfachung erhofft sich der Vorstand mehr Orientierung fĂŒr die Kunden und einen effizienten Mitteleinsatz.
Zugleich setzt die Telekom auf das Wachstum bei schnellen InternetzugĂ€ngen. Hierzu sollen neben dem geplanten Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes (VDSL) weitere 750 StĂ€dte bis zur Jahresmitte mit einer aufgerĂŒsteten DSL-Variante (ADSL2+) versorgt werden. Der Aufbau einer neuen Medienplattform soll bis Ende 2007 fĂŒr rund 17 Millionen Haushalte IPTV und BĂŒndelangebote ermöglichen. Bis zur Jahresmitte will der Konzern darĂŒber hinaus mit einer Billigmarke im DSL-GeschĂ€ft an den Markt gehen.
Der umstrittenste Teil der Obermann-PlĂ€ne ist die Ausgliederung von rund 50.000 Mitarbeitern in eine Service-Gesellschaft des Unternehmens. Mit dieser MaĂnahme will der Bonner Konzern sowohl Kosten sparen wie auch den Service durch BĂŒndelung dieser AktivitĂ€ten verbessern. Im Ausland hat die Telekom zudem wieder ZukĂ€ufe im Mobilfunk ins Visier genommen, um weiteres Wachstum zu generieren. Der GeschĂ€ftskundensparte T-Systems will Obermann durch eine Partnerschaft eine stĂ€rkere internationale Ausrichtung geben.
Siehe dazu auch:
- Telekom wird kĂŒnftig mit 2-Marken-Strategie auftreten
- Anschlussverluste im Festnetz drĂŒcken Telekom-Gewinn [4]
- Telekom-Aufsichtsrat stimmt Obermanns neuer Strategie zu [5]
(Peter Lessmann, dpa / Martin Murphy, dpa-AFX) / (jk [6])
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[2] http://www.telekom.de
[3] http://www.verdi.de
[4] https://www.heise.de/news/Anschlussverluste-im-Festnetz-druecken-Telekom-Gewinn-151424.html
[5] https://www.heise.de/news/Telekom-Aufsichtsrat-stimmt-Obermanns-neuer-Strategie-zu-151414.html
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