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Sicherheitsbedenken beim Verkauf der Bundesdruckerei

Peter-Michael Ziegler

Das unter anderem fĂŒr die Herstellung deutscher ReisepĂ€sse und Personalausweise zustĂ€ndige einstige Staatsunternehmen soll nach dem Willen des MehrheitseigentĂŒmers wieder einmal verĂ€ußert werden. Interessiert sind vor allem auslĂ€ndische Investoren.

Nach den Berichten mehrerer Zeitungen soll die Bundesdruckerei [1] wieder einmal verkauft werden. Weil auslĂ€ndische Investoren ihr Interesse signalisiert haben, sind Politiker besorgt, dass der Umgang mit sensiblen Biometrie-Daten, die bei der Druckerei auflaufen, nicht mehr von Deutschland aus kontrolliert werden kann. In einem Brief, der der Passauer Neuen Presse [2] zugespielt wurde, warnen die Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl (CSU) und Ralf Göbel (CDU) vor dem Verkauf. "Es kann nicht richtig sein, dass die Bundesdruckerei jetzt meistbietend wie eine Margarinefabrik ins Ausland verkauft wird", schreiben die Politiker in ihrer Warnung, die an Bundesinnenminister SchĂ€uble (CDU), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer SteinbrĂŒck (SPD) adressiert ist. Hoheitliche Aufgaben dĂŒrften nicht einfach ins Ausland wandern, so die besorgten Abgeordneten. In einem Bericht zum möglichen Verkauf der Bundesdruckerei weist die Financial Times Deutschland (FTD [3]) darauf hin, dass zum Wahlkreis von Hans-Peter Uhl die Firma Giesecke und Devrient gehört, die unter anderem Smartcard-Ausweise produziert. Sie sei der einzige deutsche Konkurrent und habe bei der Privatisierung des einstigen Staatsunternehmens im Jahre 2000 erfolglos mitgeboten.

Insgesamt wird die Privatisierung der Bundesdruckerei, die der damalige Finanzminister Hans Eichel (SPD) gegen den Willen des ehemaligen Innenministers Otto Schily durchsetzte, als ziemlich missratenes Projekt beurteilt. FĂŒr ĂŒberteuerte zwei Milliarden DM ĂŒbernahm die britische Investorengruppe Apax Partner das Unternehmen, das in die Authentos-Gruppe eingegliedert wurde. Diese war nach zwei Jahren praktisch pleite und wurde fĂŒr einen Euro an einen Mitarbeiter der AnwaltssozietĂ€t Clifford Chance verkauft. Als MehrheitseigentĂŒmer mit einem Anteil von 94 Prozent sucht Heinz-GĂŒnter Gondert nun einen Weg, die Bundesdruckerei zu verkaufen. Nach Informationen der SĂŒddeutschen Zeitung (SZ [4]) schuldet die Bundesdruckerei mit ihren 1000 Mitarbeitern der Helaba (heute: Landesbank Hessen-ThĂŒringen) 400 Millionen und dem Bund 300 Millionen Euro. Die Bundesschuld rĂŒhrt daher, dass ein Viertel des Kaufpreises im Jahre 2000 auf zehn Jahre gestundet wurde. Dementsprechend zitiert die SZ Berichte, wonach "die neuen EigentĂŒmer aus der Bundesdruckerei einen Selbstbedienungsladen fĂŒr Berater, AnwĂ€lte und Aufsichtsratsmitglieder machten."

Bis zum Jahre 2010 hat die Bundesdruckerei noch das Monopol, die ReisepĂ€sse und Personalausweise fĂŒr deutsche StaatsbĂŒrger herzustellen. Das 128 Jahre alte Unternehmen, das auch fĂŒr andere LĂ€nder Ausweispapiere produziert, setzt dabei ein Digant [5] genanntes Frontend ein, an das wiederum kommunale Software-Systeme andocken. PCs der Meldebehörden, die mit einem D-Safe-Modul der Druckerei ausgestattet sind, speichern dabei die biometrischen Daten wie Unterschrift, Foto und (demnĂ€chst [6]) FingerabdrĂŒcke eines Antragstellers und schicken die Daten verschlĂŒsselt zur Bundesdruckerei. Dort werden die Daten zur Produktion der Ausweise genutzt und nach den Bestimmungen des Passgesetzes [7] wieder gelöscht. Die Bundesdruckerei selbst darf nur eine Datenbank mit den Seriennummern aller PĂ€sse fĂŒhren.

FĂŒr kĂŒnftige Investoren ist die Bundesdruckerei attraktiv, weil sie nicht nur die Produktion biometrischer Ausweise und ihrer LesegerĂ€te beherrscht, sondern auch das nachtrĂ€gliche AusrĂŒsten herkömmlicher Ausweise mit einer Klebefolie, die den Chip fĂŒr die Aufnahme biometrischer Daten enthĂ€lt. Ein solches System hat die Bundesdruckerei zuletzt an Litauen verkauft [8]. (pmz [9])


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https://www.heise.de/-130748

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.bundesdruckerei.de/
[2] http://www.pnp.de/
[3] http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/146998.html
[4] http://www.sueddeutsche.de
[5] http://www.bundesdruckerei.de/de/behoerde/3_1/index.html
[6] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-verschiebt-Fingerabdruckspeicherung-in-Reisepaessen-122108.html
[7] http://www.aufenthaltstitel.de/passg.html
[8] http://www.bundesdruckerei.de/de/presse/pressemeldungen/pm_2006_11_22.html
[9] mailto:pmz@ct.de