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Siemens trennt sich von sieben Tochterunternehmen

Ekkehard JĂ€nicke

1,69 Milliarden Euro erzielt der Elektronik-Konzern fĂŒr den Verkauf diverser GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten.

In einem Überraschungscoup verkauft Siemens [1] mehrere GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten an den US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. (KKR [2]). Zu den verkauften Sparten zĂ€hlen zum einen Einheiten der frĂŒheren Atecs Mannesmann [3], wie die Mannesmann Plastics Machinery, der Gasfedernhersteller Stabilus, die Demag Cranes&Components sowie die Hafenkransparte Gottwald. DarĂŒber hinaus verĂ€ußert Siemens seine GeschĂ€ftseinheit Metering im Bereich Power Transmission and Distribution, das GeschĂ€ftsgebiet Ceramics (Power Generation) sowie das ICN-RegionalgeschĂ€ft Network Systems. Die Vereinbarung mit KKR sieht vor, die betreffenden GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten unter das Dach einer neu gegrĂŒndeten Holding-Gesellschaft, Demag Holding s.a.r.l mit Sitz in Luxemburg, zu bringen. An dieser Gesellschaft wird KKR 81 Prozent der Anteile halten, Siemens 19 Prozent. Der Gesamtkaufpreis liegt bei 1,69 Milliarden Euro.

Der US-Finanzinvestor KKR ĂŒbernimmt mehrheitlich ein GeschĂ€ftspaket mit einem Umsatzvolumen von rund 3,5 Milliarden Euro und rund 22.800 Mitarbeitern. Davon entfallen laut Siemens rund 2,4 Milliarden Euro und 17.000 Mitarbeiter auf so genannte "Assets held for sale", die schon heute nicht mehr konsolidiert werden. KKR hat seit 1976 zahlreiche Transaktionen, insbesondere in den USA, aber auch zunehmend in Europa getĂ€tigt. In Deutschland hat KKR bereits zwei grĂ¶ĂŸere GeschĂ€fte ĂŒbernommen -- Wincor Nixdorf sowie Tenovis (das ehemalige Private-Networks-GeschĂ€ft von Bosch). "Mit KKR haben wir einen renommierten Partner gewĂ€hlt, der die einzelnen GeschĂ€fte strategisch weiter entwickeln wird", meinte Heinrich v. Pierer, Vorstandsvorsitzender von Siemens.

Die von Siemens verkauften Tochterfirmen beziehungsweise Abteilungen im Einzelnen:

Mannesmann Plastics Machinery (MPM)
MPM gehört zu den fĂŒhrenden globalen Unternehmen im Bereich der Kunststofftechnik. Es werden Spritzgießmaschinen u. a. fĂŒr die Automobilindustrie, die Verpackungsindustrie (PET-Flaschen) und fĂŒr Optical Discs sowie Extrusionsmaschinen hergestellt. Die Gruppe beschĂ€ftigt zurzeit rund 6.400 Mitarbeiter und erzielte im Kalenderjahr 2001 einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Übernommen wird die gesamte Gruppe mit ihren sechs Marken, zu denen unter anderem Krauss-Maffei Kunststofftechnik, Demag ergotech, Netstal und Van Dorn Demag gehören.

Network Systems
Die Network-Systems-AktivitĂ€ten von Siemens in Großbritannien, Frankreich und Italien decken alle Bereiche eines Datennetzwerkes ab, beginnend bei der Planung und dem Design ĂŒber Implementierung, Wartung bis zum Netzmanagement. Im GeschĂ€ftsjahr 2001 beschĂ€ftigten die drei Unternehmen, die relativ unabhĂ€ngig von den lokalen Siemens-Strukturen im Markt agieren, rund 860 Mitarbeiter und erzielten einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro.

Stabilus Die Stabilus GmbH
Der WeltmarktfĂŒhrer im Bereich Gasfedern gehörte ursprĂŒnglich zur Mannesmann Sachs AG, die bereits an ZF Friedrichshafen verĂ€ußert wurde. Stabilus war nicht in diesen Verkauf eingeschlossen. Stabilus erwirtschaftete 2001 mit rund 3.200 Mitarbeitern einen Umsatz von 375 Millionen Euro.

Demag Cranes & Components
Die Demag Cranes & Components GmbH, Wetter/Ruhr, löst Materialfluss-, Logistik- und Antriebsaufgaben. Mit einem GeschĂ€ftsvolumen von rund 750 Millionen Euro im Jahr 2001 ist Demag Cranes & Components WeltmarktfĂŒhrer bei Kranen und Hebezeugen. In sechs deutschen Werken sowie in 20 Auslandsgesellschaften sind rund 6.600 Mitarbeiter beschĂ€ftigt.

Gottwald Gottwald ist laut Siemens ein weltweit fĂŒhrender Anbieter von mobilen HafenkrĂ€nen und automatisierten Terminallösungen mit einem Umsatzvolumen von rund 160 Millionen Euro im Jahr 2001. Die Gesellschaft beschĂ€ftigt rund 530 Mitarbeiter an ihrem Standort in DĂŒsseldorf.

Ceramics (CE)
Zu dem GeschÀftszweig Ceramics gehört das Katalysator-, Isolatoren-, Aluminium-, Piezoprodukt- und WerkzeugbaugeschÀft. Sitz ist in Redwitz, weitere Standorte sind in Jedlina-Zdroj (Polen) und Alpharetta, Georgia (USA). Der Umsatz im vergangenen GeschÀftsjahr 2001 betrug rund 125 Millionen Euro. CE beschÀftigt knapp 1000 Mitarbeiter.

Metering (ME)
Siemens Metering mit Sitz in Zug (Schweiz) entstand 1998 -- im Zuge der Übernahme des Industrieteils der schweizerischen Elektrowatt AG -- aus dem Zusammenschluss des damaligen Siemens-ZĂ€hlergeschĂ€fts mit dem von Landis & Gyr. Das ProduktgeschĂ€ft des GeschĂ€ftsgebiets Metering im Bereich Power Transmission and Distribution erwirtschaftete mit 4.200 Mitarbeitern im GeschĂ€ftsjahr 2001 einen Umsatz von rund 520 Millionen Euro. Siemens Metering (ME) ist damit WeltmarktfĂŒhrer bei ElektrizitĂ€tszĂ€hlern. (Ekkehard JĂ€nicke) / (jk [4])


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[1] http://www.siemens.de
[2] http://www.kkr.com/
[3] https://www.heise.de/news/Mannesmann-Das-Ende-eines-Traditionskonzerns-24009.html
[4] mailto:jk@heise.de