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TTIP: Frankreich droht mit Verhandlungsabbruch

Stefan Krempl
Matthias Fekl

Matthias Fekl

(Bild: Francois Hollande / Flickr)

Der französische StaatssekretĂ€r fĂŒr Außenhandel, Matthias Fekl, hat die GesprĂ€che ĂŒber das geplante transatlantische Wirtschaftsabkommen TTIP als "völlig intransparent" kritisiert. Die US-Seite lege keine ernsthaften Papiere mehr vor.

In der französischen Regierung wĂ€chst der Unmut ĂŒber den Stand der Verhandlungen zwischen der EU und den USA ĂŒber das von beiden Seiten angestrebte Handelsabkommen TTIP [1]. Europa habe in allen Bereichen ZugestĂ€ndnisse gemacht, aber im Gegenzug keine ernstzunehmenden VorschlĂ€ge mehr zurĂŒckbekommen, Ă€rgerte sich [2] jetzt der französische StaatssekretĂ€r fĂŒr Außenhandel, Matthias Fekl, gegenĂŒber der Zeitung Sud Ouest. Insgesamt stellten die undurchsichtigen, im Juli 2013 begonnenen Unterredungen ein "Problem fĂŒr die Demokratie" dar.

Fekl fordert von den USA mehr "Entgegenkommen". Der Deutsch-Franzose beklagt etwa, dass US-Abgeordnete einen viel einfacheren und grĂ¶ĂŸeren Zugang zu Dokumenten hĂ€tten als europĂ€ische Abgeordnete oder Regierungsvertreter. Wenn die USA nicht zĂŒgig zur nĂ€chsten Verhandlungsrunde im Oktober in Miami ZugestĂ€ndnisse machten, gebe es offenbar keinen gemeinsamen Willen, zu einem beiden Seiten vorteilhaften Ergebnis zu kommen.

"Frankreich erörtert alle Optionen", unterstrich der Sozialist. Dazu gehöre auch, die GesprĂ€che zu stoppen. Die Franzosen mĂŒssten aber erst die anderen Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission ĂŒberzeugen, die die Verhandlungen fĂŒhrt.

Einer internen Statusanalyse von Handelskommissarin Cecilia Malmström, ĂŒber die das Magazin Politico berichtet [3], zufolge haben ihre Mitarbeiter bereits alle EU-Positionspapiere an das BĂŒro des Handelsbeauftragten in Washington geschickt, wĂ€hrend von der Gegenseite noch Dokumente zu vielen SchlĂŒsselaspekten fehlten. Zu zehn der geplanten 24 Kapitel des Vertragsentwurfs hĂ€tten sich beide Seiten noch nicht ausgetauscht. Dazu gehörten auch umstrittene Felder wie die "Regulierungskooperation", Informations- und Kommunikationstechnik, Energie, Rohstoffe oder der Schutz von Patent-, Marken- und Urheberrechten.

Der Bundestag drĂ€ngt derweil auf Zugang zu sĂ€mtlichen verfĂŒgbaren TTIP-Dokumenten [4]. BundestagsprĂ€sident Norbert Lammert (CDU) kĂŒndigte vergangene Woche an [5], er werde sich an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wenden, um die organisatorischen Fragen zum Durchsetzen der Parlamentsrechte zu klĂ€ren. Am uneingeschrĂ€nkten Einsichtsrecht der Volksvertreter gebe es keine Zweifel mehr. (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2833345

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Eckpunkte-fuer-TTIP-EU-Parlament-stimmt-fuer-Aufnahme-der-Verhandlungen-2745141.html
[2] http://www.sudouest.fr/2015/09/27/traite-tafta-la-france-envisage-l-arret-des-negociations-revele-matthias-fekl-2136761-705.php
[3] http://www.politico.eu/article/ttip-negotiations-not-even-half-done/
[4] https://www.heise.de/news/Bundestag-fordert-Zugang-zu-geheimen-TTIP-Dokumenten-2810498.html
[5] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw39_lammert_ttip/388940
[6] mailto:anw@heise.de