Skandal um gefÀlschte Titel: Pakistanischer IT-Konzern-Chef festgenommen
In Videobotschaften appellierte Axact-GrĂŒnder Shoaib Ahmed Shaikh an die pakistanische Regierung.
Asiatischer Wirtschaftskrimi: Der nach eigenen Angaben "weltweit fĂŒhrende IT- Konzern" Axact wird des schwunghaften Handels mit falschen akademischen Titeln und Zertifikaten beschuldigt.
Tiefer Fall fĂŒr den Axact-GrĂŒnder Shoaib Ahmed Shaikh: Auf der Webseite seines Konzerns [1] sind noch die PlĂ€ne zu lesen, wie er Pakistan bis 2019 reformieren und dank seiner Milliardengewinne 10 Millionen Kinder aus der Armut befreien wolle. Nun verbreiten pakistanische Medien die Nachricht seiner Festnahme [2] durch die Bundespolizei FIA. Der von Shaikh gegrĂŒndete Nachrichtensender BOL kollabiert unterdessen noch vor der ersten Sendung.
Ausgelöst wurde der Skandal durch einen Bericht der New York Times [3]. Deren Reporter hatten Hinweise und Zeugenaussagen zusammengetragen, dass der Konzern ein Netz von insgesamt 370 Fake-Webseiten betreibt, die allesamt ein Ziel verfolgen: teure Bildungszertifikate zu verkaufen. Das Angebot soll vom falschen UniversitĂ€tsabschluss fĂŒr 4000 Dollar bis hin zu High-School-Zeugnissen fĂŒr 350 Dollar gereicht haben.
DrĂŒckermethoden mit Signatur
(Bild:Â Screenshot)
Der Reporter Declan Walsh, der 2013 aus Pakistan ausgewiesen worden war, berichtet auch ĂŒber DrĂŒckermethoden. So sollen Axact-Kunden mit rechtlichen Konsequenzen genötigt worden sein, immer neue Zertifikate zu kaufen. Dabei schreckten die FĂ€lscher auch vor dreisten Methoden nicht zurĂŒck: Sie warben gar mit der Unterschrift von US-AuĂenminister John Kerry unter offiziell wirkenden Zertifikaten. In Schwung gehalten wurde das Fake-Imperium von der Firmenzentrale in Karachi. Zwar vertreibe Axact auch einige legale IT-Produkte, die Haupteinnahmequelle seien aber die illegalen VerkĂ€ufe gewesen, berichtete die New York Times.
Zwar waren die AktivitĂ€ten der Fake-UniversitĂ€ten in den vergangenen Jahren immer wieder aufgefallen und auch vor Gerichten gelandet, doch bisher konnten sie nicht bis zu ihrem Ursprung zurĂŒckverfolgt werden. Axact ging aggressiv gegen Berichte vor, die den Konzern mit dem GeschĂ€ft in Verbindung brachten. Doch dieser Schutzschild versagte nun: Nach der Veröffentlichung des Artikels der New York Times wurde die Firmenzentrale von pakistanischen Behörden durchsucht. In einem GebĂ€ude neben der Firmenzentrale sind auch tausende gefĂ€lschter Zertifikate gefunden worden, melden pakistanische Medien [4]. Mittlerweile sei auch die amerikanische Bundespolizei FBI um Amtshilfe gebeten worden.
Verzweifelte PR-Kampagne
(Bild:Â Screenshot)
Axact versuchte die Behörden mit einer PR-Kampagne zu stoppen. Auf seiner Webseite bezeichnet der Konzern die VorwĂŒrfe als haltlos und falsch [5] und legt eine Verschwörung von konkurrierenden Medienkonzernen nahe. Diese wollten den Start von Axacts neuster GeschĂ€ftssparte, dem Nachrichtensender BOL, verhindern. In Videobotschaften appellierte Firmenchef Shaikh an die pakistanische Regierung, sein Unternehmen gewĂ€hren zu lassen.
Doch selbst im eigenen Konzern stoĂen diese Beteuerungen offenbar auf wenig Glauben. So haben sich mehrere Journalisten öffentlich vom Nachrichtensender BOL gelöst, darunter auch der Chefredakteur Kamran Khan.
Die pakistanische Regierung dementiert unterdessen, dass Regierungsstellen in das lukrative GeschÀft mit den FÀlschungen verstrickt gewesen seien. "Ich hoffe, dass Sie dem Gesetz in Pakistan seinen Lauf lassen, die Verantwortlichen zu bestrafen, wenn diese schuldig befunden werden", schreibt [6] der pakistanische Presseattaché in Washington an die New York Times. (anw [7])
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[1] http://www.axact.com/
[2] http://www.dnd.com.pk/axact-scandal-shoaib-shaikh-detained-by-police/93178
[3] http://www.nytimes.com/2015/05/18/world/asia/fake-diplomas-real-cash-pakistani-company-axact-reaps-millions-columbiana-barkley.html?_r=1
[4] http://www.geo.tv/article-186089-Fake-degrees-found-in-Axacts-office-DG-FIA
[5] http://www.axact.com/defamation-response/
[6] http://www.nytimes.com/2015/05/27/opinion/pakistan-and-degree-fraud.html?_r=0
[7] mailto:anw@heise.de
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