Scharfe Kritik von T-Online-AktionÀren an Eingliederung in Telekom
"Der AktionĂ€r hat seine Schuldigkeit getan, der AktionĂ€r kann gehen", meinte die Deutsche Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz auf der Hauptversammlung von T-Online zur RĂŒckintegration von T-Online in die Telekom.
Zahlreiche KleinaktionĂ€re von T-Online [1] haben am Donnerstag ihrer Wut ĂŒber die Wiedereingliederung [2] des Internet-Anbieters in den Telekom-Konzern Luft gemacht. Auf der Hauptversammlung in Hannover wurde vor allem das aus ihrer Sicht zu niedrige UmtauschverhĂ€ltnis scharf kritisiert. KleinaktionĂ€re sprachen von einem "Börsenskandal" und einer "Schande fĂŒr die Aktienkultur". T-Online-Vorstandschef Rainer Beaujean dagegen verteidigte die Verschmelzung.
Im Zuge der Fusion [3] sollen die T-Online-AktionĂ€re fĂŒr einen Anteilsschein 0,52 T-Aktien erhalten. Dies entspricht einem Wert von rund 8 Euro. Vor fĂŒnf Jahren beim Börsengang hatte das T-Online- Papier 27 Euro gekostet. "Der AktionĂ€r hat seine Schuldigkeit getan, der AktionĂ€r kann gehen", sagte dazu Hans Richard Schmitz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW [4]). Die Verschmelzung stehe in keinster Weise im Interesse der auĂen stehenden AktionĂ€re.
Dagegen sagte T-Online-Chef Beaujean, der gröĂte europĂ€ische Internet-Anbieter werde ein "Schnellboot" im Telekom-Konzern [5] sein. Gemeinsam könnten die Ziele noch schneller, effizienter und nachhaltiger erreicht werden. Es gebe immer mehr Ăberschneidungen zwischen den GeschĂ€ftsmodellen von Festnetzbetreibern und Internet-Anbietern.
Die Deutsche Telekom will T-Online vollstĂ€ndig erwerben und mit seiner Festnetzsparte T-Com fusionieren. Dadurch will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, der auch Aufsichtsratschef von T-Online ist, die UmsatzrĂŒckgĂ€nge im FestnetzgeschĂ€ft ausgleichen und sein Unternehmen stĂ€rker auf die BedĂŒrfnisse der Kunden ausrichten [6]. Die geplante Verschmelzung ist praktisch nicht mehr aufzuhalten, weil die Deutsche Telekom bereits mehr als 90 Prozent der T-Online- Aktien hĂ€lt. FĂŒr die Wiedereingliederung notwendig ist auf der Hauptversammlung aber nur die Zustimmung von 75 Prozent des Kapitals. Dennoch hat T-Online den Ort der Hauptversammlung, die TUI-Arena, vorsorglich fĂŒr zwei Tage gemietet.
Die DSW und die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK [7]) kĂŒndigten aber bereits an, gegen die Verschmelzung zu stimmen und Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. AuĂerdem behielten sie sich vor, gegen die Wiedereingliederung gerichtlich zu klagen. (dpa) / (jk [8])
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[3] https://www.heise.de/news/T-Online-Reintegration-Aktientausch-schlechter-als-Barabfindung-141767.html
[4] http://www.dsw-info.de/
[5] https://www.heise.de/news/Telekom-Chef-Ricke-verteidigt-Stellenabbau-156382.html
[6] https://www.heise.de/news/Telekom-Verschmelzung-mit-T-Online-Kernelement-der-Neuausrichtung-156283.html
[7] http://www.sdk.org/
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