Reuters Institute: Großes Interesse an Nachrichten, abnehmendes Vertrauen in Medien
Eine internationale Studie zeigt: Das Interesse an Nachrichten ist groß, aber das Vertrauen in die Medien nimmt ab. Die Nutzung sozialer Plattformen wie Facebook sinkt in einigen Ländern, Messenger gewinnen hingegen stark an Boden.
50 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, den Nachrichten zu vertrauen.
(Bild: digitalnewsreport.org)
Während Fake-News und Facebooks Sortier-Algorithmen die öffentliche Debatte über Medien bestimmen, scheint der Einfluss dieser Faktoren auf die Meinungsbildung nur begrenzt zu sein. Das Reuters Institute hat nun die Ergebnisse einer internationalen Studie vorgestellt, für die der Medien- und Nachrichtenkonsum von 70.000 Befragten ausführlich analysiert wurde, das Hans-Bredow-Institut steuerte Ergebnisse aus Deutschland hinzu. Demnach werden Nachrichten über das Internet viel genutzt, doch das Vertrauen in die Medien ist niedrig. Viele Nutzer betrachten TV-Nachrichten immer noch als wichtigste Informationsquelle.
Nachrichtenkonsum wächst leicht
Der Nachrichtenkonsum über soziale Netzwerke steigt laut den Ergebnissen der Umfrage nur noch leicht an – Facebook und Co scheinen hier in vielen Ländern an Wachstumsgrenzen zu stoßen. Ein Grund dafür ist die fehlende Glaubwürdigkeit der Nachrichten, die die Nutzer auf Facebook und anderen Plattformen lesen: Nur 24 Prozent der Befragten bescheinigen den Plattformen gut Arbeit bei der Vermittlung von wichtigen Nachrichten. Traditionelle Medien kamen bei dieser Frage auf 40 Prozent.
Als Grund für das fehlende Zutrauen zu Facebook und Co geben viele Befragten fehlende Qualitätskontrolle und die Sortieralgorithmen an, die Inhalte von geringer Qualität wie zum Beispiel Fake-News bevorzugten. Dabei ist das Nachrichteninteresse insbesondere in Deutschland hoch: 94 Prozent der erwachsenen Onliner schaut, liest oder hört hier mindestens mehrmals wöchentlich Nachrichten, 87 Prozent tun dies täglich.
Weniger Facebook, mehr Messenger
In einigen Ländern nimmt die Nutzung sozialer Netzwerke sogar ab – dazu zählt auch Deutschland. 29 Prozent der erwachsenen Onliner gaben hier an, soziale Medien als Nachrichtenquelle zu verwenden. Im Vorjahr waren es 31 Prozent. Genutzt wird dabei meist passiv: 14 Prozent benutzen die Funktion "Gefällt mir", 8 Prozent kommentieren. Entsprechend niedrig ist auch das Ansehen sozialer Netzwerke als Informationsquelle: 7 Prozent der Volljährigen gaben soziale Medien als wichtigste Nachrichtenquelle an. Lediglich 1,6 Prozent verzichteten dabei auf andere Medien, um sich über die Weltlage zu informieren.
Die Unzufriedenheit mit den Sortier-Algorithmen sozialer Netzwerke zeigt sich auch in dem Boom einer anderen Nutzungsart: So gaben 12 Prozent der erwachsenen Onliner in Deutschland an, ihre Nachrichten über WhatsApp zu beziehen. Insgesamt wird der Dienst von 54 Prozent der Onliner benutzt.
Insbesondere ein Offline-Medium konnte auch von der Entwicklung profitieren: 77 Prozent schauen mindestens einmal pro Woche Nachrichten im TV. Für mehr als die Hälfte unter den befragten Internetnutzern ist es auch die wichtigste Nachrichtenquelle. Dies entspricht den Werten im Vorjahr. Bei den 18 bis 24jährigen stieg der Konsum von TV-Nachrichten gar von 54 auf 59 Prozent.
"Trump Bump" für Bezahlmedien in den USA
Während sich international 29 Prozent der Befragten zumindest ab und zu den Nachrichten verweigern, weil sie ihnen auf die Stimmung schlagen, hat sich die Flut schlechter Nachrichten in den USA als Umsatzgenerator für Bezahlmedien erwiesen. So stieg die Anzahl von Nutzern mit bezahlten Online-Abos von 9 auf 16 Prozent, die Zahl der Spenden für Nachrichtenorganisationen wie NPR oder ProPublica haben sich verdreifacht.
Digital News Report, Ergebnisse für Deutschland (8 Bilder)

In Deutschland sieht es jedoch in Sachen Zahlungsbereitschaft deutlich schlechter aus. So hat die Anzahl der Befragten mit einem Online-Abo sogar leicht von 8 auf 7 Prozent abgenommen, der Anteil der Käufer von Print- Zeitungen sanken von 46 auf 42 Prozent. Hauptgrund für die geringe Zahlungsbereitschaft ist die Dominanz von Gratis-Angeboten: So geben 40 Prozent an, dass die kostenlosen Dienste ihren Ansprüchen genügen und sie deshalb keinen Grund sehen, Geld auszugeben.
Adblocker wachsen leicht
An der Adblocker-Front gibt es gemischte Nachrichten: So ist der Anteil derer, die sich einen Werbeblocker heruntergeladen haben, von 30 auf 32 Prozent gestiegen, die aktive Nutzung stieg von 25 auf 28 Prozent. Allerdings zeigen auch die Anti-Adblocker-Kampagnen Wirkung: So gaben 58 Prozent der Nutzer einer solchen Software an, dass sie diese bereits einmal abgeschaltet haben, allerdings nur 32 Prozent für ein Nachrichten-Angebot. Freiwillig wird der Ausschalter aber eher nicht benutzt: 61 Prozent gaben an, den Adblocker deaktiviert zu haben, weil eine Website sonst nicht zugänglich war, aber nur 23 Prozent wollten die Finanzierung der betroffenen Websites unterstützen. (anw)