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Projekt Dragonfly: Google unterlief interne Kritik an China-PlÀnen

Martin Holland
Google

(Bild: dpa, Christoph Dernbach/Ilustration)

Bei der Vorbereitung einer Google-Suchmaschine fĂŒr China unterband der US-Konzern angeblich intern Kritik an den PlĂ€nen. Der Protest wird nun lauter.

Bei der Arbeit an einer Suchmaschine fĂŒr China sorgten der fĂŒr das dortige GeschĂ€ft verantwortliche Scott Beaumont und andere leitende Mitarbeiter dafĂŒr, dass fĂŒr Sicherheit und Datenschutz verantwortliche Mitarbeiter bei wichtigen Meetings nicht anwesende waren. Das berichtet The Intercept [1] unter Berufung auf den ehemaligen Google-Mitarbeiter Yonatan Zunger und weitere anonyme Quellen. Beaumont machte demnach deutlich, dass gewisse Fragen besser nicht gestellt werden sollten, wĂ€hrend das Unternehmen auch sonst außergewöhnlich geheimniskrĂ€merisch vorgegangen sei – aus Angst vor interner Opposition.

Das Onlinemagazin The Intercept hatte Googles China-PlĂ€ne im August öffentlich gemacht [2]. Schon im kommenden Jahr will der US-Konzern demnach mit einer Suchanwendung unter dem Codenamen "Dragonfly" auf den chinesischen Markt zurĂŒckkehren. Den neuen EnthĂŒllungen zufolge sollte das Projekt so lange wie möglich geheim gehalten werden. Beaumont wĂ€re es demnach am liebsten gewesen, die Suchanwendung wĂ€re erst am Tag ihrer Freigabe auch öffentlich bekannt geworden. So sollte interner und externer Widerstand verhindert werden. Damit ist er aber gescheitert, worĂŒber er Ă€ußerst wĂŒtend gewesen sei. Eine ÜberprĂŒfung der Datenschutzaspekte von Dragonfly sei unterlaufen worden.

Zunger, der 14 Jahre bei Google gearbeitet hat, bevor er das Unternehmen vergangenes Jahr verlassen hat, war demnach Teil der kleinen Gruppe, die bei Google an Dragonfly arbeitete. Schon in einem frĂŒhen Meeting seien sie darauf hingewiesen worden, dass Google mit einem chinesischen Partner kooperieren wollte. Das wĂŒrde aber heißen, dass die Suchanfragen chinesischer Nutzer "fĂŒr Chinas autoritĂ€re Regierung leicht zugĂ€nglich" wĂ€ren. Sollten sie Informationen suchen, die auf Betreiben der Regierung zensiert wird, riskierten sie Verhöre oder GefĂ€ngnis, warnte Zunger demnach. Anders als in anderen Staaten könnte Google sich gegen die Herausgabe der Daten auch nicht wehren.

Geplant war demnach eine App fĂŒr Android und iOS, die den strikten Zensurbestimmungen Chinas unterworfen wĂ€re. Die darĂŒber getĂ€tigten Suchen wĂ€ren nicht nur mit der Telefonnummer der Nutzer verknĂŒpft, sondern auch mit dem von den GerĂ€ten bestimmten Standort. Es wĂŒrde sich also um deutlich mehr als eine zensierte Suchmaschine handeln, auch wenn Google-Chef Sundar Pichai die PlĂ€ne unter dieser PrĂ€misse verteidigt [3] hat. Sein Unternehmen hatte bereits zwischen 2006 und 2010 eine zensierte Suchmaschine in China angeboten, diese aber nach Protesten zurĂŒckgezogen.

Wie Scott Beaumont es angeblich befĂŒrchtet hat, formiert sich nun nicht nur extern, sondern auch intern Widerstand gegen Googles PlĂ€ne. Nachdem Amnesty International den Konzern bereits zur Aufgabe von Dragonfly aufgefordert hat [4], Ă€ußern auch immer mehr Google-Mitarbeiter offen ihre Kritik. Ein entsprechender Blogeintrag [5]hat in weniger als drei Tagen bereits mehr als 600 UnterstĂŒtzer gefunden, die mit ihren Namen dagegen protestieren, MĂ€chtigen mit eigener Technik bei der UnterdrĂŒckung der Verletzlichen zu helfen. (mho [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4236109

Links in diesem Artikel:
[1] https://theintercept.com/2018/11/29/google-china-censored-search/
[2] https://www.heise.de/news/Google-plant-angeblich-zensierte-Suchmaschine-in-China-4126446.html
[3] https://www.heise.de/news/Google-Chef-Tests-fuer-zensierte-chinesische-Suchmaschine-vielversprechend-4192643.html
[4] https://www.heise.de/news/Amnesty-Googles-zensierte-chinesische-Suchmaschine-bedroht-Grundrechte-4233508.html
[5] https://medium.com/@googlersagainstdragonfly/we-are-google-employees-google-must-drop-dragonfly-4c8a30c5e5eb
[6] mailto:mho@heise.de