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Streit um Datenschutzrecht in Mecklenburg-Vorpommern

Kurz vor dem "Datenschutzgipfel" bei Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble geht es auch auf LĂ€nderebene hoch her beim Schutz der privaten Daten von BĂŒrgern.

Kurz vor dem "Datenschutzgipfel" [1] bei Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble geht es auch auf LĂ€nderebene hoch her bei den Diskussionen um den Schutz der privaten Daten von BĂŒrgern. So ist um den Datenschutz in Mecklenburg-Vorpommern [2] Streit in der Landespolitik entbrannt. Der Landesdatenschutzbeauftragte Karsten Neumann [3] forderte eine Modernisierung der Gesetzeslage im Land. Hintergrund ist die Zunahme von Datenhandel und Datenmissbrauch. Die Landtagsfraktion der Linken stellte sich hinter Neumann, der dieser Partei angehört. Das Regierungslager reagierte gespalten. WĂ€hrend die SPD-Fraktion GesprĂ€chsbereitschaft signalisierte, wies die CDU die Forderung der Linksfraktion zurĂŒck.

Neumann erklĂ€rte, die TĂ€tigkeitsberichte seiner Behörde "zeigen schon seit Jahren wesentliche LĂŒcken im System zum Schutz des Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung". Dabei seien kriminelle Machenschaften nur die Spitze des Eisberges. Neumann verwies auf die bekanntgewordenen FĂ€lle von Datenhandel oder Datenmissbrauch im Internet. "Wir fordern zum Beispiel, dass ein Unternehmen, wenn es feststellt, dass Daten unrechtmĂ€ĂŸig woanders gelandet sind, gesetzlich verpflichtet wird, die Betroffenen zu unterrichten."

Auch sei es bislang so, dass zwar der Diebstahl von Daten strafrechtlich verfolgt werde, nicht aber deren Herausgabe. Ferner sollte eine Zertifizierung fĂŒr Technik Pflicht werden, die den Anforderungen des Datenschutzes genĂŒgt, forderte Neumann. "Auf dem Weg ins Informationszeitalter darf die Politik die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mit den neuen Herausforderungen und Bedrohungen nicht lĂ€nger allein lassen", betonte er. Am heutigen Donnerstag wollen die Leiter der Datenschutzaufsichtsbehörden in Berlin mit Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble (CDU) ĂŒber eine Modernisierung des Datenschutzrechts sprechen.

Der Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der SPD-Landtagsfraktion, Reinhard Dankert, rĂ€umte ein: "Dass der massenhafte Missbrauch privater Daten ein ernsthaftes Problem darstellt, ist unstrittig." Doch seien gerade bei diesem Thema Vernunft und Weitsicht gefragt, da sich auch die technischen Möglichkeiten sowohl zum Datenschutz als auch zum Datenmissbrauch rasch weiterentwickelten. Er bot GesprĂ€che an. "Sobald die Stellungnahme der Landesregierung zum Jahresbericht des Landesdatenbeauftragten vorliegt, werden wir sie gemeinsam mit dem Bericht im Innenausschuss beraten. In diesem Zusammenhang können wir sicherlich einen eventuell vorhandenen Novellierungsbedarf prĂŒfen."

Der Innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolf-Dieter Ringguth, wies die Forderungen von Neumann und der Linksfraktion indes zurĂŒck. Das Datenschutzrecht in Mecklenburg-Vorpommern sei auf einem hohen Niveau und brauche den bundesweiten Vergleich nicht zu scheuen, teilte er mit. Eine Novellierung des Landesdatenschutzgesetzes sei derzeit nicht erforderlich. Er warnte zugleich vor einem zu leichtsinnigen Umgang mit persönlichen Daten. Die jĂŒngsten FĂ€lle illegalen Datenhandels hĂ€tten gezeigt, dass jeder Einzelne sehr umsichtig mit seinen Daten umgehen mĂŒsse. "Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass bei jeder Suche und jeder Bestellung im Internet Spuren hinterlassen werden." (dpa) / (jk [4])


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[1] https://www.heise.de/news/Bundesdatenschuetzer-kritisiert-Weitergabe-von-Meldedaten-202837.html
[2] http://www.mecklenburg-vorpommern.eu/
[3] http://www.lfd.m-v.de/
[4] mailto:jk@heise.de