zurück zum Artikel

Siemens-Mitarbeiter protestieren gegen Arbeitsplatzverlagerungen

Die Gewerkschaft nimmt die Absichten der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, massiv ArbeitsplĂ€tze ins Ausland zu verlagern, sehr ernst.

Rund 800 Siemens-Mitarbeiter haben am Donnerstag in Bocholt gegen drohende Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland und KĂŒrzungsplĂ€ne [1] des Konzerns protestiert. Allein an den Standorten Kamp-Lintfort und Bocholt sind 2000 ArbeitsplĂ€tze [2] in Gefahr. "Beschlossen ist dieser Abbau noch nicht, aber es gibt Verlagerungsabsichten. Das ist sehr ernst zu nehmen", sagte der erste BevollmĂ€chtigte der IG Metall Bocholt, Heinz Cholewa. "Wir werden diesen Fehdehandschuh, der uns hingeworfen wurde, aufnehmen." Siemens hatte am Donnerstag bekannt gegeben, Einsparungen und Umstrukturierungen in 7 von 14 Unternehmenssegmenten zu planen.

Entsprechende VorschlĂ€ge seien Belegschaftsvertretern am Vortag vorgestellt worden, teilte der Elektronik-Konzern in MĂŒnchen mit. Konkrete PlĂ€ne fĂŒr die Verlagerung von Stellen bestĂŒnden fĂŒr die Mobilfunksparte ICM, fĂŒr die Festnetz-Sparte ICN und fĂŒr die EnergieĂŒbertragung PTD. Einen genauen Umfang der PlĂ€ne nannte das Unternehmen zunĂ€chst nicht. Nach Cholewas Angaben will Siemens insgesamt knapp 6000 Stellen abbauen oder verlagern. Siemens-Töchter könnten in Ă€hnlicher GrĂ¶ĂŸenordnung betroffen sein.

Im Falle der Standorte Bocholt und Kamp-Lintfort gilt es laut Siemens, im Vergleich mit einem Alternativstandort in Ungarn bei den Arbeitskosten eine LĂŒcke von bis zu 30 Prozent zu schließen. Dies sei durch lĂ€ngere und flexiblere Arbeitszeiten sowie andere kostensenkende Maßnahmen zu erreichen. Siemens verwies auf einen ErgĂ€nzungstarifvertrag, mit dem die Verlagerung einer Bocholter Siemens Service-Reparaturwerkstatt mit rund 220 ArbeitsplĂ€tzen nach Ungarn gestoppt worden sei.

Nach Angaben des Betriebsrat des Werks in Kamp-Lintfort, Josef-Michael Leucker, will Siemens die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und die KĂŒrzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld durchsetzen. Diese Forderung werde die Arbeitnehmerseite aber nicht akzeptieren, versicherte der Bezirksvertreter der IG Metall, Ulrich Marschner.

"Wir haben in Bocholt fĂŒr einen begrenzten Bereich eine Lösung gefunden, aber das kann sich nicht als Modell fĂŒr alle Standorte anbieten", warnte Cholewa. Bei dem ErgĂ€nzungsvertrag handele es sich um eine Ausnahmeregelung, die die Jahresarbeitszeit ohne Urlaub und Feiertage auf 1760 Stunden festlege. FĂŒr den Wegfall von Weihnachts- und Urlaubsgeld sei eine leistungs- und ergebnisabhĂ€ngige Komponente von 45 Prozent eines Monatsgehaltes bei vollstĂ€ndiger Zielerreichung geplant. Im laufenden Jahr sei zudem eine Einmalzahlung von 70 Prozent eines Monatsgehaltes vorgesehen. Der Vertrag habe eine Laufzeit vom 1. Mai 2004 bis zum 30. April 2006.

Derzeit sind an den beiden Standorten Bocholt und Kamp-Lintfort knapp 5000 Mitarbeiter mit der Herstellung von Handys und schnurlosen Festnetz-Telefonen beschÀftigt. (dpa)/ (tol [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-96439

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/IG-Metall-wehrt-sich-gegen-Kuerzungsplan-bei-Siemens-96299.html
[2] https://www.heise.de/news/Bei-Siemens-sind-tausende-Arbeitsplaetze-gefaehrdet-94973.html
[3] mailto:tol@heise.de