Streit mit Youtube: Indie-Labels wollen sich bei EU-Kommission beschweren
Youtube will offenbar mit Ultimatum unabhĂ€ngige Plattenlabels in VertrĂ€ge zwingen, die Rechte fĂŒr einen Musikstreamingdienst einrĂ€umen. Die Labels kritisieren die vorgesehenen VergĂŒtungen, fĂŒhlen sich erpresst und fordern ein Eingreifen der Politik.
Der schwelende Konflikt zwischen Youtube und den unabhĂ€ngigen Plattenlabels spitzt sich weiter zu: Streitpunkt ist, dass die Google-Tochter offenbar mit Ultimatum die Unterzeichnung von LizenzvertrĂ€gen fordert fĂŒr einen möglicherweise bald startenden Musikstreaming-Dienst im Stile Spotifys. Die Labels protestieren gegen die als dĂŒrftig empfundenen Konditionen der VertrĂ€ge und fĂŒhlen sich von der Marktmacht des Internetriesen unter Druck gesetzt. Label-VerbĂ€nde wie der international ausgerichtete WIN, der europĂ€ische IMPALA und die deutsche VUT fordern [1] inzwischen gar ein Eingreifen der EU-Kommission.
(Bild:Â dpa, Monique WĂŒstenhagen)
Laut Bericht [2] der FAZ werden von Youtube entsprechende Schreiben an die Plattenlabel ausgesandt. Die dort vorgestellten Lizenzbedingungen sollen demnach Youtube die Rechte einrĂ€umen, damit âneue und bessere Wegeâ bereitgestellt werden könnten, um Inhalte zum Beispiel auch ĂŒber Musikstreaming zu verbreiten. Bei Nicht-Unterzeichnung werde die Google-Tochter die Zusammenarbeit binnen 60 Tagen einstellen. Konkret wĂŒrde das wohl eine Sperrung der Inhalte widerborstiger Labels bedeuten, wie die VUT kritisiert.
Die Konditionen seien laut Mitteilung [3] des Verbands vom Ende Mai sehr ungĂŒnstig, so liege etwa die VergĂŒtung unter den Preisen, die andere Streamingdienste wie beispielsweise Spotify zahlen. Trotz Protesten und Verhandlungsversuchen soll sich Youtube geweigert haben, etwas an den Konditionen zu Ă€ndern und die VertrĂ€ge zur Unterzeichnung weiterhin an Labels aussenden. Nun wollen die Label-Vertreter die EU-Kommission einschalten: Unter FederfĂŒhrung der IMPALA soll dort Beschwerde eingereicht werden.
"Youtube schieĂt sich selber in den FuĂ"
Ebenfalls hat der Musiker-Verband FAC seine UnterstĂŒtzung signalisiert. Prominente Musiker wie Billy Bragg oder Ed O'Brien von Radiohead erklĂ€rten ihre SolidaritĂ€t mit dem Anliegen der Indielabels. "Youtube schieĂt sich selber in den FuĂ, wenn es versucht, die Labels bei so schlechten Bedingungen zum Unterschreiben zu zwingen.â Der stellvertretende Vorsitzende des VUT, Jörg Heidemann, verwies darauf, dass die unabhĂ€ngigen Labels 30 Prozent des Musikmarkts darstellen. "Darauf werden YouTube-Nutzer und -Nutzerinnen nicht verzichten wollen.â
Youtube selber will sich offenbar nicht eingehender zur Sache Ă€uĂern. GegenĂŒber der Wiener Zeitung etwa verwies [4] die Google-Tochter Ende Mai lediglich auf hunderte erfolgreiche VertrĂ€ge mit Major- und Indielabels weltweit. Weiter hieĂ es, man wolle keine laufenden Verhandlungen kommentieren. Ăber einen Start des neuen Musikstreaming-Dienstes ist bislang noch nichts bekannt. In der Branche sollen Einladungen fĂŒr einen Event im kalifornischen Anaheim am 25. Juni kursieren, bei dem möglicherweise der Dienst vorgestellt wird.
UnabhĂ€ngig davon hat Youtube auch noch eine Front mit der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA offen: Nach wie vor gibt es keine Einigung ĂŒber VergĂŒtungen [5], weshalb zahlreiche populĂ€re Videoclips hierzulande gesperrt sind. Konkurrenten wie etwa MyVideo oder Clipfish haben hingegen bereits Einigungen erzielt [6].
(axk [7])
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[2] http://www.faz.net/aktuell/videoportal-youtube-stellt-kleinen-labels-ultimatum-12963695.html
[3] http://vut.de/presse/presse-artikel/article/-79955ab23a/
[4] http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/medien/632726_Indie-Labels-protestieren-gegen-YouTube.html
[5] https://www.heise.de/news/Sony-Music-zum-YouTube-Streit-Nicht-mit-uns-2152644.html
[6] https://www.heise.de/news/YouTube-Rivalen-bekommen-Tarif-Nachlass-bei-der-Gema-2066892.html
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