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Streit um Infineons neue Zentrale

Andreas Wilkens

Die Münchener SPD-Rathausfraktion fordert, Infineon solle den Landschaftspark in Neubiberg selbst bezahlen.

Die Münchener SPD-Stadträte schütteln die Köpfe. Grund für den Unmut: Die CSU-geführte bayerische Landesregierung dränge den Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München e.V. (EFV [1]) die Trägerschaft für den Landschaftspark der neuen Infineon-Zentrale "Campeon [2]" in Neubiberg bei München zu übernehmen. Von den 3,2 Millionen Euro Kosten solle der Verein 2,4 Millionen Euro tragen, 800.000 Euro das Land.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Constanze Lindner-Schädlich meint, "die Story um die neue Infineon-Zentrale wird immer skurriler". Man solle sich daran erinnern, dass Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu den Regionalen Planungsverband massiv gedrängt habe, einer Verlagerung Infineons von München weg in den regionalen Grünzug zuzustimmen. Auf 63 Hektar entstehe eine "naturnahe Teichlandschaft mit maximal dreigeschossigen Bürogebäuden". Jetzt wolle Infineon die Gestaltung nicht mehr zahlen. Lindner-Schädlich meint, die Anlage eines Landschaftparks, der ein Gewerbepark sei, gehöre nicht zu den Vereinsaufgaben. Von der Landesregierung war bislang noch keine Stellungnahme zu bekommen.

Zudem habe die Landesregierung im vergangenen Jahr dem Programm "Erholung in der freien Natur und Gartenschauen" fest zugesagte Mittel für die Bundesgartenschau 2005 in München um 1,3 Millionen Euro gekürzt, wolle aber den Infineon-Park aus eben diesem Programm mitfinanzieren, heißt es in einer Mitteilung der Münchener SPD. Da sich München für die Bundesgartenschau aufgrund der vom Land zugesagten Zuschüsse beworben habe, sollten die geplanten 800.000 Euro für den Landschaftspark an die Landeshauptstadt gehen.

Infineon verspricht sich von der neuen Zentrale die Zusammenführung der Mitarbeiter aus bisher neun über München verteilten Standorten und Optimierung der Arbeitsabläufe. Die Gebäude sollen noch in diesem Jahr bezogen werden. Bauherr ist die Projektgesellschaft MoTo [3]. Infineon mietet "Campeon" im Rahmen eines langfristigen Vertrags an. Der EFV kümmert sich um die "Sicherstellung und Gestaltung überörtlicher Erholungsflächen im Gebiet der Mitglieder" -- darunter München. Diese Flächen stellt der Verein der Allgemeinheit unentgeltlich zu Verfügung. (anw [4])


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https://www.heise.de/-81963

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.efv-muenchen.de/
[2] https://www.heise.de/news/Infineon-Milliardenbau-trotz-Kurzarbeit-51782.html
[3] http://www.campeon.de/deutsch/l_moto_d.htm
[4] mailto:anw@heise.de