SkyActiv: Mazdas neue Spartechnik

Zunächst sprach Mazda nur von den neuen Sky-Motoren. Daraus ist nun ein neues Markenkonzept entstanden. Unter SkyActiv fasst Mazda unter anderem effiziente Motoren und Getriebe sowie Leichtbau zusammen

vorlesen Druckansicht 20 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Gernot Goppelt
Inhaltsverzeichnis

Leverkusen, 21. Oktober 2010 – Um eine griffige Marketingsprache ist Mazda nicht verlegen. Mit dem Slogan "Zoom Zoom" landete das Unternehmen einen Volltreffer mit hohem Wiedererkennungswert. Die später ersonnene "Mazda Zoom-Zoom Nachhaltigkeitsstrategie" wirkt dagegen etwas unausgegoren. Das fröhliche Motto passt irgendwie nicht zum ernsthaften Anspruch. Das weiß man wohl auch bei Mazda um, setzt seit einiger Zeit auf die "Sky"-Technologien – und neuerdings auf SkyActiv.

Nun hat also auch Mazda sein Label für besonders umweltfreundliche Technologien. Ab 2011 will Mazda neue Motoren, Getriebe, Karosserien und Plattformen auf den Markt bringen, die eine deutliche Reduzierung des Verbrauchs und der Emissionen ermöglichen. Mazda verfolgt dabei eine "Baustein-Strategie", die bis zum Jahr 2015 umgesetzt sein soll. Bis dahin sollen sukzessive Technologien wie ein regeneratives Bremssystem oder ein Hybridantrieb eingeführt sein.

SkyActiv: Mazdas neue Spartechnik (6 Bilder)

Der Benziner mit der Bezeichnung Skyactiv-G ist mit 14,0:1 extrem hoch verdichtet.

(Alle Bilder: Mazda)

Interessant sind zunächst einmal zwei neue Motoren, der Skyactiv-G und der Skyactiv-D. Beim Skyactiv-G handelt es sich um einen Ottomotor mit Direkteinspritzung und einem verblüffend hohen Verdichtungsverhältnis. Es beträgt 14,0:1, dennoch soll Superbenzin genügen. Möglich sei diese hohe Verdichtung durch ein 4-2-1-Abgassystem, Hohlkolben, Mehrlochinjektoren und weitere technische Innovationen. Das klingt etwas verkürzt, doch tatsächlich hat sich Mazda vor allem um eine optimierte Gemischbildung und einen zügigen Gaswechsel bemüht. Die Kernelemente dabei sind eine moderne Direkteinspritzung, eine variable Ventilsteuerung und das auf guten Durchsatz optimierte Abgassystem.

Bei der Ventilsteuerung setzt Mazda auf variable Steuerzeiten auf Ein- und Auslassseite, um die Ventilüberschneidung möglichst weit beeinflussen zu können – eine Variation des Hubs ist dagegen nicht vorgesehen. Die neue Motorenfamilie, von der es mehrere Ausführungen zwischen 1,3 und 2,5 Liter Hubraum geben wird, soll um etwa 15 Prozent effizienter sein als heutige Konstruktionen.

Der Skyactiv-D hat als Dieselmotor originellerweise exakt dasselbe Verdichtungsverhältnis von 14,0:1. Der Vorteil dieser "weltweit niedrigsten" Verdichtung bei einem Dieselmotor liegt zum einen darin, dass die NOX-Emissionen leichter zu beherrschen sind. Das vereinfacht die Abgasnachbehandlung, selbst ohne einen SCR-Kat oder einen NOX-Speicherkatalysator soll der Skyactiv-D die Euro 6 erfüllen. Außerdem, erklärt ein Mazda-Sprecher, kann der Kraftstoff früher eingespritzt werden, was dem Expansionsverhältnis und somit dem Wirkungsgrad zugute kommt. Mazda verspricht zudem eine Verbrauchssenkung von 20 Prozent, und eine "hohe Drehmomentausbeute" bis hoch zur Drehzahl von 5200 U/min. Für den 2,2 Liter-Diesel peilen die Ingenieure einen Verbrauch von etwa 4 Liter in einer Mittelklasse-Limousine an, und das bei einer Leistung von mindestens 170 PS.

Bei der Automatisierung setzt Mazda offenbar nicht auf Doppelkupplungsgetriebe, sondern auf die Optimierung von Wandlerautomaten. Die neue 6-Stufen-Automatik Skyactiv-Drive soll einen hervorragenden Wirkungsgrad bieten, wozu eine deutliche Erweiterung des Bereichs der Wandlerüberbrückung beitrage. Im Vergleich zu einer aktuellen Automatik verspricht Mazda eine Effizienzsteigerung von bis zu 7 Prozent. Zudem soll die Automatik ein besonders direktes Fahrgefühl vermitteln, ähnlich einem manuellen Getriebe oder eben dem DKG. Es wird spannend, ob tatsächlich dessen Wirkungsgrad erreicht wird und was die neue Automatik kosten soll. Und auch ein neues Handschaltgetriebe mit sechs Gängen läuft zukünftig unter der Skyactiv-Flagge. Hier soll es vor allem die verringerte innere Reibung sein, die für weniger Verbrauch sorgt.

Doch alle Verbesserungen am Antrieb sind natürlich nur bedingt hilfreich, wenn die Autos immer schwerer werden. Schon beim Mazda 2 konnten die Japaner ja gegensteuern, mit dem Skyactiv-Body will Mazda noch konsequenter auf Leichtbau setzen. Die neu entwickelte Karosseriestruktur sei 8 Prozent leichter, bei einer um 30 Prozent erhöhten Steifigkeit. Grundlage dafür seien ein erhöhter Anteil hochfester Stähle und optimierte Verbindungsverfahren. Auch das Skyactiv-Chassis soll zur Gewichtssenkung zukünftiger Modelle beitragen. Zu der neuen Plattform gehören eine neu entwickelte Radaufhängung vorne und eine Multilenker-Hinterachse hinten. Abgesehen von verbessertem Fahrverhalten und höherem Komfort will Mazda auch hier 14 Prozent Gewicht sparen. (ggo)