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Slowaken bekommen erstes kommerzielles Flash-OFDM-Netz Europas

Sven-Olaf Suhl

T-Mobile bietet in 20 Städten mit dünner DSL-Versorgung eine drahtlose Alternative. Flash-OFDM verspricht geringe Latenzzeiten und erzielt in 450-MHz-Funkzellen höhere Reichweiten als 3G-Anbindungen.

In der Slowakei hat die Telekom-Tochter T-Mobile Slovakia [1] das nach eigenen Angaben erste kommerziell genutzte Breitbandfunknetz auf Basis der von Flarion [2] entwickelten Flash-OFDM-Technik in Betrieb genommen. Der Service ist in einigen Stadtteilen von Bratislava sowie in 19 weiteren slowakischen Städten verfügbar. Als Grund für den Anschluss von Firmen und Privatkunden über Flash-OFDM nennt der Carrier die bislang "eher schwache" Breitband-Internet-Abdeckung in der Slowakei mit etablierten leitunsgebundenen Techniken wie DSL [3] oder TV-Kabel.

Seinen Kunden verspricht T-Mobile durchschnittliche Datenübertragungsrate von 1 MBit/s im Downlink und 300 bis 500 kBit/s beim Uplink. Das Akronym Flash-OFDM steht für fast low-latency access with seamless handoff -- Orthogonal Frequency Division Multiplexing; die Technik zeichnet sich nach Auskunft seiner Entwickler durch hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und -- im Vergleich zu UMTS [4] -- "einzigartig geringe" Verzögerungszeiten aus, die auch die strikten Anforderungen für drahtgebundene Netze übertreffen sollen. Dank der großen räumlichen Ausdehnung der Funkzellen im 450-MHz-Frequenzspektrum eigne sich Flash-OFDM zum Beispiel gut für die Versorgung ländlicher Gebiete.

Im Rahmen des T-Mobile-Projekts liefern Siemens [5] und Flarion [6] Flash-OFDM-Infrstruktur im Frequenzsprektrum um 450 MHz -- hierzu zählen Radio-Router, Basisstationen, Desktop-Modems und PC-Karten. Netzausrüster Siemens integriert außerdem das Flash-OFDM-Netz in das bestehende Mobilfunknetz von T-Mobile in der Slowakei.

Flarion sieht sich als Erfinder von Flash-OFDM. Die 2000 von früheren Bell-Labs-Ingenieuren gegründete Firma aus New Jersey wurde im August 2005 von Qualcomm [7]   übernommen [8]. Qualcomm ist eine Größe in den Weltmärkten für Handy-Komponenten und Mobilfunkinfrastruktur in den etablierten Standards wie GSM [9], CDMA und den 3G [10]-Standards W-CDMA [11] beziehungsweise CDMA-2000. Die Übernahme von Flarion spricht für das Potenzial von Flash-OFDM -- zumal Qualcomm-Chef Irvin Jacobs noch kurz davor die These aufgestellt hatte, dass drahtlose Anschlusstechniken wie WLAN [12] oder Wimax [13] keine Konkurrenz für den 3G-Mobilfunk [14] darstellten. (ssu [15])


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https://www.heise.de/-138953

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.t-mobile.sk/
[2] http://www.flarion.com/
[3] http://www.heise.de/glossar/entry/Digital-Subscriber-Line-396855.html
[4] http://www.heise.de/glossar/entry/Universal-Mobile-Telecommunications-System-395578.html
[5] http://www.siemens.de/
[6] http://www.flarion.com/
[7] http://www.qualcomm.com/
[8] https://www.heise.de/news/Qualcomm-kauft-Flash-OFDM-Entwickler-Flarion-122293.html
[9] http://www.heise.de/glossar/entry/Global-System-for-Mobile-Communication-395586.html
[10] http://www.heise.de/glossar/entry/3rd-Generation-399489.html
[11] http://www.heise.de/glossar/entry/W-CDMA-396791.html
[12] http://www.heise.de/glossar/entry/Wireless-Local-Area-Network-395526.html
[13] https://www.heise.de/glossar/entry/Worldwide-Interoperability-for-Microwave-Access-397171.html
[14] https://www.heise.de/news/Fuer-Qualcomm-Chef-sind-WLAN-oder-Wimax-keine-Gefahr-fuer-3G-Mobilfunk-163887.html
[15] mailto:ssu@ct.de