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Steuernachzahlungen: Facebook angeblich im Visier britischer Finanzbehörden

Stefan Krempl
Steuernachzahlungen: Facebook angeblich im Visier britischer Finanzbehörden

(Bild: Nick Ares, CC BY-SA 2.0 /heise online)

Nach Apple und Google gerÀt nun Facebook verstÀrkt in den Verdacht der gezielten Steuervermeidung in Europa. Vor allem Frankreich und Italien hoffen derweil auf Nachzahlungen des Suchmaschinenprimus an den Fiskus.

Die Steuerpraktiken von Facebook geraten zunehmend ins Rampenlicht, nachdem bisher vor allem Apple, Google oder Microsoft im Zentrum der Debatte ĂŒber schön gerechnete Bilanzen und Briefkastenfirmen in der Karibik standen. Laut einem Bericht der Sunday Times [1] hat Facebook 2014 ĂŒberschaubare 122 Millionen US-Dollar an Finanzverwaltungen außerhalb der USA [2] gezahlt, obwohl die im Ausland erzielten Gewinne bei 3,4 Milliarden US-Dollar lagen. Das entsprĂ€che einem effektiven Steuersatz von nur 3,6 Prozent.

In Großbritannien beispielsweise mĂŒssten grĂ¶ĂŸere Unternehmen in der Regel 21 Prozent ihrer Profite an die Staatskasse abdrĂŒcken, merkt die International Business Times an [3]. Facebook habe seine Steuerschuld auf der Insel minimiert, indem Mitarbeiter per Aktienoptionen bezahlt und Gewinne in das Steuerparadies der Cayman Islands ĂŒbertragen worden seien. Die britische Finanzverwaltung ĂŒberprĂŒfe daher die Steuereinmeldungen der Kalifornier von 2010 bis 2014. Dabei zeige sich Facebook aber bislang unkooperativ.

Schon im Oktober war bekannt geworden, dass das Unternehmen 2014 bei einem Umsatz von einer Milliarde US-Dollar in Großbritannien nur 4327 Pfund (etwa 5700 Euro) Steuern bezahlt hat. Nun wird deutlich, dass es sich bei der Zahl global gesehen nicht um einen Ausrutscher gehandelt hat.

Zuvor hatte erst kĂŒrzlich Google angekĂŒndigt, etwa 172 Millionen Euro an den britischen Fiskus als Nachzahlung [4] fĂŒr die vergangenen zehn Jahre leisten und kĂŒnftig auf der Insel deutlich mehr Steuern zahlen zu wollen. Dies hat nicht nur die EU-Kommission auf den Plan gerufen [5], die wegen verdeckter staatlicher Beihilfe ermitteln will, sondern auch Begehrlichkeiten bei anderen EU-LĂ€ndern geweckt. So hat Italien Google vorgeworfen [6], zwischen 2008 und 2013 insgesamt 300 Millionen US-Dollar Steuern vermieden zu haben. Der französische Finanzminister Michel Sapin [7] lobte den Deal in Großbritannien, der Vorbildcharakter auch fĂŒr Frankreich haben mĂŒsse. Berichten zufolge soll Google bereits 500 Millionen Euro beiseite gelegt haben, um den französischen Fiskus zufriedenzustellen.

Frankreich und Deutschland wollen derweil gesetzlich festschreiben, dass multinationale Konzerne Wirtschaftszahlen fĂŒr einzelne LĂ€nder vorweisen mĂŒssen, in denen sie tĂ€tig sind. Sie gehören zudem zu den UnterstĂŒtzern eines neuen Maßnahmenpakets der EU-Kommission [8], mit dem diese gĂ€ngigen Methoden zum Steuerdumping der Multis einen Riegel vorschieben will. BrĂŒssel hat seit LĂ€ngerem auch die einschlĂ€gigen Praktiken von Apple [9] im Visier. WĂ€hrend Apple [10] hofft, mit einem blauen Auge davonzukommen, schĂ€tzt der US-Finanzdienst Barron's [11], dass das Unternehmen in Europa bis zu acht Milliarden US-Dollar an Steuern nachzahlen muss. (mho [12])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3091179

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.thesundaytimes.co.uk/sto/business/article1662784.ece
[2] http://fortune.com/2016/01/31/facebook-corporate-tax/
[3] http://www.ibtimes.co.uk/facebook-paid-just-4-tax-2-4bn-profit-1541165
[4] https://www.heise.de/news/Google-einigt-sich-mit-britischem-Finanzamt-3082681.html
[5] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-koennte-Googles-Steuerzahlung-in-Grossbritannien-untersuchen-3086201.html
[6] http://www.siliconbeat.com/2016/01/28/quoted-1139/
[7] http://www.politico.eu/article/when-europe-turned-against-google/
[8] https://www.heise.de/news/Amazon-Google-Co-EU-Kommission-will-Steuertricks-und-Briefkastenfirmen-bekaempfen-3088016.html
[9] https://www.heise.de/news/Apple-Urteil-im-Irland-Steuerstreit-wohl-erst-2016-3022527.html
[10] https://www.heise.de/news/Apple-Finanzchef-Steuernachzahlungen-in-der-EU-waeren-unfair-3085871.html
[11] http://www.siliconbeat.com/2016/01/15/report_apples_european_bill_for_back_taxes_could_hit_8_billion/
[12] mailto:mho@heise.de