StudiVZ tut sich im Ausland schwer
In Italien und Spanien lĂ€uft es nicht den Erwartungen entsprechend. Neue Manager sollen die GeschĂ€fte vor Ort besorgen, in Berlin mussten dafĂŒr Mitarbeiter gehen.
Beim Vorzeigekind der deutschen Web-2.0-Szene sind mit dem neuen Chef [1] auch neue PrioritĂ€ten eingezogen. Der Neue an der Spitze von StudiVZ [2], Marcus Riecke, steht weniger fĂŒr gruschelige Start-up-AtmosphĂ€re als fĂŒr wirtschaftliche Effizienz. Riecke war Ende August im Auftrag von Holtzbrinck angetreten, um das Unternehmen auf Kurs und vor allem aus den Schlagzeilen [3] zu halten. FĂŒr die hatte besonders das bizarre Verhalten eines der jugendhaften GrĂŒnder gesorgt. Aber auch ohne Ehssan Dariani [4] war StudiVZ immer fĂŒr eine Negativschlagzeile gut, wie zuletzt die von Aimaq Rapp Stolle produzierten kontroversen Viralvideos einmal mehr bewiesen haben.
Doch auch schlechte PR kann nicht auf Dauer davon ablenken, dass StudiVZ ein Unternehmen mit wirtschaftlichen Zielen ist. Im kommenden Jahr sollen schwarze Zahlen geschrieben werden. Das Portal muss noch beweisen, dass es die Millionen von Seitenabrufen und Besuchern auch in bare MĂŒnze umsetzen kann. Und es muss weiter wachsen. WĂ€hrend die deutsche Web-2.0-Szene noch von den 15 Milliarden US-Dollar [5] trĂ€umt, die das groĂe Vorbild Facebook nun angeblich wert sein soll, backt man in Berlin inzwischen wieder etwas kleinere Brötchen. Zwar ist man bei Holtzbrinck mit der Entwicklung der deutschen Plattform (nach eigenen Angaben rund 4 Millionen Mitglieder) und des SchĂŒler-Ablegers SchĂŒlerVZ [6] (1,7 Millionen) zufrieden, doch entwickelt sich das Netzwerk im Ausland nicht wie gewĂŒnscht.
AuĂer in Polen, wo StudiVZ mit der Plattform studentix.pl vertreten ist, lĂ€uft es international nicht richtig rund. So heiĂt es, in Italien und Spanien bekomme die Holtzbrinck-Tochter nur schwer ein Bein auf den Boden, das Wachstum bliebe hinter den Erwartungen zurĂŒck. Riecke, meint ein Branchenkenner, greife nun durch. So habe er die Ausgaben fĂŒr die internationale Expansion zusammengestrichen und die Teams in Berlin verkleinert.
Die auslĂ€ndischen Portale sollen vor Ort gefĂŒhrt werden, neue GeschĂ€ftsfĂŒhrer fĂŒr die Auslandsableger sind zum Teil schon gefunden. Die bisher in Berlin fĂŒr die fremdsprachigen Portale zustĂ€ndigen Mitarbeiter sind damit ĂŒberflĂŒssig geworden. Mindestens 40 der etwa 150 Mitarbeiter, so ist aus Branchenkreisen zu hören, sollen bereits Ende vergangenen Monats entlassen worden sein. Andere Quellen sprechen von knapp der HĂ€lfte des Teams.
Konstantin Urban, einer der zwei Chefs von StudiVZ-Mutter [7] Holtzbrinck Networks, bestĂ€tigte auf Anfrage, dass es Entlassungen gegeben hat, darunter auch studentische Mitarbeiter und Praktikanten. FĂŒr Zahlen verwies Urban an einen StudiVZ-Sprecher, der von einem Stellenabbau in gröĂerem Umfang aber nichts wissen will. StudiVZ habe die internationalen Teams von Berlin ins Ausland verlagert, davon seien auch einige Studenten und Praktikanten betroffen gewesen. Weitere Entlassungen könne er nicht bestĂ€tigen. Das Unternehmen wachse und stelle weiter ein. (vbr [8])
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[1] https://www.heise.de/news/Neuer-Chef-bei-StudiVZ-164983.html
[2] http://www.studivz.de
[3] https://www.heise.de/news/Weiter-Wirbel-um-StudiVZ-121040.html
[4] https://www.heise.de/news/StudiVZ-Umstrittener-Gruender-scheidet-aus-Geschaeftsfuehrung-aus-155581.html
[5] https://www.heise.de/news/Microsoft-kauft-sich-bei-Social-Networking-Site-Facebook-ein-188995.html
[6] https://www.heise.de/news/SchuelerVZ-wird-jugendfrei-154553.html
[7] https://www.heise.de/news/Holtzbrinck-schluckt-Studentenportal-StudiVZ-Update-130507.html
[8] mailto:vbr@heise.de
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