Ridepooling: Moia erhÀlt keine Genehmigung in Berlin
Das E-Shuttle von Moia rollt bereits im Testbetrieb durch Hamburg, Berlin gibt keine Genehmigung.
(Bild: Moia)
Die VW-Tochter wollte ihre Shuttles nach Hannover und Hamburg auch in der Hauptstadt auf die StraĂe bringen. Doch der Berliner Senat winkt ab.
Der Ridepooling-Dienst Moia erhĂ€lt fĂŒr seine Shuttle-Busse in Berlin keine Genehmigung. Der formelle Ablehnungsbescheid des zustĂ€ndigen Landesamts fĂŒr BĂŒrger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) werde "in KĂŒrze" erfolgen, bestĂ€tigte ein Sprecher der Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gegenĂŒber heise online. Der Senat hatte dem Anbieter zuvor bereits signalisiert, dass es in der Hauptstadt keine Ausnahmegenehmigung geben werde.
Berlin hat schon
Der Betrieb von Ridepooling-Diensten, bei dem sich mehrere FahrgĂ€ste sich ein Shuttle auf mehr oder weniger festen Routen teilen können, ist nach dem Personenbeförderungsgesetz genehmigungspflichtig. Die Volkswagen-Tochter Moia, die in Hannover und Hamburg schon auf der StraĂe ist, hatte sich in der Hauptstadt um eine Ausnahmegenehmigung bemĂŒht. Diese wird das LABO offenbar nicht erteilen. "Uns liegt aktuell noch kein offizieller Bescheid vor, aber tatsĂ€chlich sind die Signale, die wir erhalten haben, nicht positiv", erklĂ€rte ein Moia-Sprecher.
Die Senatsverwaltung begrĂŒndet die Ablehnung damit, dass es bereits zwei Anbieter fĂŒr solche Shuttledienste in der Stadt gibt, die eine Ausnahmegenehmigung erhalten haben. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und ein Joint-Venture des US-Startups Via mit Daimler lassen in der östlichen Innenstadt rund 100 "Berlkönige" fahren. Im Westen der Hauptstadt drehen 30 E-Autos der Bahn-Tochter CleverShuttle ihre Runden.
Dritter Anbieter "kontraproduktiv"
Der Senat wolle mit diesen zwei Anbietern "belastbare Erkenntnisse zu Auswirkungen auf die private Pkw-Nutzung, den öffentlichen Nahverkehr und das Taxigewerbe" gewinnen, sagte der Sprecher. Die Genehmigung eines dritten Anbieters im gleichen Fahrgebiet sei "kontraproduktiv, weil sie die Ergebnisse verfĂ€lschen". Zudem sehe das Berliner MobilitĂ€tsgesetz vor, "dem ökologisch besonders nachhaltigen Bahn-, Bus-, Rad- und FuĂverkehr den Vorrang in Verkehrsfragen" zu geben.
"Der Antrag von Moia, mit rund 1000 Fahrzeugen und einem flexiblen Tarifsystem Beförderung anzubieten, verfolgt insofern ein nachvollziehbares GeschĂ€ftsinteresse des Unternehmens VW nach einem wirkungsvollen Markteintritt, steht diesen öffentlichen Verkehrsinteressen aus unserer Sicht aber eindeutig entgegen", heiĂt es in der ErklĂ€rung der Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.
Hannover und Hamburg
Moia bedauert die Entscheidung. "Es scheint zurzeit in Berlin der politische Wille noch nicht ausreichend vorhanden, innovative MobilitĂ€tsdienste, wie Moia sie anbietet, in der Breite zuzulassen", erklĂ€rte ein Sprecher gegenĂŒber heise online. "Wir glauben, dass es einer gemeinsamen Anstrengung der Stadt Berlin, des öffentlichen Nahverkehrs und von MobilitĂ€tsdiensten wie Moia bedarf, um in einer GroĂstadt wie Berlin die Verkehrswende herbeizufĂŒhren." Das Unternehmen will nun den Bescheid abwarten und dann weitere Schritte ĂŒberlegen.
In Hannover war Moia im Herbst 2017 in den Testbetrieb mit einer geschlossenen Nutzergruppe gegangen. Seit Sommer vergangenen Jahres operiert das Unternehmen in der niedersĂ€chsischen Landeshauptstadt im Regelbetrieb [1]. Vor wenigen Tagen hat Moia seinen Einsatzradius auf das gesamte Hannoveraner Stadtgebiet ausgedehnt. Die Genehmigung in Hannover gilt fĂŒr zunĂ€chst 150 Fahrzeuge. Hier setzt Moia derzeit VW-Busse ein, die Flotte soll aber sukzessive elektrifiziert werden. DafĂŒr hat das Startup ein eigenes Fahrzeugmodell entwickelt [2].
Dieses E-Shuttle rollt bereits durch Hamburg, Anfang des Jahres hat der Testbetrieb in der Elbmetropole begonnen. Im April will Moia mit rund 100 Fahrzeugen in den Regelbetrieb starten. Die Verwaltung hat die nötige Genehmigung fĂŒr zunĂ€chst 500 Fahrzeuge erteilt. Perspektivisch können das bis zu 1000 werden, doch wie in Berlin sorgt sich auch die Hamburger Verwaltung um das Taxigewerbe und den ĂPNV. Deshalb soll parallel zum Projekt in Hamburg erforscht werden, wie sich Ridepooling auf den privaten PKW-Verkehr, das Taxigewerbe und den öffentlichen Nahverkehr auswirkt. "Dazu gibt es bisher noch keine belastbaren Zahlen", meint der Moia-Sprecher.
Die Flotten wachsen langsam mit der Nachfrage und der Ausdehnung des GeschĂ€ftsgebietes. Das wĂ€re auch bei dem Berliner Antrag nicht anders gewesen. "Damit ein Ridesharing-Service eine wirkliche Alternative zum privaten Fahrzeug darstellen kann, muss er in ErgĂ€nzung zum ĂPNV möglichst weite Gebiete einer Stadt mit einer ausreichenden Anzahl von Fahrzeugen abdecken", betont der Moia-Sprecher. (vbr [3])
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[1] https://www.heise.de/news/Mobilitaetsdienste-VW-Tochter-Moia-baut-Ridesharing-Angebot-in-Hannover-aus-4092525.html
[2] https://www.heise.de/news/Volkswagen-Tochter-Moia-stellt-Elektro-Fahrzeug-fuer-Sammelfahrten-vor-3908248.html
[3] mailto:vbr@heise.de
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