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Studie: Digitalisierung der Schulen kostet 2,8 Milliarden Euro jÀhrlich

Stefan Krempl
Computer in Schule

SchĂŒler in Deutschland sind oft mit der IT-Ausstattung an ihren Schulen unzufrieden.

(Bild: dpa, Marc Tirl/Symbolbild)

Forscher kommen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zu dem Ergebnis, dass der von Bund und LĂ€ndern geplante Digitalpakt finanziell nicht ausreichend unterfĂŒttert ist. Nötig sei ein gemeinsamer "Kraftakt", in den Eltern einbezogen werden sollten.

Die Politik hierzulande plant nicht genĂŒgend Geld ein, um die Digitalisierung der Schulen zu stemmen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Andreas Breiter vom Institut fĂŒr Informationsmanagement der UniversitĂ€t Bremen (ifib) im Rahmen einer am Freitag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung zur IT-Ausstattung im Bildungswesen [1]. Eine "lernförderliche Infrastruktur" schlĂ€gt demnach mit rund 2,8 Milliarden Euro im Jahr zu Buche. Das Bundesbildungsministerium will mit seiner Initiative fĂŒr einen "Digitalpakt" [2] dagegen zwischen 2018 und 2022 pro anno "nur" eine Milliarde Euro in vernetzte Klassenzimmer, Online-Inhalte und die Lehrerfortbildung stecken.

JĂ€hrlich fallen laut der neuen Untersuchung fĂŒr eine digitale Grundschule durchschnittliche Kosten in Höhe von rund 45.500 Euro an, wenn sich vier bis fĂŒnf SchĂŒler ein EndgerĂ€t wie ein Smartphone, Tablet oder Laptop teilten und es einen Computerraum mit 24 PlĂ€tzen gebe. FĂŒr eine stĂ€rker bestĂŒckte weiterfĂŒhrende Schule, in der jeder ein MobilgerĂ€t nutzen könne, liege der Vergleichswert bei etwa 300.000 Euro. Das entspreche Ausgaben von rund 260 Euro beziehungsweise 400 Euro pro SchĂŒler. Bei den aktuellen Zahlen der Lernenden ergebe sich daraus die berechnete Gesamtsumme, wobei Investitionen in Infrastruktur und EndgerĂ€te dabei ĂŒber einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren umgelegt seien.

Die Ausgaben fĂŒr die notwendige einmalige Erstanbindung der Schulen ans Breitbandnetz und fĂŒr die Fortbildung der Lehrerkollegien sind dabei noch nicht berĂŒcksichtigt. Einbezogen sind dagegen die laufenden Kosten fĂŒr einen breitbandigen Internetanschluss, ein modernes internes Netzwerk und zusĂ€tzliche "MultifunktionsgerĂ€te" etwa zum Scannen oder Drucken. Auch Software-Lizenzen, pĂ€dagogische UnterstĂŒtzung sowie Schulserver und Support sind enthalten.

Andererseits ist laut den Verfassern zu berĂŒcksichtigen, dass die Kommunen nicht bei Null anfangen. SchĂ€tzungen auf Basis der Ausgaben einzelner StĂ€dte und Gemeinden deuten darauf hin, dass insgesamt bereits 20 bis 50 Prozent der jĂ€hrlichen 2,8 Milliarden Euro von kommunaler Seite aufgebracht wĂŒrden. Dies beziehe sich insbesondere auf EndgerĂ€te und die Basisinfrastruktur, wofĂŒr auch bereits teils Gelder aus den LĂ€nderetats flössen.

Die Höhe der nun veranschlagten Kosten zeigt fĂŒr Jörg DrĂ€ger aus dem Vorstand der Bertelsmann-Stiftung aber, dass Kommunen und LĂ€nder diese nicht allein bewĂ€ltigen könnten. "Die Digitalisierung der Schulen braucht jetzt einen Kraftakt", fordert er. Alle Beteiligten einschließlich des Bundes mĂŒssten sich "zĂŒgig darauf verstĂ€ndigen, Schulen beim Lernen mit digitalen Medien dauerhaft und auskömmlich zu unterstĂŒtzen". Einmalige Investitionen seien nicht ausreichend. Auch die Eltern will DrĂ€ger nicht außen vor lassen: es sei zu klĂ€ren, inwieweit diese an den Kosten fĂŒr individuelle EndgerĂ€te "fair und entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten im Rahmen der Lernmittelfreiheit beteiligt werden können".

Die LÀnder beklagen seit LÀngerem, dass selbst der bisher skizzierte Digitalpakt bislang ein Luftschloss sei [3] und der Bund die Mittel noch gar nicht fest eingeplant habe. Die Bundesregierung vertröstete sie im Sommer auf die vor Kurzem gestartete neue Legislaturperiode [4]. Laut einer aktuellen Ansage des Bildungsministeriums [5] soll die Vereinbarung mit den LÀndern bis Ende des Jahres stehen. Die möglichen Jamaika-Koalitionspartner haben sich in ihren bisherigen Sondierungspapieren erst einmal nur wolkig und allgemein zur Schuldigitalisierung bekannt [6].

Die Organisation LobbyControl warnt derweil davor [7], dass IT- und Internetkonzerne von Apple ĂŒber Microsoft bis zur Deutschen Telekom "die Bildung lĂ€ngst als wichtiges Spielfeld entdeckt" hĂ€tten [8] und der Markt mit den im Raum stehenden staatlichen Milliardenausgaben immer lukrativer werde. Insbesondere Google versuche mit einer groß angelegten Lobbykampagne an Deutschlands Schulen Fuß zu fassen. So habe der Internet-Gigant mit der "Zukunftswerkstatt [9]" ein Programm gestartet, dass VR-Brillen an Schulen bringen soll und Fortbildungen anbietet. Ein weiterer Akteur sei die Telekom-Stiftung, die derzeit vor allem "in die Lehrerausbildung eingreift" und seit 2003 knapp 20 Millionen Euro ausgegeben habe. Digitalisierung und deren Ausgestaltung dĂŒrfe aber nicht Konzernen ĂŒberlassen werden. (kbe [10])


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[1] https://www.bertelsmann-stiftung.de//de/publikationen/publikation/did/5468/
[2] https://www.heise.de/news/Milliarden-Foerderprogramm-fuer-digitale-Klassenzimmer-3609761.html
[3] https://www.heise.de/news/Digitalisierung-an-Schulen-Digitalpakt-stockt-Aufklaerung-verlangt-3776103.html
[4] https://www.heise.de/news/Vernetzte-Schulen-Bundesregierung-verschiebt-milliardenschweren-Digitalpakt-3819138.html
[5] http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/digitalpakt-fuer-schulen-so-viel-kostet-moderner-unterricht-a-1176153.html
[6] https://www.heise.de/news/Jamaika-Sondierer-wollen-Gigabitnetz-modernes-Datenrecht-und-Videoueberwachung-3876398.html
[7] https://www.lobbycontrol.de/2017/11/edle-spender-oder-subtile-manipulatoren-lobbyismus-an-schulen-und-der-fall-des-mini-computers-calliope-mini/
[8] https://www.heise.de/news/Calliope-mini-fuer-Schulen-Geschenk-oder-Lobbyismus-3867025.html
[9] https://www.heise.de/news/Google-eroeffnet-erstes-dauerhaftes-Schulungszentrum-in-Muenchen-3772953.html
[10] mailto:kbe@heise.de