zurück zum Artikel

Razzia gegen Megaupload: Keine Freilassung auf Kaution fĂŒr Kim Schmitz

Die auf Gesuch des FBI in Neuseeland verhafteten Deutschen und ein NiederlÀnder bleiben vorerst in Haft. Derweil haben Hacker die Websites von US-Behörden und der Musikindustrie angegriffen.

Nachdem die US-Behörden die Datentausch-Plattform Megaupload dichtgemacht hatten [1], legten Netzaktivisten fĂŒr Stunden die Websites des FBI [2] und des US-Justizministeriums [3] lahm. Am frĂŒhen Freitagmorgen deutscher Zeit gingen sie wieder. Die ebenfalls angegriffenen Internet-Seiten des amerikanischen Musikindustrie-Verbandes RIAA [4] und des Musik-Labels Universal Music Group [5] waren hingegen immer noch offline.

Die Hackergruppe Anonymous drohte nach der Schließung von Megaupload mit Vergeltung. "Anonymous geht auf Rachefeldzug fĂŒr Megaupload", erklĂ€rten die Hacker per Kurznachrichtendienst Twitter [6]. Sie drohte, unter anderem die Website der Bundespolizei FBI und des Justizministeriums vom Netz zu nehmen – und tatsĂ€chlich waren die Adressen Minuten spĂ€ter nur eingeschrĂ€nkt erreichbar.

Bei Megaupload konnten Daten aller Art hochgeladen werden. Nach den VorwĂŒrfen der US-Behörden waren darunter auch in großem Stil illegal kopierte Musik, Filme, Fernsehprogramme und digitale BĂŒcher. Den VorwĂŒrfen zufolge geschah dies mit Wissen der Betreiber. Megaupload habe mehr als 175 Millionen US-Dollar illegalen Gewinn gemacht und den rechtmĂ€ĂŸigen EigentĂŒmern der Inhalte einen Schaden von deutlich ĂŒber einer halben Milliarde US-Dollar zugefĂŒgt, erklĂ€rte das Justizministerium. Ein weiterer Vorwurf lautet auf GeldwĂ€sche.

Die neuseelĂ€ndische Polizei nahm nach eigenen Angaben drei Deutsche und einen NiederlĂ€nder auf FBI-Ersuchen fest. In Coateville nördlich von Auckland durchsuchten demnach 70 Beamte ein Anwesen des GrĂŒnders Kim Schmitz, der sich jetzt "Kim Dotcom" nennt. Der Richter am North Shore District-Gericht lehnte eine Freilassung der Festgenommenen gegen Kaution ab. Die vier sollen am Montag erneut vor Gericht erscheinen. Die USA haben die Auslieferung der MĂ€nner beantragt; die neuseelĂ€ndische Justiz selbst hat keine Anklage erhoben.

Auf dem Anwesen bei Auckland wurden nach Angaben der Polizei WertgegenstĂ€nde und Geld im Gesamtwert von sechs Millionen neuseelĂ€ndischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sichergestellt. Darunter waren ein Rolls Royce Phantom sowie mehrere GemĂ€lde. Bodyguards hĂ€tten den Beamten am frĂŒhen Morgen zunĂ€chst den Zutritt zu dem Anwesen verwehrt, teilte die Polizei mit. Auf dem GelĂ€nde seien zwei Gewehre sichergestellt worden.

Der Kampf gegen Raubkopien im Netz ist gerade ein heiß diskutiertes Thema in den USA. Gerade erst am Mittwoch gab es eine große Internet-Protestaktion [7] gegen neue GesetzesplĂ€ne, die unter anderem die Sperrung von Webseiten erlauben sollen. Kritiker dieser PlĂ€ne warnen, dass damit eine Zensur-Infrastruktur geschaffen werde, die auch in anderen FĂ€llen zum Einsatz kommen könnte. Aus Protest war unter anderem das englischsprachige Online-Lexikon Wikipedia einen Tag lang nicht erreichbar.

Insofern ist der Zeitpunkt fĂŒr die Razzia der US-Behörden interessant, denn FBI und Justizministerium reichten offensichtlich die aktuellen Gesetze, um zuzuschlagen. Sie werfen den Megaupload-Betreibern vor, die Verbreitung von Raubkopien unterstĂŒtzt zu haben. Der Anklage zufolge sollen sie ihnen bekannte Raubkopierer fĂŒr das Hochladen urheberrechtlich geschĂŒtzter Inhalte bezahlt haben. Unklar ist, was mit den Daten gewöhnlicher Megaupload-Nutzer passiert, die dort ihre Dateien gelagert haben. (ad [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1417552

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Razzia-gegen-Megaupload-FBI-laesst-Kim-Schmitz-verhaften-1417529.html
[2] http://www.fbi.gov/news/pressrel/press-releases/justice-department-charges-leaders-of-megaupload-with-widespread-online-copyright-infringement
[3] http://www.justice.gov/opa/pr/2012/January/12-crm-074.html
[4] http://www.riaa.com/
[5] http://www.universalmusic.com
[6] http://twitter.com/AnonymousIRC
[7] https://www.heise.de/news/Widerstand-gegen-neue-Zensurgesetze-in-den-USA-1380147.html
[8] mailto:ad@ct.de