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Sammelmengen bei Elektroschrott in der EU sind enttÀuschend [Update]

Pia Grund-Ludwig

Laut einer Evaluierung der EU-Elektroschrottrichtline besteht noch enormer Handlungsbedarf, insbesondere bei KleingerÀten. Weder Entsorgungstechnik noch rechtliche Rahmenbedingungen seien eine Herausforderung, entscheidend sei die Finanzierung.

Eine Studie der United Nations University [1] (UNU), die im Auftrag der EU entstanden ist, soll diese bei der Evaluierung der EU-Elektroschrottrichtlinie [2] WEEE (Waste Electrical and Electronic Equipment [3]) unterstĂŒtzen. Die jetzt vorgelegte Bilanz der Forscher: Es besteht noch enormer Handlungsbedarf, insbesondere bei KleingerĂ€ten. "FĂŒr mich war die grĂ¶ĂŸte Überraschung die geringen Sammelmengen", moniert Hauptautor Jaco Huisman.

Auch die bĂŒrokratischen HĂŒrden bei der Entsorgung von Elektro- und Elektronikschrott [4] seien nach wie vor hoch, beklagen die Experten. So gibt es immer noch keine durchgĂ€ngigen lĂ€nderĂŒbergreifend einheitlichen Richtlinien. Das mache Verwertern das Leben schwer. Vor allem kleine und mittlere Hersteller wĂŒssten noch zu wenig ĂŒber ihre Pflichten. Zudem gebe es eine enorme Menge an abzuliefernden Berichten. Die verursachten derzeit Kosten in Höhe von um die 40 Millionen Euro. Dadurch, so die Studie, könne es zu Wettbewerbsverzerrungen kommen, wenn sich manche der Unternehmen den aufwendigen Berichten entzögen. 8 Stunden sitze man schließlich an einem Report, bis zu 72 Berichte pro Jahr und Hersteller seien fĂ€llig.

Umgesetzt in deutsches Recht wird die Richtlinie [5] durch das Elektro- und ElektronikgerĂ€tegesetz, seit dem 24. MĂ€rz 2006 sind die Regelungen ĂŒber die ElektrogerĂ€te-Entsorgung hierzulande endgĂŒltig in Kraft. Nach wie vor haben aber nicht alle Staaten die Richtlinie umgesetzt. Das ist einer der Faktoren, der die Wiederverwertungsquoten drĂŒckt. Die vorgeschriebene Sammelquote liegt bei vier Kilogramm pro Kopf. "WĂ€hrend die wohlhabenderen Staaten diese Vorgabe problemlos erfĂŒllen, fĂ€llt dies den neuen Mitgliedsstaaten vergleichsweise schwer", schreiben die Autoren. Doch auch in Westeuropa werde zu wenig getan, um die Mengen zu erhöhen, meint Huisman.

Nur jedes vierte mittelgroße HaushaltsgerĂ€t wird bislang verwertet. Die Einsammlung von KleingerĂ€ten liegt, mit wenigen Ausnahmen, sogar fast bei Null. "Laut unserer Studie sind aber Sammelquoten von zirka 60 Prozent fĂŒr KleingerĂ€te wie MP3-Player und Haartrockner sowie fĂŒr mittelgroße GerĂ€te wie Audio- und MikrowellengerĂ€te respektive Fernseher und 75 Prozent fĂŒr GroßgerĂ€te wie KĂŒhlschrĂ€nke und Waschmaschinen durchaus möglich. Wenn diese Sammelraten realisiert werden, könnte bis zum Jahr 2011 ein Ertrag von fast 5,3 Millionen Tonnen Elektroschrott einer Sammlung zugefĂŒhrt werden", meinte RĂŒdiger KĂŒhr von der UniversitĂ€t der Vereinten Nationen [6] in Bonn, der die Arbeit an der Erhebung koordiniert. Heute sind dies erst 2,2 Millionen Tonnen.

Die Studie geht innerhalb der EU von einem Anstieg des gesamten Elektroschrottaufkommens um von 10,3 Millionen Tonnen im Jahr 2005 auf zirka 12,3 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2020 aus. "Die Kosten fĂŒr die RĂŒcknahme und Entsorgung von AltgerĂ€ten werden voraussichtlich von knapp 0,8 Milliarden Euro 2005 auf 3 Milliarden Euro 2020 ansteigen, wobei die anfallenden Kosten von Kategorie zu Kategorie variieren", erklĂ€rte Federico Magalini von der UNU, verantwortlich fĂŒr die ökonomische Evaluierung. "FĂŒr HaushaltsgroßgerĂ€te wie Waschmaschinen oder Elektroherde entfĂ€llt der grĂ¶ĂŸte Kostenanteil auf den Transport, bei KĂŒhl- und GefriergerĂ€ten hingegen ist der wesentliche Kostentreiber die Entsorgung."

