Qimonda: Ohne staatliche Hilfe droht Zerschlagung
Der Insolvenzverwalter von Qimonda schlÀgt die Zusammenarbeit mit chinesischem Staatsunternehmen vor, der DGB fordert mehr Engagement vom Bund.
Dem insolventen Speicherchiphersteller Qimonda [1] steht das Wasser bis zum Hals. Offenbar ist das Unternehmen nur noch mit einer staatlichen Beteiligung zu retten. Die Suche nach einem Investor fĂŒr das Unternehmen blieb bislang erfolglos. "Es haben verschiedene Investoren Interesse bekundet. Verbindliche Angebote liegen jedoch noch nicht vor. Es steht erwartungsgemÀà fest, dass es bis Ende MĂ€rz keine abschlieĂende Lösung geben kann", teilte der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter Michael JaffĂ© am Freitag nach einer Sitzung des GlĂ€ubigerausschusses in MĂŒnchen mit. Nun wird die Produktion am Standort Dresden bis Ende MĂ€rz heruntergefahren. Qimonda hatte im Januar nach monatelangem Kampf wegen fallender Speicherchip-Preise Insolvenz anmelden mĂŒssen.
Das endgĂŒltige Aus scheint nur noch per staatlicher Beteiligung abwendbar. In einem am Freitag bekannt gewordenen Brief an Sachsens Regierung hatte der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter Michael JaffĂ© bereits am 9. MĂ€rz auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Die Beteiligung des Bundes und/oder der LĂ€nder Sachsen beziehungsweise Bayern auch mit Eigenkapital sei die "einzig verbleibende Möglichkeit, um eine Zerschlagung und Einzelverwertung der Vermögenswerte (vermutlich) nach Asien zu verhindern", heiĂt es in dem Schreiben. Bisher hat Sachsen eine Beteiligung kategorisch abgelehnt. Am Freitagabend Ă€uĂerte sich Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) gegenĂŒber dem Hitradio RTL erstmals empfĂ€nglich fĂŒr eine solche Lösung.
In seinem Brief schilderte JaffĂ© die Option einer Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern Inspur [2] (Shandong). Damit bestehe die "einmalige Gelegenheit einer exklusiven Zusammenarbeit mit einem chinesischen Staatsunternehmen, welches das klare staatspolitische Interesse hat, von Korea, Taiwan oder den USA unabhĂ€ngig zu sein". Die Gefahr, dass Technologie nach China abwandere, hĂ€lt JaffĂ© fĂŒr gering. Auch die Chinesen wĂŒrden nur eine Minderheitsbeteiligung anstreben.
JaffĂ© schwebt eine staatliche Beteiligung als Ăbergangslösung vor. Die Rede ist von einem sĂ€chsischen Anteil in Höhe von 23 Prozent. Dem Vernehmen nach entsprĂ€che das etwa 200 Millionen Euro. Vor der Insolvenz hatte Sachsen Qimonda ein Darlehen von 150 Millionen Euro angeboten. Es gehörte zu einem Rettungspaket, fĂŒr das auch Portugal (100 Millionen Euro) und die Qimonda-Mutter Infineon (75 Millionen Euro) einstanden. In der NĂ€he von Porto werden die Dresdner Chips vollendet, dort sind 1000 Jobs betroffen. Laut JaffĂ© ist Portugal bereit, sich mit 14 Prozent am Kapital von Qimonda zu beteiligen.
Die EU signalisierte am Freitag eine schnelle Entscheidung in dieser Frage. BrĂŒssel werde einen Antrag zur Genehmigung von Beihilfen sehr kurzfristig prĂŒfen, sagte Sachsens MinisterprĂ€sident Stanislaw Tillich (CDU) laut einer Mitteilung nach einem Treffen mit dem PrĂ€sidenten der EuropĂ€ischen Kommission, JosĂ© Manuel Barroso, in BrĂŒssel. Der DGB in Sachsen [3] forderte eine konzertierte Aktion von EU, Bund und Freistaat. Der Bund habe die Bedeutung der Chipindustrie fĂŒr die Wirtschaft in Deutschland und Europa "immer noch nicht" erkannt.
In Dresden sind rund 3000 Mitarbeiter betroffen. ZunĂ€chst soll es nur fĂŒr eine Kernmannschaft weitergehen. FĂŒr die ĂŒbrigen Mitarbeiter an den deutschen Standorten ist eine Transfergesellschaft geplant, in der sie zumindest vorĂŒbergehend einen Teil ihres Lohns weitergezahlt bekommen. Die Finanzierung dieser Gesellschaft ist aber noch nicht geklĂ€rt, hieĂ es. Die Dresdner Kernmannschaft soll sich um die neue Buried-Wordline-Technologie kĂŒmmern und die Produktion wieder hochfahren, falls sich ein Investor findet.
Die Qimonda-Mitarbeiter haben nur noch bis Ende MĂ€rz Anspruch auf Insolvenzgeld. Nach der voraussichtlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. April mĂŒsste Qimonda die Löhne und GehĂ€lter dann wieder selbst tragen. "Eine Produktion unter Vollkosten im bisherigen MaĂstab ist jedoch aufgrund des andauernden Preisverfalls in der Chip-Branche und der damit verbundenen enormen Verluste völlig ausgeschlossen", teilte das Unternehmen mit. FĂŒr Dresden gelte nun ein "Standby-Modus". So könne die Produktion jederzeit wieder aufgenommen werden, falls sich ein Investor findet.
Siehe dazu auch:
- Taiwan schmiedet Speicherchip-Konglomerat [7]
- Mitarbeiter demonstrieren fĂŒr den Erhalt von Qimonda [8]
(dpa) / (ad [11])
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[1] http://www.qimonda.de
[2] http://www.inspur.com/english/aboutlc.html
[3] https://sachsen.dgb.de/
[4] https://www.heise.de/news/EU-signalisiert-schnelle-Entscheidung-ueber-Hilfen-fuer-Qimonda-206700.html
[5] https://www.heise.de/news/Investorensuche-bei-Qimonda-laeuft-auf-Hochtouren-205976.html
[6] https://www.heise.de/news/Speicherpreise-wieder-auf-Januar-Niveau-205542.html
[7] https://www.heise.de/news/Taiwan-schmiedet-Speicherchip-Konglomerat-Update-205223.html
[8] https://www.heise.de/news/Mitarbeiter-demonstrieren-fuer-den-Erhalt-von-Qimonda-203797.html
[9] https://www.heise.de/news/Dem-Chiphersteller-Qimonda-laeuft-die-Zeit-davon-201006.html
[10] https://www.heise.de/news/Qimonda-stellt-Insolvenzantrag-Update-201423.html
[11] mailto:ad@ct.de
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