T-Aktie verliert im Aktienindex an Gewicht
Die Deutsche Börse stellt die Berechnung des DAX um -- und bringt damit die stark gebeutelte Telekom-Aktie zusÀtzlich unter Druck.
Die Deutsche Börse [1] stellt die Berechnung des DAX um -- und bringt damit die stark gebeutelte Telekom-Aktie zusÀtzlich unter Druck [2]. Vom 21. Juni an wird die Deutsche Börse das "Gewicht [3]" der Aktien in ihrem Standardwerte-Index auch daran messen, wie hoch der Anteil des Streubesitzes am Aktienkapital ist.
FĂŒr Unternehmen wie die Telekom oder die Post mit ihrem hohen Staatsanteil bedeutet das, dass ihr Anteil am DAX sinkt. Fonds, die den DAX abbilden, mĂŒssen also ihre T-Aktien zum Teil verkaufen und in die Aktien investieren, die jetzt einen höheren Anteil am DAX bekommen. Besonders die T-Aktie -- einst das unangefochtene Schwergewicht im DAX -- trifft die Entscheidung hart. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits die HĂ€lfte ihres Wertes verloren. Am Freitag stĂŒrzte die Notierung sogar erstmals unter zehn Euro. Als einen Grund fĂŒr den krĂ€ftigen Kursrutsch nennt der Fondsmanager Eicke Reneerkens von Union Investment die Umstellung der Indizes auf Streubesitz. Von Platz zwei im Index wird die T-Aktie bis auf Platz fĂŒnf zurĂŒckfallen, schĂ€tzt die Commerzbank.
Doch nicht nur die Unternehmen mit hohem Staatsanteil am Kapital verlieren an Börsengewicht. Betroffen sind auch Unternehmen mit privaten GroĂaktionĂ€ren wie die MĂŒnchener RĂŒck und BMW oder der VW-Konzern mit dem groĂen Anteil des Landes Niedersachsen. Profitieren werden Unternehmen mit vielen KleinaktionĂ€ren wie vor allem Siemens und die Deutsche Bank. "Die Umstellung auf Streubesitz wird die Indizes 'ehrlicher' machen, weil nicht mehr alle zum Handel zugelassenen Aktien in der Berechnung der Indizes berĂŒcksichtigt werden, sondern nur noch die tatsĂ€chlich an der Börse verfĂŒgbaren Titel", sagte Fondsexperte Reneerkens. So verhindere ein Indexanbieter, dass fĂŒr Aktien mit hoher Marktkapitalisierung und gleichzeitig geringem Streubesitz eine kĂŒnstliche Nachfrage und entsprechend ein zu hohes Preisniveau geschaffen werde.
"Aktive Portfoliomanager haben frĂŒhzeitig damit begonnen, ihre Fonds auf die neue Berechnung vorzubereiten. Dies hat die T-Aktie nochmals negativ beeinflusst", sagt Reneerkens. "Die Investoren sind smart genug, um zu wissen, dass sie kursschonender und mit einem geringeren Risiko umschichten können, wenn sie ihre Transaktionen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum strecken", urteilte ein Frankfurter HĂ€ndler. Er erwarte daher keine groĂen Verwerfungen mehr, wenn die Umstellung greife.
Mit der Gewichtung nach Streubesitz, die im August 2000 bekannt gegeben wurde, folgt die Deutsche Börse den angelsĂ€chsischen Indexanbietern wie Morgan Stanley oder Dow Jones. Bei der kĂŒnftigen Berechnung nach Streubesitz ist nur noch der Wert der Anteile von AktionĂ€ren maĂgeblich, die weniger als fĂŒnf Prozent der Titel eines Unternehmens halten. Bei Gesellschaften mit Vorzugs- und Stammaktien wird nur noch die liquideste Aktiengattung berĂŒcksichtigt. (Elke Pfeifer, dpa-AFX) / (jk [4])
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