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Schweizer Diplomat soll UN-Arbeitsgruppe "Internet-Verwaltung" leiten

Monika Ermert

Markus Kummer soll als Leiter der UN-Arbeitsgruppe im Vorfeld von Teil zwei des Weltgipfels der Informationsgesellschaft den gordischen Knoten beim internationalen Netzmanagement lösen.

Der Schweizer Diplomat Markus Kummer wird voraussichtlich die UN-Arbeitsgruppe zur Zukunft der Verwaltung des Internet leiten. Kummer sagte bei der heute gestarteten Konferenz [1] der International Telecommuncation Union (ITU [2]) zum Thema "Internet Governance", UN-GeneralsekretÀr Kofi Annan habe ihn vorgeschlagen. Die Arbeitsgruppe soll im Vorfeld von Teil zwei des Weltgipfels der Informationsgesellschaft [3] den gordischen Knoten beim internationalen Netzmanagement lösen. Den ersten Gipfel in Genf im vergangenen Dezember hatte der Streit um die Art der Internetverwaltung beinahe zum Scheitern gebracht.

Kummer war der vom Schweizer Gastgeber des ersten Gipfels benannte VerhandlungsfĂŒhrer fĂŒr das Reizthema. Er sei, sagte Kummer heute, kein Experte fĂŒr Internetmanagement, sondern eher "ein Diplomat, der zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei. Bis zuletzt standen sich, so rekapitulierte er die Verhandlungen, zwei "Schulen" unversöhnlich gegenĂŒber: "Eine, die mit dem Status quo zufrieden ist und sagt, keine Reparaturversuche solange es lĂ€uft. Und die andere, die mehr Verantwortung in den HĂ€nden internationaler Regierungsorganisationen, besonders der UN, sehen will." Nur durch die Vertagung des Streits in letzter Minute konnte der Gipfel gerettet werden. Die UN-Arbeitsgruppe, die Kummer nun voraussichtlich leiten wird, soll sich zunĂ€chst um eine gemeinsame Definition fĂŒr "Internet-Verwaltung" bemĂŒhen, bestehende Strukturen klĂ€ren und VorschlĂ€ge fĂŒr die Zukunft machen.

Kummer rĂ€umte ein, dass bei der Einbeziehung der Industrie und der Zivilgesellschaft Verbesserungen notwendig sind. Der Bericht der UN-Arbeitsgruppe könne allerdings nicht in großen Plenen formuliert werden. Er strebe daher eine Mischung von großen offenen und kleineren geschlossenen Arbeitstreffen an. Die genaue Zusammensetzung der Arbeitsgruppe wird wohl erst nach der Sitzung der UN-ICT-Arbeitsgruppe [4] im MĂ€rz in New York bekannt werden. Kummers endgĂŒltige Berufung hĂ€ngt noch von der Zustimmung der Schweizer Regierung ab. Laut einem Schreiben von Kofi Annan an ITU-GeneralsekretĂ€r Yoshio Utsumi soll in der Schweiz auch ein kleines Sekretariat fĂŒr die Koordination der Arbeit der UN-Arbeitsgruppe eingerichtet werden.

Wie aufgeheizt das Thema ist, zeigte sich beim Auftakt der ITU-Konferenz am heutigen Donnerstagmorgen. Ein Vertreter der dĂ€nischen Regierung warnte vor einem Vorpreschen der ITU. "Die Definition von Internet Governance ist Aufgabe der UN-Arbeitsgruppe. Da diese noch nicht eingesetzt ist, ist die dĂ€nische Regierung entschieden gegen Versuche der ITU, Entscheidungen ĂŒber diese Definition und die Rolle der ITU zu fĂ€llen." Die ITU diskutiert heute und morgen eine erste von ihr in Auftrag gegebene Untersuchung [5] des kanadischen Beraters und ehemaligen ITU-Experten Don McLean zu eben diesen Fragen. (Monika Ermert) / (jk [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-94211

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.itu.int/osg/spu/forum/intgov04/index.html
[2] http://www.itu.int
[3] https://www.heise.de/news/WSIS-UN-Konferenz-verabschiedet-Deklaration-zur-Informationsfreiheit-90257.html
[4] http://www.unicttaskforce.org/sixthmeeting/resources/
[5] http://www.itu.int/osg/spu/forum/intgov04/contributions/itu-workshop-feb-04-internet-governance-background.pdf
[6] mailto:jk@heise.de