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Sichere SeemÀnner dank Biometrie

Detlef Borchers

In den stark expandierenden deutschen HĂ€fen beginnen die technischen Vorarbeiten fĂŒr den Einsatz neuer, von der International Labour Organisation beschlossener Ausweise mit biometrischen Merkmalen.

Die internationalen Seefahrerausweise sollen nach einem Beschluss der International Labour Organisation (ILO [1]) mit biometrischen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet werden. Convention 185 der Seafarer's Identity Document Commission hatte am 9. Februar 2005 beschlossen, dass auf dem neuen Ausweis das Gesichtsbild und zwei FingerabdrĂŒcke digitalisiert in Form eines zweidimensionalen Strichcodes auf der AusweisrĂŒckseite gespeichert sein mĂŒssen. Dieser Beschluss ist inzwischen von den 178 Mitgliedsstaaten ratifziert worden und muss nun umgesetzt werden. Dementsprechend beginnen jetzt in den stark expandierenden deutschen HĂ€fen die technischen Vorarbeiten fĂŒr den Einsatz dieser Ausweise.

In Deutschland ist der IT-Dienstleister Steria Mummert Consulting [2] mit der technischen UmrĂŒstung befasst. "Deutsche Reedereien, HĂ€fen und Werften investieren mehr als 100 Millionen Euro in Abwehrmaßnahmen gegen terroristische AnschlĂ€ge. Angesichts der Bedrohung durch mögliche TerroranschlĂ€ge fordern immer mehr Reedereien zusĂ€tzlichen Schutz fĂŒr ihre Seeleute," heißt es dazu in der Mitteilung der Firma. Steria liefert dabei die IT-Lösung und die LesegerĂ€te fĂŒr die Ausweise, die von den Seefahrtsbehörden der ILO-LĂ€nder ausgegeben werden sollen. Die Firma ist einer von weltweit drei Dienstleistern, die von der ILO fĂŒr diese Aufgabe ausgewĂ€hlt wurden.

Im Unterschied zu den biometrischen ReisepĂ€ssen, die ab dem 1. November eingefĂŒhrt und wegen ihrer erkennungsdienstlichen Behandlungsmethoden [3] von der Humanistischen Union kritisiert werden, kommen die Seemannspapiere ohne Funkchips aus, da die Plastikkarten salzwassertauglich gestaltet sein sollen. Im Unterschied zu den biometrischen Passdaten, die nur auf dem Pass gespeichert sein sollen, sollen die biometrischen Daten der SeemĂ€nner in einer nationalen Datenbank vorgehalten werden, die zum Schutz vor internationalen FĂ€lschungen von den Hafenbehörden durchsucht werden kann. DafĂŒr ist ein internationaler Datenverbund erforderlich, ĂŒber den noch diskutiert wird. Indonesien, Nigeria, Norwegen und die Philippinen gehören zu den LĂ€ndern, die solch eine Datenbank derzeit nicht anlegen können oder wollen. FĂŒr die Seefahrer soll der Ausweis Vorteile bringen: "Die biometrischen Ausweise werden die nationalen Ausweise der Seeleute ersetzen und den Prozess fĂŒr das Beantragen von Visa erleichtern", heißt es bei Steria. (Detlef Borchers) / (jk [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-134917

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ilo.org
[2] http://www.mummert-consulting.de
[3] http://www.humanistische-union.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=240&mode=thread&order=0&thold=0&POSTNUKESID=abcad78bf5f406b3cb60665f9350e669
[4] mailto:jk@heise.de