ReplayTV: Comeback mit neuem Digital-Videorecorder
Obwohl Replay beim ersten Anlauf nur wenigen Kunden die VorzĂŒgen des Personal Television nahebringen konnte, bietet das Unternehmen nun neue Recorder an.
Obwohl Replay beim ersten Anlauf nur wenigen Kunden die VorzĂŒgen des Personal Television nahebringen konnte, bietet das Unternehmen nun neue Digital-Recorder an, mit denen man abhĂ€ngig von der Ausstattungsstufe bis zu 320 Stunden Video aufzeichnen kann.
Eigentlich klingt die Idee gut: Das "Personal TV" will Fernsehzuschauer vom Diktat des vorgegebenen Programms befreien. Als Mittel dienen dabei digitale Videorecorder mit Funktionen wie Time-Shift, einer völlig auf die Vorlieben des Nutzers zugeschnitten elektronischen Programmzeitschrift und ein Service, der Lieblingsprogramme automatisch findet und aufnimmt. Als es der amerikanischen Firma Replay [1] gelang, diese Idee in die RealitÀt umzusetzen, sagten ihr viele Experten daher auch eine rosige Zukunft voraus.
Mitte 1999 fand das Unternehmen auch bei TV- und Filmriesen breite UnterstĂŒtzung [2]. Letztlich investierten etliche bekannte Firmen in das Unternehmen, darunter News Corp., Time Warner, Walt Disney Co., NBC, Showtime Networks, Universals damalige Mutterfirma Seagram Co., Sega Enterprises, EchoStar Communications, Tribune, Excite@Home und die Liberty Media Group.
Replay produzierte tatsÀchlich den digitalen Videorecoder ReplayTV, der je nach Ausstattung und gewÀhlter BildqualitÀt 28 Stunden Video im MPEG-2-Format auf einer Festplatte speicherte und dank eingebautem MPEG-2-Encoder nicht nur Digital-, sondern auch Analogfernsehen aufnahm. Panasonic brachte in den USA eine eigene Version des ReplayTV unter der Bezeichnung "ShowStopper" auf den Markt.
Die Verkaufszahlen der digitaler Videorecoder beziehungsweise entsprechend ausgestatteter Settop-Boxen mit und ohne Internet-AnschluĂ blieb jedoch weit hinter den Erwartungen von ReplayTV und seinen Konkurrenten wie TiVo und EchoStar zurĂŒck. Nach inoffiziellen SchĂ€tzungen wurden in den USA bis heute weniger als 500.000 GerĂ€te verkauft.
Im Dezember 2000 zog sich ReplayTV offiziell aus dem EndkundengeschĂ€ft zurĂŒck und gab bekannt, kĂŒnftig nur noch Lizenzen an andere Hersteller vergeben zu wollen. Zwei Monate spĂ€ter wurde das Unternehmen fĂŒr 120 Millionen US-Dollar an SonicBlue [3] verkauft. Der Hersteller digitaler AudiogerĂ€te dĂŒrfte in Deutschland vielen Nutzern vor allem durch seine Rio-MP3-Player bekannt sein.
FĂŒr morgen ist mit dem neuen digitalen Videorecorder nun das groĂe ReplayTV-Comeback auf dem US-Markt geplant. Neben der besagten Möglichkeit, beim Spitzenmodell bis zu 320 Stunden Videos aufzuzeichnen, wurde an den sonstigen Funktionen krĂ€ftig "geschraubt": So ĂŒberspringt das neue Modell Werbeblöcke bei der Wiedergabe einer Aufzeichnung automatisch und erlaubt es den Nutzern, Digitalfotos vom PC auf die Festplatte des Recorders zu ĂŒbermitteln. Angeblich soll es bei Nutzung einer Breitbandverbindung sogar möglich sein, TV-Mitschnitte per E-Mail zu schicken. Offiziell bestĂ€tigt wurde dies jedoch noch nicht.
Die kleine Version mit 40 Stunden AufnahmekapazitĂ€t soll 699 US-Dollar kosten, fĂŒr das gröĂte Modell sind 1999 US-Dollar fĂ€llig. Zudem benötigt das GerĂ€t ein Modem samt TelefonanschluĂ, um Programmdaten zu empfangen. SonicBlue hat indes angekĂŒndigt, weiterhin Lizenzen an andere Hersteller vergeben zu wollen. (nij [4])
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[1] http://www.replay.com/
[2] https://www.heise.de/news/Medienriesen-unterstuetzen-digitalen-Videorecorder-23275.html
[3] http://www.sonicblue.com/
[4] mailto:nij@ct.de
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