RivalitÀten der Zukunft auf der CeBIT
Das Verschmelzen von Branchen und GerÀtearten verÀndert die IT-Landschaft. Der Aufbruch zu neuen Ufern löst Konflikte zwischen den Akteuren aus, etwa zwischen Handy-Herstellern und Netzbetreibern, die sich um lukrative Dienste balgen.
Die diesjĂ€hrige Computermesse CeBIT [1] fĂ€llt in eine Zeit gewaltigen Wandels. Das Verschmelzen von Branchen und GerĂ€tearten, ĂŒber das so lange gesprochen wurde, wird nicht nur zur RealitĂ€t, sondern lĂ€sst auch neue RivalitĂ€ten aufbrechen. Der IT-Wettbewerb der Zukunft ist branchenĂŒbergreifend und wird von Giganten beherrscht. Wie gut die weltgröĂte Computermesse in Hannover mit ihrer "RĂŒckbesinnung auf die Wurzeln" als Schaufenster von Lösungen fĂŒr Unternehmen diese VerĂ€nderungen abbilden kann, bleibt abzuwarten.
Keine drei Wochen vor der CeBIT trat auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ein Konflikt mit Symbolkraft hervor. Nokia [2], der weltgröĂte Handy-Hersteller mit einem Marktanteil von 40 Prozent, stellte sein Netzportal Ovi [3] mit Navigations- und Internet-Diensten sowie einer Plattform fĂŒr den Verkauf von Musik und Spielen vor. Der Zorn von T-Mobile [4]-Chef Hamid Akhavan folgte sofort. "Uns gefĂ€llt das nicht", sagte der Manager von Europas gröĂtem Telekomkonzern ohne viel Diplomatie. Die Finnen wildern aus seiner Sicht im Revier der Telekomfirmen. Ovi-taugliche Handys werde es im T-Mobile-Regal erst nach einer Einigung mit Nokia geben, drohte Akhavan.
Das Beispiel Nokia zeigt den Wandel der Branche. "Von einem GerĂ€teproduzenten entwickelt sich das Unternehmen zu einem Softwarekonzern", sagt ein Mobilfunkmanager. Der Schritt ist lebenswichtig, denn Handys zusammenschrauben können viele, komplizierte Anwendungen entwickeln und an den Kunden bringen nur wenige. Mit seinem Transformationsprozess ist Nokia spĂ€t dran, denn der MarktfĂŒhrer muss sich an einem Neuling orientieren. Der einstige Computer-Konzern Apple [5] demonstriert mit seinem Erstlingswerk iPhone, wie die Welten von Telefon und Computer zusammenwachsen. Auf der Messe in Barcelona war Apple zwar nicht, dafĂŒr schwĂ€rmte so mancher Handy-Manager, dass die GerĂ€te aus dem eigenen Haus schon fast so benutzerfreundlich seien wie das iPhone.
Auch wenn die CeBIT fĂŒr die Handy-Hersteller an Bedeutung verloren hat, wirbt Motorola [6]-Deutschlandchef Ralf Gerbershagen fĂŒr die Messe: Deutschland brauche ein Fenster wie die CeBIT. Auch Telekom [7]-Manager Philipp Humm sieht die Messe in Hannover als ideales Forum, um Vertriebspartner und Kunden zu treffen. Der Branchenwandel geht an dem Bonner Konzern nicht vorbei. LĂ€ngst ist die Telekom angetreten, auch die Wohnzimmer zu erobern. Ăber ihre schnellen Datenautobahnen ĂŒbertrĂ€gt das Unternehmen Fernsehbilder und interaktive Anwendungen auf die TV-GerĂ€te ihrer Kunden.
Zum Schlachtfeld der Zukunft entwickelt sich das Internet, da alle Arten von Daten - auch TelefongesprĂ€che oder Videobilder - zunehmend ĂŒber das Internet-Protokoll verschickt werden. Software zum Beispiel von Adobe oder Google ist zudem gerade dabei, die Grenze zwischen Programmen und Daten auf den GerĂ€ten und im Netz zu verwischen.
Wieviel im weltweiten Netz auf dem Spiel steht, zeigt das feindliche Ăbernahmeangebot von Microsoft [8] fĂŒr den Internetkonzern Yahoo [9]. Knapp 45 Milliarden US-Dollar legte der Windows-Riese fĂŒr den Anbieter von Internetsuche und Web-2.0-Diensten auf den Tisch â und möglicherweise wird es noch mehr. Mit der Akquisition will Microsoft den groĂen Internet-Rivalen Google [10] angreifen. Denn der Suchmaschinen-Spezialist wird mit seinen kostenlosen Softwareangeboten und dem Handy-Betriebssystem Android [11] zu einem immer gefĂ€hrlicheren Rivalen fĂŒr Microsoft. Auf der CeBIT wird in jedem Fall Microsoft-Chef Steve Ballmer diesem Konflikt ein Gesicht geben und zugleich fĂŒr etwas Glamour auf dem MessegelĂ€nde in Hannover sorgen. (Andrej Sokolow, dpa und Martin Murphy, dpa-AFX) / (uma [12])
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[6] http://www.motorola.com/de/
[7] http://www.telekom.de
[8] http://www.microsoft.de
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[10] http://www.google.de
[11] https://www.heise.de/news/Das-Google-Phone-ist-ein-Android-192392.html
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