Renault elektrisiert den Markt – Elektroautos ab 2011 in Israel
Es scheint verblüffend einfach, ist aber möglicherweise die Chance für den Durchbruch des Elektroantriebs. Renault will in Israel ab Mitte 2011 Elektroautos auf den Markt bringen und liefert die Infrastruktur zum „Tanken“ gleich dazu.
Hannover, 25. Januar 2008 – Es scheint verblüffend einfach, ist aber möglicherweise die Chance für den Durchbruch des Elektroantriebs. Was schon letzte Woche vermutet [1] wurde, ist nun offiziell: Renault will ab Mitte 2011 Elektroautos auf den Markt bringen, die Infrastruktur zum „Tanken“ gibt es gleich dazu. Dies bestätigten Renault und seine Partner in einer Pressekonferenz.
Ganz normale (Elektro)-Autos
Die umweltfreundlichen Fahrzeuge werden demnach auf zukünftigen Renault-Modellen aufbauen und ihre Energie aus Lithium-Ionen-Batterien beziehen, die zusammen mit Nissan und dem japanischen Batteriehersteller NEC entwickelt werden. Lithium-Ionen-Batterien gewährleisten im Vergleich zu herkömmlichen Energiespeichern eine größere Reichweite und eine längere Lebensdauer.
Renault elektrisiert den Markt – Elektroautos ab 2011 in Israel (0 Bilder) [2]
Infrastruktur von Elektro-„Tankstellen“
Die Renault-Elektroautos sollen die gleichen Fahrleistungen erreichen wie vergleichbare Fahrzeuge mit herkömmlichem 1,6-Liter-Benziner. Die eigentlich elektrisierende Nachricht ist jedoch, dass ab 2011 auch die Infrastruktur zum Nachladen der Elektroautos bereit stehen soll. Renault/Nissan hat hierzu eine Vereinbarung mit dem US-amerikanischen Unternehmen Project Better Place [4] geschlossen. Zudem unterstützt die israelische Regierung das Pilotprojekt und stellt den Käufern Steuervergünstigungen bis zum Jahr 2019 in Aussicht.
Batterien werden vollautomatisch gewechselt
Project Better Place will in Israel ein flächendeckendes Netzwerk von 500.000 Ladestationen errichten, an denen die Fahrzeugbatterien aufgeladen oder ausgewechselt werden können. Das in die Fahrzeuge integrierte Computersystem zeigt nicht nur den Ladezustand der Batterie an, sondern weist per GPS-Navigation auch den Weg zur nächstgelegenen Ladestation. Das vollautomatische Wechseln einer leeren gegen eine voll geladene Batterie soll nur so lange dauern wie ein herkömmlicher Tankvorgang, so dass die bislang üblichen langen Lade- und damit auch Wartezeiten entfallen.
Renault elektrisiert den Markt – Elektroautos ab 2011 in Israel
Idealer Testfall Israel
Für die Einführung des Elektroautos in den Serieneinsatz bietet das flächenmäßig kleine Land Israel aus Sicht von Renault laut Renault die idealen Voraussetzungen: Rund 90 Prozent der Fahrzeughalter legen täglich weniger als 70 Kilometer zurück. Die größeren urbanen Zentren liegen kaum 150 Kilometer voneinander entfernt, 55 Prozent der Pkw sind in der Hauptstadt Tel Aviv zugelassen. Mit batteriebetriebenen Fahrzeugen ließe sich der Transportbedarf dieses Landes daher sehr gut abdecken.
Sonne im SĂĽden, Wind und Wasser im Norden?
Aufgrund der langen Sonnenscheindauer lassen sich mit Solarzellen pro Jahr durchschnittlich 2000 Kilowattstunden Energie je Quadratmeter Panelfläche erzeugen. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 25 Kilowattstunden je 100 Kilometer und einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern würden 15 Quadratmeter Panelfläche ausreichen, um den jährlichen Energiebedarf eines Elektroautos umweltfreundlich zu erzeugen.
Ob das Konzept auch auf große Flächenländer übertragbar ist, wird sich zeigen müssen, aber warum nicht? Solarenergie ist in Mittel- oder Nordeuropa sicherlich keine Option, doch das ändert nichts am Charme von Renaults Projekt. Auch wenn Fragen bleiben, erhält die Hoffnung Auftrieb, dass emissionsfreie Elektroautos eine realistische Option für den zukünftigen Verkehr sind. (ggo [5])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-438960
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Plant-Renault-Nissan-ein-Netz-von-Elektrotankstellen-475707.html
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4711472.html?back=438960;back=438960
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4711472.html?back=438960;back=438960
[4] http://www.projectbetterplace.com/
[5] mailto:ggo@heise.de
Copyright © 2008 Heise Medien