Siemens trennt sich von Computer-Sparte
Laut einem Zeitungsbericht sollen in dem Unternehmen nun zunĂ€chst 1000 ArbeitsplĂ€tze abgebaut werden, davon rund 500 in Deutschland. Deutschland bleibe weiterhin ein SchlĂŒsselstandort, sagte eine Sprecherin von Fujitsu Siemens.
Nachdem nun offiziell bekannt gegeben wurde [1], dass der Elektrokonzern Siemens [2] bei Europas gröĂtem Computerhersteller Fujitsu Siemens [3] aussteigt, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die ArbeitsplĂ€tze und die kĂŒnftige Unternehmensausrichtung. Laut einem Bericht [4] der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sollen in dem Unternehmen mit weltweit gut 10.500 BeschĂ€ftigten nun zunĂ€chst 1000 ArbeitsplĂ€tze abgebaut werden, davon rund 500 in Deutschland. Insgesamt arbeiten mehr als 6000 Menschen fĂŒr Fujitsu Siemens in Deutschland, das Stammwerk liegt in Augsburg und das zweite Werk in Sömmerda in ThĂŒringen, die Hauptverwaltung befindet sich in MĂŒnchen.
Ein Sprecher von Fujitsu Siemens Computers (FSC) erklĂ€rte zu den Spekulationen um einen bevorstehenden Arbeitsplatzabbau: "Wir werden in den nĂ€chsten Monaten das GeschĂ€ft neu ausrichten. Dabei wird es möglicherweise auch zu GesprĂ€chen ĂŒber Anpassungen kommen." Bisher gebe es aber keine Entscheidungen. Neben der Finanzkrise und der AbkĂŒhlung der Weltwirtschaft kĂ€mpfe die IT-Branche mit zusĂ€tzlichen Problemen, die eine Neuausrichtung erforderlich machten.
Falls es zu Anpassungen komme, wĂŒrden entsprechende GesprĂ€che mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, sagte der Sprecher. Deutschland bleibe aber weiterhin ein SchlĂŒsselstandort. DafĂŒr spreche auch, dass Fujitsu Forschungs- und EntwicklungstĂ€tigkeiten nach Deutschland verlagern wolle, sagte der Sprecher. "Wichtig ist: Die Zukunft ist gesichert, die Monate der Unsicherheit sind vorbei."
Laut FAZ soll das GeschĂ€ft mit Notebooks und PCs fĂŒr Privatkunden, das bisher rund 20 Prozent des Umsatzes ausgemacht habe, eingestellt werden. Fujitsu erwĂ€ge, die Sparte Personalcomputer von FSC anschlieĂend an den chinesischen Wettbewerber Lenovo weiterzureichen. Eine FSC-Sprecherin sagte heute, es gebe dazu "keine Entscheidung".
Bischoff, dem laut FAZ-Bericht Meinungsverschiedenheiten mit Siemens-Chef Peter Löscher nachgesagt werden, hatte nach einem schwierigen ersten Quartal [5] bereits die Erwartungen fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr 2007/08, das mit dem MĂ€rz endet, gedĂ€mpft. Fujitsu stellt sich angesichts des schwierigen Marktumfelds nun auf einen deutlichen UmsatzrĂŒckgang fĂŒr das Unternehmen um 10 Prozent auf 6 Milliarden Euro ein. UrsprĂŒnglich hatte Bischoff noch einen fĂŒnfprozentigen Erlösanstieg in Aussicht gestellt.
Im Vorjahr hatte Fujitsu Siemens bei Erlösen von 6,6 Milliarden Euro einen Vorsteuergewinn von 105 Millionen Euro erwirtschaftet. Laut FAZ-Bericht werden Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff Meinungsverschiedenheiten mit Siemens-Chef Peter Löscher nachgesagt. Sein RĂŒckzug habe damit aber nichts zu tun, beteuerte der FSC-Sprecher. "Er zieht sich wirklich zurĂŒck ins Privatleben und hat im Moment nicht vor, neue Aufgaben zu ĂŒbernehmen."
Durch den Verkauf der Beteiligung an Fujitsu erzielt Siemens nach Angaben eines Unternehmenssprechers einen Buchgewinn von 310 Millionen Euro. Der Konzern treibt mit der Trennung seine Konzentration auf die Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit voran. "Wir freuen uns, dass unser Joint-Venture-Partner Fujitsu unsere Beteiligung an Fujitsu Siemens Computers ĂŒbernimmt und das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft fĂŒhren wird", erklĂ€rte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser. Im Zuge des tiefgreifenden Umbaus hatte Siemens auch die Telefonanlagen-Sparte SEN [6] und den Schnurlostelefon-Hersteller SHC [7] abgegeben. (dpa) / (anw [8])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-215087
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Siemens-baut-keine-Computer-mehr-215008.html
[2] http://www.siemens.de
[3] http://www.fujitsu-siemens.de/
[4] http://www.faz.net/s/Rub4C34FD0B1A7E46B88B0653D6358499FF/Doc~ECDC94DB5E61148C3A27F413CF7618DDB~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[5] https://www.heise.de/news/Umsatz-und-Gewinnrueckgang-bei-Fujitsu-Ausblick-revidiert-214163.html
[6] https://www.heise.de/news/US-Investor-uebernimmt-das-Steuer-bei-der-Siemens-Sparte-SEN-209262.html
[7] https://www.heise.de/news/EU-Segen-Beteiligungsgesellschaft-Arques-darf-SHC-von-Siemens-uebernehmen-208068.html
[8] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2008 Heise Medien