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Ramstein ist offenbar ein zentraler Puzzlestein im US-Drohnenkrieg

Martin Holland

Die deutsche Regierung hat immer wieder bestritten, an gezielten Tötungen im Rahmen des US-Drohnenkriegs beteiligt zu sein. Aber nun wird berichtet, dass eine US-Basis auf deutschem Boden fĂŒr die DrohneneinsĂ€tze unverzichtbar ist.

Auf der Ramstein Air Base in der NĂ€he von Kaiserslautern werden Livebilder der umstrittenen DrohneneinsĂ€tze des US-MilitĂ€rs ausgewertet und mit geheimdienstlichen Erkenntnissen abgeglichen. Damit spielt die US-Basis eine deutlich zentralere Rolle im US-Drohnenkrieg als bislang angenommen, haben Recherchen von NDR, WDR und der SĂŒddeutschen Zeitung ergeben [1]. Die Anlage fungiere demnach als Relaisstation, um die weltweit operierende Drohnenflotte zu steuern; nicht nur die in Afrika, was bislang vermutet worden sei. Das gehe aus US-amerikanischen Dokumenten und der Aussage eines ehemaligen Drohnen-Piloten hervor.

Eine bewaffnete Drohne des Typs MQ-9 Reaper

Eine bewaffnete Drohne des Typs MQ-9 Reaper

(Bild: US Air Force)

Der Ex-Drohnen-Pilot Brandon Bryant wird bei der SĂŒddeutschen Zeitung mit den Worten zitiert: "Ohne Deutschland wĂ€re der gesamte Drohnen-Krieg des US-MilitĂ€rs nicht möglich." Bryant steuerte demnach fast fĂŒnf Jahre lang Drohnen der US-Luftwaffe von StĂŒtzpunkten im Irak und den US-Bundesstaaten New Mexico und Nevada aus. Bei Tausenden solcher DrohneneinsĂ€tze habe er die Bordkameras gelenkt und Ziele fĂŒr Raketen markiert. Bei seinem Abschied sei seiner Einheit bescheinigt worden, an insgesamt 1262 Tötungen beteiligt gewesen zu sein.

Bei keinem einzigen seiner EinsĂ€tze habe er am Anfang nicht in Ramstein angerufen, berichtet Bryant. Mit der Air Base war er demnach immer ĂŒber ein Glasfaserkabel verbunden. Von dort wĂŒrden die Steuerungssignale dann ĂŒber eine Satellitenverbindung an die Drohnen ĂŒbertragen. Die sei dann auch hin und wieder von schlechtem Wetter in Deutschland beeinflusst worden, was teilweise fĂŒr erhebliche Verzögerungen der Übertragung gesorgt habe. Außerdem sei in Ramstein eine Einrichtung des Distributed Ground Systems (DGS) stationiert. Die analysieren demnach die EinsĂ€tze in Echtzeit und teilen den Drohnenpiloten per Chat ĂŒber mIRC Zusammenfassungen mit. So seien sie direkt an den EinsĂ€tzen beteiligt.

Schließlich erklĂ€rt Bryant noch, wie das US-MilitĂ€r Zielpersonen ortet, von denen lediglich die Handynummer bekannt ist. Solche Handynummern gibt etwa auch der BND weiter [2], wobei die Bundesregierung der Auffassung ist, dass damit keine gezielten Tötungen möglich sind. Hintergrund ist, dass im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet deutsche Dschihadisten leben, die grundgesetzlich extra geschĂŒtzt sind. Bryant erklĂ€rt nun, dass man mit der Handynummer weiß, in welcher Funkzelle sich das Mobiltelefon der Zielperson befinde. Zur genaueren Ortung nutze man dann ein GerĂ€t namens Gilgamesh.

Das GerĂ€t werde an eine Drohne gehĂ€ngt und funktioniere wie ein mobiler Handymast. Die Handys im Umkreis nehmen automatisch Kontakt auf; ist ein gesuchtes dabei, fliege die Drohne im Kreis. Durch die andauernden Kontaktaufnahmen des Mobiltelefons lasse sich dessen Besitzer orten – auf einen Meter genau. Weil Handys, die Gilgamesh anfunken, auch immer die eigene Telefonnummer, die SIM-Kartennummer und die Seriennummer des Handys mitsenden, könne auch registriert werden, wenn eine Zielperson ihr Handy wechsle. Die SIM-Kartennummer bleibe ja identisch.

Insgesamt mache das deutlich, dass die Vereinigten Staaten das Vertrauen der Bundesregierung missbrauche, meint Bryant: "Und wenn meine Regierung schon nicht die Wahrheit sagt, muss es ja irgendwer machen." Gerne wĂŒrde er dazu auch vor dem NSA-Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen, bislang sei er aber nicht gefragt worden. (mho [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2162880

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/us-militaerflughafen-in-deutschland-ramstein-ist-zentrum-im-us-drohnenkrieg-1.1928810
[2] https://www.heise.de/news/Spionageziel-Deutschland-1933482.html
[3] mailto:mho@heise.de