Prozess gegen Tauschbörse Kazaa in Australien
Die nÀchste Schlacht im Feldzug der Musikindustrie gegen Tauschbörsen und deren Software-Hersteller beginnt am Montag Down Under in Sidney.
Sechs australische Platten-Labels haben den Hersteller von Tauschbörsen-Software Kazaa [1] (jetzt im Besitz von Sharman Networks [2]) wegen Verletzung von VervielfÀltigungsrechten durch die Kazaa-Benutzer verklagt. Ziel der Klage sei nicht, die Tauschbörse still zu legen, sagte Michael Speck, Sprecher des australischen Industrieverbands "Music Industry Piracy Investigations". Lediglich die illegalen AktivitÀten sollen untersagt werden.
Kazaa-Eigner Sharman behauptet, die Benutzer stets zur rechtmĂ€Ăigen Nutzung anzuhalten. Man habe jedoch keine Kontrolle ĂŒber den tatsĂ€chlichen Gebrauch der populĂ€ren P2P-Software. Mit Hilfe von Kazaa lassen sich Musik, Filme und Fernsehprogramme per Internet verbreiten, ohne den Urhebern GebĂŒhren oder Tantiemen dafĂŒr zu bezahlen. Die BranchenanwĂ€lte wollen nun vor Gericht beweisen, dass Sharman sehr wohl eine Kontrollmöglichkeit ĂŒber die illegale Software-Nutzung habe.
Die Musikbranche hat bereits in den USA Tauschbörsen verklagt. Zwei Gerichte in Kalifornien haben dabei Grokster und Streamcast Networks von der Haftung fĂŒr die Nutzer ihrer Software freigesprochen [3]. Ein weiterer Prozess gegen Kazaa in den USA lĂ€uft noch. In den Niederlanden hat der oberste Gerichtshof vor etwa einem Jahr befunden, dass Softwarehersteller nicht fĂŒr die illegale Nutzung ihrer Produkte haftbar seien.
In Australien rechnen sich die Musikverlage allerdings bessere Chancen aus, da es ZivilklĂ€gern dort erlaubt ist, selbst Beweismittel sicher zu stellen und vor Gericht zu prĂ€sentieren. So hat die Industrie Razzien [4] bei mehreren mit Kazaa verbundenen Firmen und Privatpersonen durchgefĂŒhrt. Die dabei gefundenen Beweise will ein Experte fĂŒr Computer-Forensik am kommenden Montag als erster Anklagezeuge dem Richter erlĂ€utern. Beobachter rechnen mit einer Prozessdauer von drei Wochen. Das Urteil wird erst im nĂ€chsten Jahr erwartet. (Erich Bonnert) / (ad [5])
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[1] http://www.kazaa.com/de/index.htm
[2] http://www.sharmannetworks.com/
[3] https://www.heise.de/news/Schlappe-fuer-Unterhaltungsindustrie-im-Verfahren-gegen-Tauschboersen-101019.html
[4] https://www.heise.de/news/Australische-Musikindustrie-geht-gegen-KaZaa-vor-93061.html
[5] mailto:ad@ct.de
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