Schaar: Energiewirtschaft hat Datenschutzproblem unterschÀtzt
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar wirft den Stromkonzernen vor, die Sicherung der PrivatsphĂ€re bei der UmrĂŒstung auf intelligente StromzĂ€hlern und Smart Grids zunĂ€chst verschlafen zu haben.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar [1] hat den Stromkonzernen vorgeworfen, die Sicherung der PrivatsphĂ€re bei der UmrĂŒstung auf intelligente StromzĂ€hlern und Smart Grids verschlafen zu haben. UrsprĂŒnglich hĂ€tten die Unternehmen geplant, Nutzungsdaten aus Haushalten "einfach hin- und herzuschieben". Erst nach Intervention der Datenschutzbehörden hĂ€tten sie darĂŒber nachgedacht, die Daten auch zu verschlĂŒsseln, sagte Schaar am Freitag in Berlin.
In Deutschland wird in Pilotprojekten [2] zur Umsetzung der EU-Richtlinie zur Steigerung der Energieeffizienz von 2006 derzeit daran gearbeitet, ein "Internet der Energie" aufzubauen. Peter BĂŒttgen, Referatsleiter beim Bundesdatenschutzbeauftragten, erlĂ€uterte, mit den dazu gehörenden intelligenten StromzĂ€hlern könne "alle fĂŒnfzehn Minuten" gemessen werden. Momentan fehlt der neuen digitalen ZĂ€hlergeneration aber noch die Anbindung an Messstationen. Miriam PfĂ€ndler, die in der Behörde Schaars Projekte der angewandten Informatik betreut, erlĂ€uterte, derzeit sei noch nicht festgelegt, ob Stromverbrauchsdaten direkt ĂŒber das Internet, klassische Telefonleitungen oder das Stromnetz ĂŒbertragen und wie sie verschlĂŒsselt oder verschleiert werden sollen.
"Kaffeemaschine, Toaster oder Warmwasseranlage weisen spezifische Charakteristika auf", erklĂ€rte BĂŒttgen. "Daran kann man erkennen, wer wann was macht." Dritte wie zum Beispiel Werbetreibende könnten an diesen Informationen interessiert sein. Es sei möglich, das hĂ€usliche Verhalten bis hin in intimste Bereiche abzubilden, sagte Schaar. Profilbildungen mĂŒsse daher durch Datensparsamkeit sowie dadurch, dass Datenschutz vorab in der Technik berĂŒcksichtigt wird ("Privacy by Design" und "by Default"), gegengesteuert werden.
Schaar drĂ€ngt die Politik dazu, die im Ansatz auch bereits zusammen mit seinen Kollegen auf LĂ€nderebene aufgestellten Forderungen [3] grundsĂ€tzlich in der laufenden Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes zu berĂŒcksichtigen. Am Ende mĂŒssten Schutzprofile fĂŒr einzelne GerĂ€tetypen stehen. Die Chancen fĂŒr eine solche Entwicklung hĂ€lt der DatenschĂŒtzer fĂŒr gut. Energiewirtschaft und das fĂŒhrende Ministerium hĂ€tten mittlerweile erkannt, wie wichtig das Thema sei. Schaar begrĂŒĂte ausdrĂŒcklich eine Studie des E-Energy-Projekts [4] zur Sicherung der PrivatsphĂ€re in Smart Grids.
Laut Schaar arbeiten auch die Techniker daran, Smart Grids abzusichern, um Angriffsmöglichkeiten auf diese kritische Infrastruktur und damit verknĂŒpfte AusfĂ€lle zu verhindern. Dies sei letztlich bedeutend "fĂŒr die IT-Sicherheit und die nationale Sicherheit". Der DatenschĂŒtzer sieht darin auch eine Chance fĂŒr die deutsche Wirtschaft. Derzeit böten viele Hersteller aus Ăbersee oder dem asiatischen Raum "sehr einfach gestrickte Komponenten" fĂŒr intelligente Energienetze an. Durchsetzen dĂŒrfte sich aber nicht "der billigste Chip", sondern einer, "der gegen Angriffe von auĂen gehĂ€rtet ist". In den Niederlanden etwa sei die Gesetzgebung fĂŒr Smart Grids aufgrund Beschwerden von Verbraucher- und DatenschĂŒtzern schon auf Eis gelegt worden. (anw [5])
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[3] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-fordern-klare-Regeln-bei-Smart-Meter-Nutzung-1131632.html
[4] https://www.heise.de/news/Empfehlungen-zum-Datenschutz-in-intelligenten-Stromnetzen-1171353.html
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