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"Schneeball-Erde": Mondkrater als Hinweis auf riesige Erd-AsteroideneinschlÀge

Martin Holland

Krater auf dem Mond können etwas ĂŒber die Erde verraten.

(Bild: JAXA/NHK)

Vor 800 Millionen Jahren wurde der Mond heftig getroffen. Auch die Erde dĂŒrfte es getroffen haben, eine gigantische Eiszeit war die Folge, meinen Forscher.

Gigantische AsteroideneinschlĂ€ge der vielfachen StĂ€rke von jenem, der die Dinosaurier erledigte, könnten die Erde vor 800 Millionen Jahre in eine der hĂ€rtesten Eiszeiten bombardiert und die sogenannte "Schneeball-Erde" geschaffen haben. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Kentaro Terada von der UniversitĂ€t Osaka auf Umwegen. Bei der Analyse des Alters von Einschlagskratern auf dem Mond haben sie entdeckt, dass ein großer Teil davon etwa zur gleichen Zeit entstand. Der dafĂŒr verantwortliche Schauer mĂŒsste dann auch die Erde getroffen haben. Trotz ihrer Gewalt wĂ€ren die Spuren inzwischen lĂ€ngst verschwunden.

Wie die Forscher im Fachmagazin Nature Communications erlĂ€utern [1], haben sie anhand der Daten der japanischen Mondsonde Kaguya [2] Krater auf dem Erdtrabanten untersucht. Von den 59 analysierten Kratern mit Durchmessern von mindestens 20 Kilometern wurden demnach acht ungefĂ€hr zur gleichen Zeit geformt – vor etwa 800 Millionen Jahren. Aus der GrĂ¶ĂŸe der jeweils verantwortlichen Himmelskörper haben sie abgeleitet, welche Folgen der dahintersteckende Asteroidenschauer fĂŒr die Erde gehabt haben dĂŒrfte. Dabei haben sie die relative GrĂ¶ĂŸe von Erde und Mond und deren Distanz einbezogen.

Auf unserem Heimatplaneten mĂŒssten demnach Asteroiden einer Masse von mindestens 40 bis 50 Billionen Tonnen eingeschlagen sein, das wĂ€re 30 bis 60 Mal stĂ€rker als der Verursacher des Chicxulub-Kraters vor 66 Millionen Jahren. Der nun untersuchte Zeitraum liegt deutlich weiter zurĂŒck, vor dem sogenannten Cryogenium. Das war gekennzeichnet durch eine vollstĂ€ndige oder nahezu vollstĂ€ndige Vereisung der gesamten ErdoberflĂ€che, die "Schneeball-Erde". Der Fund der japanischen Forscher könnte erklĂ€ren, wie diese Zeit begann. Die EinschlĂ€ge wĂŒrden sich ĂŒber mehrere Dutzende Millionen Jahre erstreckt haben und fĂŒr Beobachter wĂ€re es "sehr langweilig" gewesen, unterbrochen von absolutem "Terror", wie es Bill Bottke vom Southwest Research Institute in den USA im Wissenschaftsmagazin New Scientist ausdrĂŒckt [3].

Mondbilder von Kaguya (0 Bilder) [4]

[5]

Anders als auf der Erde gibt es auf dem Mond keine Erosion und auch Spuren derart weit zurĂŒckliegender Ereignisse bleiben erhalten, erklĂ€rt Terada nun. Trotzdem hoffen sie darauf, dass ihre Analyse geologisch ĂŒberprĂŒft wird und möglicherweise neue Funde ermöglicht: "Das ist nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang", meint Bottke.

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(mho [7])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.nature.com/articles/s41467-020-17115-6
[2] https://www.heise.de/news/JAXA-Full-HD-Videos-und-Fotos-der-Mondsonde-Kaguya-veroeffentlicht-3345019.html
[3] https://www.newscientist.com/article/2249457-moon-craters-hint-huge-asteroids-bombarded-earth-800-million-years-ago/
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/1904750.html?back=4851316;back=4851316
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/1904750.html?back=4851316;back=4851316
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:mho@heise.de