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Siemens-AffÀre: 200 Millionen Euro Schaden durch "Untreuehandlungen"

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass rund 200 Millionen Euro in schwarze Kassen geflossen sind. Die Beschuldigten sollen sich zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um "Untreuehandlungen" zum Nachteil von Siemens zu begehen.

Die AffĂ€re um schwarze Kassen [1] bei Siemens ist mit einem mutmaßlichen Schaden von 200 Millionen Euro weitaus grĂ¶ĂŸer als bislang bekannt. Am Mittwoch wurden zwei weitere Mitarbeiter des Elektrokonzerns in Untersuchungshaft genommen. Insgesamt seien damit derzeit sechs Beschuldigte in U-Haft, teilte die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen I am Mittwoch mit. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen sie sich zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um "Untreuehandlungen" zum Nachteil von Siemens [2] durch die Bildung schwarzer Kassen im Ausland zu begehen. Der derzeit ermittelte Schaden belaufe sich auf rund 200 Millionen Euro. Konkrete Erkenntnisse ĂŒber den Verbleib des Geldes gebe es nach wie vor nicht.

Bei den Ermittlungen geht es im Kern um die Frage, ob Mitarbeiter der Siemens-Sparte Com Geld unterschlagen und fĂŒr Schmiergeldzahlungen – auch im Ausland – eingesetzt haben. Bei einer groß angelegten Razzia waren in der vergangenen Woche einem Zeitungsbericht zufolge auch die BĂŒros von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sowie weiterer VorstĂ€nde durchsucht worden. Siemens hatte aber betont, Kleinfeld werde von der Staatsanwaltschaft nur als Zeuge gesehen. In der AffĂ€re war zunĂ€chst von einem Schaden in Höhe von rund 20 Millionen Euro die Rede gewesen.

Bei den beiden neuen Inhaftierten handele es sich um Mitarbeiter aus den Abteilungen Interne Revision und Rechnungswesen aus der Festnetzsparte Com. Ein weiterer Beschuldigter, der in der vergangenen Woche in Haft genommen worden war, befinde sich mittlerweile gegen Auflagen wieder auf freiem Fuß, hieß es. Zudem habe sich ein in Österreich bereits in der vergangenen Woche festgenommener VerdĂ€chtiger mit der vereinfachten Auslieferung einverstanden erklĂ€rt; er sei am Mittwoch den deutschen Behörden ĂŒberstellt worden. Zu weiteren Einzelheiten wollte sich der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Mittwoch nicht Ă€ußern. Voraussichtlich frĂŒhestens Anfang Dezember könnten nĂ€here Angaben gemacht werden.

Ein Siemens-Sprecher bestĂ€tigte lediglich, dass man von den weiteren Verhaftungen Kenntnis bekommen habe und wollte sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht Ă€ußern. "Siemens ist weiter an der AufklĂ€rung interessiert und unterstĂŒtzt die Staatsanwaltschaft", sagte er.

Die in der vergangenen Woche angelaufenen Durchsuchungsaktionen [3] in der Konzernzentrale in MĂŒnchen und an weiteren 30 Standorten in Deutschland und Österreich sind laut Staatsanwaltschaft mittlerweile beendet. Dabei seien 200 bis 300 Ordner laufende GeschĂ€ftsunterlagen sowie 36.000 Ordner mit Archivunterlagen und weitere umfangreiche Daten gesichert und beschlagnahmt worden. Sie mĂŒssten nun vom bayerischen Landeskriminalamt ausgewertet werden.

Unterdessen ist im Zuge der AffĂ€re auch die Auftragsvergabe bei den Olympischen Spielen 2004 [4] in Griechenland ins Zwielicht geraten. Die Staatsanwaltschaft in Athen ermittele wegen des Verdachts möglicher UnregelmĂ€ĂŸigkeiten beim Auftrag fĂŒr das Sicherheitssystem der Olympischen Sommerspiele, berichtete das Handelsblatt. Auch in Italien ist die Staatsanwaltschaft einem Bericht zufolge in der Siemens-AffĂ€re aktiv. Dazu wollten sich am Mittwoch weder die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen noch Siemens selbst Ă€ußern.

Siehe dazu auch:

(dpa) / (pmz [15])


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[8] https://www.heise.de/news/Verdacht-auf-Siemens-Schmiergeld-in-dreistelliger-Millionenhoehe-119204.html
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[14] https://www.heise.de/news/Siemens-und-Nokia-legen-Sparten-fuer-Netzwerk-Ausruestung-zusammen-Update-133629.html
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