Speicherpreise steigen weiter
Was die PC-KÀufer Àrgert, freut die Chipfirmen: Die Speicherpreise scheinen langsam wieder in profitable Zonen zu klettern.
Was die PC-KÀufer Àrgert, freut die Chipfirmen: Die Speicherpreise scheinen langsam wieder in profitable Zonen zu klettern. Anfang November [1] kam es zuerst an den SpotmÀrkten zu plötzlichen Preissteigerungen, die zunÀchst wie Strohfeuer aussahen. Doch im Laufe der Monate November [2] und Dezember [3] festigten sich die Preise, die nach EinschÀtzung der meisten Branchenkenner nach wie vor deutlich unter den Herstellungskosten der Chips liegen.
Mit sehr deutlichen Preiserhöhungen auch fĂŒr lĂ€ngerfristige LiefervertrĂ€ge zementierten die im vorigen Jahr von massiven UmsatzeinbrĂŒchen gebeutelten [4] Hersteller wie Hynix [5], Infineon [6] und Samsung den Preisanstieg. Dennoch scheint es -- trotz noch in den Herbstgutachten der Marktforscher vorausgesagter LagerĂŒberhĂ€nge [7] -- zurzeit tatsĂ€chlich LieferengpĂ€sse zu geben; der Markt nimmt also auch die teureren Speicherchips auf. Nun erwarten Analysten, dass die Chipfirmen die Gunst der Stunde nutzen und versuchen werden, endlich wieder kostendeckende Preise fĂŒr ihre Produkte durchzusetzen.
Wie hoch diese Kosten sind, hĂ€ngt von vielen Faktoren bei der Chipherstellung, vom Produktionsstandort und natĂŒrlich von der Effizienz der Herstellerfirma ab. Die genaue Höhe der eigenen Herstellungskosten verrĂ€t natĂŒrlich keine Firma. Eine schon etwas Ă€ltere SchĂ€tzung ging vor 14 Monaten von rund 3 US-Dollar fĂŒr einen 64-MBit-Chip aus -- diese sind heute allerdings kaum noch im Handel.
128-MBit-Bausteine kosten laut DRAM eXchange.com [8] zurzeit zwischen 2,75 und 3,70 US-Dollar. Selbst wenn man von deutlich gesunkenen Fertigungskosten durch besseren "Yield", also höhere Ausbeute und effizientere Produktionsprozesse (etwa durch kleinere Halbleiterstrukturen) ausgeht, dĂŒrften die Chiphersteller mit diesen Preisen noch nicht auskommen. Sie mĂŒssen ja auch die gewaltigen Investitionen in neue Fabs fĂŒr 300-mm-Wafer [9] und 0,16- [10], 0,14- [11], 0,13- [12] und 0,12-Mikrometer [13]-Fertigungstechnik wieder hereinholen und wollen die Verluste des vergangenen Jahres kompensieren.
Nach wie vor und trotz aller Preiserhöhungen liegen die Spotmarkt-Preise fĂŒr einzelne DRAM-Chips ĂŒber den Vertragspreisen fĂŒr dieselbe Ware. Das ist ein starkes Indiz dafĂŒr, dass die Liefersituation tatsĂ€chlich angespannt ist. Deshalb dĂŒrften die Speicherpreise weiter steigen -- ĂŒber das absolute MaĂ lĂ€sst sich allerdings nur spekulieren. Zurzeit sind Speichermodule fĂŒr Privatkunden aber immer noch deutlich gĂŒnstiger als vor einem Jahr.
Die Speicherhersteller wittern jedenfalls offenbar FrĂŒhlingsluft [14]: WĂ€hrend andere aus der DRAM-Fertigung aussteigen, will Hynix sein Werk in Eugene (Oregon) wie geplant [15] jetzt reaktivieren und fleissig 256-MBit-Chips mit 0,16-”m-Strukturen bauen.
Wenn alle weltweit geplanten und zurzeit im Aufbau befindlichen neuen Speicher-Fertigungslinien auf 300-mm-Wafern und fĂŒr kleinere Strukturen endlich laufen, dĂŒrften die Karten im Preispoker neu verteilt werden. Die Firmen erwarten vom Umstieg auf die gröĂeren Wafer um rund ein Drittel niedrigere Produktionskosten, weitere Einsparungen sollen die kleineren Strukturen bringen.
Doch auch eine 0,17-”m-Anlage kann profitabel sein, wenn sie gĂŒnstig zu haben ist: Laut Berichten in US-Medien geht aus bei der Securities and Exchange Commission [16] eingereichten Papieren hervor, dass Micron [17] fĂŒr die "Dominion [18]"-Fab an Toshiba nur rund 300 Millionen US-Dollar ĂŒberweist. FĂŒr den Neubau eines vergleichbaren Werkes hĂ€tte Micron nach SchĂ€tzungen von Insidern rund drei bis vier Mal mehr zahlen mĂŒssen.
Die Fabrik im US-Bundesstaat Virginia hatte Toshiba 1995 zusammen mit IBM gegrĂŒndet und erst 1999 komplett ĂŒbernommen. Ob Micron die Kooperation mit Kingston [19] im von Toshiba begonnenen Payton-Projekt [20] fortsetzt, ist unklar: Toshiba hatte nĂ€mlich das komplette Testen und Verpacken der Dominion-DRAMs an den Third-Party-Modulhersteller Kingston ausgelagert. (ciw [21])
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[2] https://www.heise.de/news/Hoehere-Preise-fuer-Double-Data-Rate-Speichermodule-46743.html
[3] https://www.heise.de/news/Preissteigerungen-auf-unuebersichtlichem-Speichermarkt-52132.html
[4] https://www.heise.de/news/Schwacher-Speichermarkt-Rangfolge-der-Chipfirmen-aendert-sich-49521.html
[5] https://www.heise.de/news/Hynix-erhoeht-Preise-fuer-Speicherchips-54001.html
[6] https://www.heise.de/news/Infineon-erhoeht-ebenfalls-die-Speicher-Preise-54249.html
[7] http://www.heise.de/ct/02/02/030/default.shtml
[8] http://www.dramexchange.com/
[9] https://www.heise.de/news/Infineon-startet-Serienproduktion-auf-300-mm-Wafern-50176.html
[10] https://www.heise.de/news/Hynix-schliesst-US-Werk-voruebergehend-41099.html
[11] https://www.heise.de/news/Infineon-fertigt-Speicherchips-im-0-14-Micron-Prozess-55329.html
[12] https://www.heise.de/news/Kleinster-512-MBit-Speicherchip-von-Elpida-51793.html
[13] https://www.heise.de/news/Samsung-stellt-576-MBit-RDRAM-vor-49925.html
[14] https://www.heise.de/news/Halbleitermarkt-weiter-in-zarter-Fruehlingslaune-45605.html
[15] https://www.heise.de/news/Hynix-schliesst-US-Werk-voruebergehend-41099.html
[16] http://www.sec.gov
[17] http://www.micron.com/
[18] https://www.heise.de/news/Toshiba-will-keine-Speicherchips-mehr-bauen-52063.html
[19] http://www.kingston.com/
[20] https://www.heise.de/news/Speicherhersteller-drosseln-Produktion-44737.html
[21] mailto:ciw@ct.de
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