Strafanzeigen-Maschinerie gegen P2P-Nutzer arbeitet weiter
Nach Angaben des Spieleherstellers Zuxxez hat die beauftragte Kanzlei mittlerweile mehr als 18.000 Strafanzeigen gegen Tauschbörsen-Nutzer gestellt. Vor zwei Wochen waren es noch 12.000 FÀlle.
Tausende von Strafanzeigen [1] gegen Tauschbörsen-Nutzer, die bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe eingegangen sind, zeitigen erste rechtliche Konsequenzen fĂŒr die Beschuldigten. Seit einiger Zeit verschickt die Staatsanwaltschaft Anschreiben an die VerdĂ€chtigten, in denen sie mitteilt, dass "ein Ermittlungsverfahren wegen VerstoĂes gegen das Urheberrechtsgesetz" eingeleitet worden sei.
Man sehe von einer Klage ab, wenn der Beschuldigte einer "vereinfachten Verfahrenserledigung" zustimme. Unter Auflage der Zahlung eines Betrags (je nach Schwere des VerstoĂes zwischen 50 und 500 Euro) an die Staatskasse werde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Die Beschuldigten mĂŒssen sich zum Vorwurf nicht Ă€uĂern. Wenn sie allerdings nicht zahlen, so lautet die Drohung der Staatsanwaltschaft, werde "ohne weitere Nachricht die öffentliche Klage gegen Sie" erhoben.
Bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe gehen seit lĂ€ngerem mehrere tausend Strafanzeigen monatlich wegen UrheberrechtsverstöĂen im P2P-Netzwerk eDonkey ein. Eingereicht werden die Anzeigen von der Rechtsanwaltskanzlei Schutt-Waetke [2]. Diese wiederum lĂ€sst im Auftrag von Rechteinhabern das spezialisierte Unternehmen Logistep [3] Tauschbörsen gezielt nach Angeboten von bestimmten urheberrechtlich geschĂŒtzten Dateien durchforsten. Wird Logistep fĂŒndig, loggt es die IP-Adresse des Anbieters sowie Datum und Uhrzeit des Angebots und ĂŒbermittelt diese Daten an die Kanzlei.
Das Hauptinteresse der selbst ernannten "Anti-Piracy"-Ermittler scheint momentan beim Spiel Earth 2160 des Karlsruher Herstellers Zuxxez Entertainment [4] zu liegen. Nach Angaben von Zuxxez habe die Kanzlei mittlerweile mehr als 18.000 Strafanzeigen gegen Tauschbörsen-Nutzer gestellt, die das Spiel anbieten. Vor zwei Wochen, als heise online zum ersten Mal berichtete, waren es noch 12.000 FÀlle.
Die von Zuxxez beauftragte Karlsruher Kanzlei erfĂ€hrt ĂŒber eine Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft die von dieser ermittelten persönlichen Daten der Beschuldigten und geht dann mit Abmahnungen gegen sie vor. Im GesprĂ€ch mit heise online erklĂ€rte Zuxxez-Vorstand Dirk P. Hassinger, man wolle den Tauschbörsennutzern auf diese Weise "einen kleinen Denkzettel verpassen". GröĂtenteils wĂŒrden die AbmahngebĂŒhren inklusive einer Schadensersatzforderung rund 150 Euro betragen. Lediglich in EinzelfĂ€llen kĂ€men höhere AbmahngebĂŒhren auf die Beschuldigten zu. Dabei handle es sich um "MehrfachtĂ€ter".
In einer der Abmahnungen, die heise online vorliegt, geht die Kanzlei von einem Streitwert von 25.000 Euro aus und rechnet vor, dass ihr daher laut RechtsanwaltsvergĂŒtungsgesetz 911,80 Euro netto zustehen wĂŒrden. Um dem Abgemahnten "mit den Kosten entgegenzukommen", verlange man kulanterweise lediglich eine Pauschale von 650 Euro. Von mehreren entdeckten VerstöĂen ist allerdings nicht die Rede. Die AnwĂ€ltin des Beschuldigten hat mitgeteilt, dass ihr Mandant nicht bereit sei, die GebĂŒhrenpauschale zu bezahlen. (hob [5])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-131978
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Strafanzeigen-Maschine-gegen-Tauschboersen-Nutzer-128315.html
[2] http://www.schutt-waetke.de
[3] http://www.logistepag.de
[4] http://www.zuxxez.de/
[5] mailto:hob@ct.de
Copyright © 2005 Heise Medien