Huisman fordert fĂŒr einzelne Kategorien unterschiedliche Vorgaben fĂŒr Sammelquoten. Dabei soll berĂŒcksichtigt werden, wie stark sich durch die Sammlung giftige Emissionen reduzieren, der Energieverbrauch senken oder Klimagase vermeiden lassen. Probleme machen dabei nicht nur vergleichsweise alte Produkte wie KĂŒhlschrĂ€nke mit dem Klimakiller FCKW oder alte bromhaltige Monitore. Auch bei Energiesparlampen werden giftige Stoffe wie Quecksilber verwendet. 2006 wurden in Europa zirka 660 Millionen Energiesparlampen verkauft. Diese enthalten insgesamt schĂ€tzungsweise 4,3 Tonnen Quecksilber. Hinzu kommen weitere 2,8 Tonnen Quecksilber in LCD-Bildschirmen. Diese potenzielle Belastung mĂŒsse durch eine sachgerechte Entsorgung eingedĂ€mmt werden, bekrĂ€ftigte Huisman: "FĂŒr die RĂŒckgewinnung aus LCDs gibt es noch keine Technologien, es ist sehr schwer, das Quecksilber wiederzugewinnen."

Huisman tritt zudem dafĂŒr ein, dass sich die Elektroschrottrichtlinie wirklich auf diesen Bereich konzentriert, alles andere fĂŒhre zu einer VerwĂ€sserung. So sei es beispielsweise bei Energiesparlampen zwar wĂŒnschenswert, dass innovative Ideen zur Reduzierung von Quecksilber umgesetzt wĂŒrden. "Das sollte aber lieber ĂŒber die RoHS-Richtlinie [7] geregelt werden, die die Verwendung gefĂ€hrlicher Stoffe regelt." Generell sieht Huisman derzeit weder in der Entsorgungstechnik noch in den rechtlichen Rahmenbedingungen die wichtigste Herausforderung. "Entscheidend ist die Finanzierung. Es gibt keine Anreize zur Erhöhung der Volumina."

Zur Elektronikschrott-Entsorgung und den Entwicklungen bei der Elektronikschrott-Gesetzgebung siehe auch:

(Pia Grund-Ludwig) / (jk [28])


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[1] http://www.unu.edu/
[2] http://www.heise.de/ct/03/01/020/
[3] http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32002L0096:DE:HTML
[4] https://www.heise.de/news/Probleme-bei-Elektrogeraete-Entsorgung-158679.html
[5] https://www.heise.de/news/Neuregelung-zu-Elektronikschrott-startet-in-der-Praxis-112412.html
[6] http://www.ehs.unu.edu/
[7] https://www.heise.de/news/EU-Stoffverbote-in-der-Elektronik-werden-wirksam-137917.html
[8] http://www.bmu.de/abfallwirtschaft/downloads/doc/5582.php
[9] https://www.heise.de/news/Probleme-bei-Elektrogeraete-Entsorgung-158679.html
[10] https://www.heise.de/news/Besseres-Recycling-von-Elektronikschrott-152573.html
[11] https://www.heise.de/news/Wachsende-Berge-an-E-Muell-121845.html
[12] https://www.heise.de/news/Petition-fordert-Nachbesserungen-bei-Elektronikschrott-Regelung-121798.html
[13] https://www.heise.de/news/Neuregelung-zu-Elektronikschrott-startet-in-der-Praxis-112412.html
[14] http://www.heise.de/ct/06/07/052/
[15] http://www.heise.de/ct/05/26/064/
[16] https://www.heise.de/news/VDE-prueft-Elektronik-auf-gefaehrliche-Substanzen-159098.html
[17] http://www.heise.de/ct/05/24/003/
[18] https://www.heise.de/news/US-Elektronikindustrie-fordert-landesweite-eWaste-Recycling-Richtlinien-129219.html
[19] https://www.heise.de/news/AMD-liefert-bleiarme-Prozessoren-aus-117202.html
[20] https://www.heise.de/news/Fujitsu-Siemens-bietet-gruenen-Computer-an-115003.html
[21] https://www.heise.de/news/Greenpeace-prangert-Elektronikschrott-Export-an-162994.html
[22] https://www.heise.de/news/Internetportal-informiert-zum-Elektronikgeraete-Gesetz-156490.html
[23] https://www.heise.de/news/Vom-PC-zum-Elektronik-Schrott-108030.html
[24] http://www.heise.de/ct/04/20/036/
[25] http://www.heise.de/ct/04/09/084/
[26] http://www.heise.de/ct/03/01/020/
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