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Spekulationen um Übernahme und Zerschlagung von Vodafone

Sven-Olaf Suhl

Ein Konsortium aus dem US-Mobilfunker Verizon, der spanischen Telefonica und Investment-Häusern soll erwägen, ein 96 Milliarden Pfund schweres Angebot für den Mobilfunkkonzern abzugeben, berichten britische Medien.

Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone [1], der 2000 mit der feindlichen Übernahme von Mannesmann [2] für Schlagzeilen gesorgt hatte, könnte nun selbst zum Objekt der Begierde von Wettbewerbern werden. Ein Konsortium aus den US-Mobilfunkunternehmen Verizon [3], der spanischen Telefonica [4] und der Investment-Firma Blackstone könnte ein Angebot von 160 Pence je Aktie – entsprechend 96 Milliarden Pfund oder 138 Milliarden Euro – abgeben. Dies berichtet thisismoney [5], das Finanzportal der Daily Mail, mit Bezug auf in der Londoner City kursierende Dokumente. Drahtzieher im Hintergrund ist demnach das Bankhaus JP Morgan Cazenove [6]. Die Investmentbanker von Blackstone dementierten am heutigen Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg allerdings, Vodafone-Übernahmepläne zu verfolgen.

Dem Bericht von thisismoney zufolge würden die Geschäftsfelder von Vodafone in Großbritannien und den USA Verizon zugeschlagen. Der US-Telecom-Riese betreibt seit 1999 mit den Briten das Joint-Venture Verizon Wireless [7], das zu den kundenstärksten Anbietern in Nordamerika zählt. In der Vergangenheit kam es jedoch zu Auseinandersetzungen [8] zwischen den beiden Gesellschaftern, da sich Vodafone aufgrund seines lediglich 45-prozentigen Anteils am Gemeinschaftsunternehmen in den USA nur in seltenen Fällen mit dem eigenen Markennamen präsentieren kann. Die spanische Telefonica soll sich laut Übernahmeszenario hingegen die übrigen europäischen Vodafone-Filialen einverleiben. Ein solcher Schritt dürfte jedoch kaum von der EU-Kommission genehmigt werden, da Telefonica bereits infolge der Übernahme des O2-Konzerns [9] eigene Mobilfunktöchter in Deutschland und in Irland besitzt.

Nach Milliardenabschreibungen [10] gibt sich Vodafone zum 1. Mai eine neue Konzernstruktur [11]. Das bislang komplett auf den Mobilfunk ausgerichtete Unternehmen mit internationaler Präsenz hatte sich im März von seinem glücklos verlaufenen Japan-Geschäft getrennt [12]. Zudem gilt der amtierende Chef von Vodafone, Arun Sarin, als umstritten. Gegen eine Zerschlagung von Vodafone spricht aber nicht zuletzt die zu erwartende Regulierung der Roaming-Tarife [13] durch die EU, die den britischen Konzern weniger trifft als seine Wettbewerber: Dank seiner europaweiten Präsenz können Vodafone-Kunden etliche Auslandstelefonate in konzerneigenen Netzen führen. Während die Kunden in Vodafone-Tarifen wie dem Reiseversprechen [14] von relativ günstigen Auslandsgebühren profitieren, spart Vodafone Zahlungen an Wettbewerber, die sich die Mitbenutzung ihrer Netze teuer entgelten lassen. (ssu [15])


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https://www.heise.de/-116671

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.vodafone.com/
[2] https://www.heise.de/news/Vor-fuenf-Jahren-ging-die-uebernahmeschlacht-Mannesmann-Vodafone-zu-Ende-130890.html
[3] http://www.Verizon.com/
[4] http://www.Telefonica.es/
[5] http://www.thisismoney.co.uk/news/article.html?in_article_id=408198&in_page_id=2
[6] http://www.jpmorgancazenove.com/
[7] http://www.verizonwireless.com/
[8] https://www.heise.de/news/Vodafone-aergert-sich-ueber-Verizon-82259.html
[9] https://www.heise.de/news/Telefonica-haelt-fuer-milliardenschwere-O2-uebernahme-EU-Auflagen-ein-164568.html
[10] https://www.heise.de/news/Vodafone-muss-bis-zu-28-Milliarden-Pfund-abschreiben-106725.html
[11] https://www.heise.de/news/Vodafone-baut-Konzernstruktur-um-115786.html
[12] https://www.heise.de/news/Vodafone-verkauft-japanische-Tochter-an-Softbank-Update-110892.html
[13] https://www.heise.de/news/Handy-Roaming-EU-will-Grosshandels-und-Endkundenpreise-regulieren-113366.html
[14] http://www.vodafone.de/mobil_ausland/infos_vertragskunden/71893.html
[15] mailto:ssu@ct.de