Spam-Domains konzentrieren sich auf wenige Registrare
In einer Analyse der Links in mehreren Millionen Spam-Mails haben die Anti-Spam-Aktivisten von Knujon herausgefunden, dass 90 Prozent der Spam-Domains von nur 20 Registraren verwaltet werden.
90 Prozent aller per Spam-Mails beworbenen Webseiten werden von nur 20 Registraren weltweit verwaltet, will das Anti-Spam-Projekt Knujon (rĂŒckwĂ€rts geschrieben fĂŒr No Junk) herausgefunden haben. Unter den ermittelten Registraren [1] finden sich unter anderem die chinesischen Anbieter Xinnet Bei Gon Da Software, BEIJINGNN und Todaynic, die in der Liste der weltweiten Marktanteile auf den PlĂ€tzen 18, 47 und 99 stehen sollen. Der in DĂŒsseldorf ansĂ€ssige Registrar Joker nimmt in der Knujon-Liste der "10 Worst Registrars" Platz 4 ein.
FĂŒr die Analyse haben die Aktivisten von Knujon ĂŒber ein Jahr lang die Links in mehreren Millionen Spam-Mails ausgewertet und die Domains den Registraren zugeordnet. In die Platzierung gingen neben der Zahl der insgesamt verwaltenen Domains und der gehosteten Spam-Domains noch weitere Faktoren wie die MarkenprĂ€senz ein.
Wenig ĂŒberraschend zeigte sich bei der Auswertung der Spam-Domains, dass in den meisten FĂ€llen die Spammer falsche Registrierungsdaten angegeben hatten, sodass in der WHOIS-Datenbanken keine verwertbaren EintrĂ€ge vorhanden sind, um gegen die MĂŒll-Mailer vorzugehen. GegenĂŒber der Washington Post macht der MitgrĂŒnder von Knujon Garth Bruen auch die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers [2] (ICANN) fĂŒr die ZustĂ€nde mitverantwortlich. Die ICANN hĂ€tte zwar nicht die AutoritĂ€t gegen Spam und Missbrauch vorzugehen, sehr wohl aber das Recht, gefĂ€lschte WHOIS-EintrĂ€ge bei den Registraren zu ahnden.
In den vergangenen Monaten habe Knujon laut Bruen so viele Meldungen ĂŒber gefĂ€lschte EintrĂ€ge an die ICANN ĂŒbermittelt, dass deren Datenbank in einigen FĂ€llen zusammengebrochen sein soll. Genau davor will Bruen die ICANN zuvor allerdings gewarnt haben. Mit seiner Kritik steht Knujon nicht allein da. US-VerbĂ€nde und VerbraucherschĂŒtzer kritisieren seit LĂ€ngerem, dass ICANN zu lasch gegengegenĂŒber Registraren vorgehe, die gegen die Bestimmungen zum WHOIS oder zu den Schlichtungsverfahren gegen mögliche Domainsquatter verstoĂen. Um die Situation nicht noch weiter zu verschlimmern, stemmen [3] sie sich gegen eine mögliche Privatisierung der ICANN.
Siehe dazu auch:
- The 10 Worst Registrars in terms of spam advertised junk product sites [4], Analyse von Knujon
- Most Spam Sites Tied to a Handful of Registrars [5], Blogeintrag von Brian Krebs, Washington Post
(dab [6])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-208797
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.knujon.com/registrars/
[2] http://www.icann.org/
[3] https://www.heise.de/news/US-Verbaende-und-Verbraucherschuetzer-gegen-privatisierte-ICANN-180620.html
[4] http://www.knujon.com/registrars/
[5] http://blog.washingtonpost.com/securityfix/2008/05/most_spam_sites_tied_to_a_hand_1.html
[6] mailto:dab@ct.de
Copyright © 2008 Heise Medien