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Private Musikdownloads sollen in der Schweiz uneingeschrÀnkt legal bleiben

Andreas Wilkens

Im Schweizer Nationalrat fand ein Antrag keine Zustimmung, nach dem VervielfÀltigungen von Werken zum persönlichen Gebrauch unter Verwendung von "offensichtlich" unerlaubt hergestellten oder zugÀnglich gemachten Werkexemplaren verboten sein sollten.

Der Schweizer Nationalrat [1] hat wĂ€hrend seiner gestrigen Beratung [2] zur Modernisierung des Urheberrechts bekrĂ€ftigt, dass der Musikdownload aus dem Internet zum persönlichen Gebrauch uneingeschrĂ€nkt zulĂ€ssig bleibt. FĂŒr Verbraucher wĂ€re es schwierig und ummöglich, zwischen legalen und illegalen Quellen zu unterscheiden, sagte [3] laut Medienberichten Viola Amherd von der CVP. Das kĂ€me einer Kriminalisierung der Verbraucher gleich.

Vertreter von FDP und SVP hatten in einem Antrag gefordert, dass VervielfĂ€ltigungen von Werken zum persönlichen Gebrauch unter Verwendung von "offensichtlich" unerlaubt hergestellten oder zugĂ€nglich gemachten Werkexemplaren nicht vorgenommen werden dĂŒrfen. Dieser traf auch bei Justizminister Christoph Blocher auf Widerstand. Insgesamt wurde er mit 162 gegen 13 Stimmen abgelehnt.

Der Nationalrat folgte damit durchgehend der vom Bundesrat und vom StĂ€nderat [4] vorgegebenen Linie zur Umsetzung von zwei Abkommen der Weltorganisation fĂŒr geistiges Eigentum (WIPO). Bis Donnerstag soll auch das Verbot beraten werden, technische Schutzmaßnahmen zu umgehen. KĂŒnftig soll es nach den bisherigen EntwĂŒrfen verboten werden, die Kopiersperre auf einer CD oder DVD zu knacken oder Software zum Umgehen von Kopiersperren zu vertreiben.

Hierzulande sollen im Gegensatz zur Schweiz die Möglichkeiten fĂŒr VervielfĂ€ltigungen zum Eigengebrauch aus Tauschbörsen beschrĂ€nkt werden, indem auch Kopien von "rechtswidrig zugĂ€nglich gemachten Vorlagen" verboten werden. FĂŒr die Plenarsitzung des Bundesrats zu dem vom Bundestag im Juli abgesegneten [5] Gesetzentwurf zur zweiten Stufe der Urheberrechtsnovelle deutete sich zuletzt kein Einspruch an [6].

Vor der Debatte ĂŒber das neue Urheberrecht in der Schweiz hatte die SP ĂŒber die seit dem 1. September erhobene Abgabe auf MP3-Player [7] diskutiert. Laut einem Bericht [8] des Tagesanzeigers sagte SP-Sprecherin Susanne Leutenegger-Oberholzer, es sei fĂŒr die Linke "unbestritten", dass KĂŒnstler entgolten werden mĂŒssten. Es mĂŒsse aber verhindert werden, dass Kunden doppelt zur Kasse gebeten wĂŒrden, da viele ihre Musik regulĂ€r einkaufen wĂŒrden. Dennoch verzichtete die SP auf AntrĂ€ge, um die Abgabe zu kippen.

Zur Diskussion um das Urheberrecht, das geistige Eigentum, Tauschbörsen und illegale Kopien sowie um die Urheberrechtsnovellierung siehe die Übersicht mit Linkliste zu den wichtigsten Artikeln und zu den GesetzesentwĂŒrfen und -texten:

(anw [10])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-176152

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.parlament.ch/homepage/se-nationalrat.htm
[2] http://www.parlament.ch/ab/frameset/d/n/4718/251508/d_n_4718_251508_251590.htm?DisplayTextOid=251591
[3] http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2007/09/17/schweiz/private_downloads_bleiben_legal
[4] https://www.heise.de/news/Schweizer-Staenderat-befuerwortet-DRM-Knacken-zum-Eigengebrauch-128321.html
[5] https://www.heise.de/news/Bundestag-segnet-neues-Urheberrecht-ab-148058.html
[6] https://www.heise.de/news/Bundesrat-will-keinen-Einspruch-gegen-Urheberrechtsreform-einlegen-175675.html
[7] https://www.heise.de/news/Abgabe-auf-digitale-Speichermedien-in-der-Schweiz-kommt-doch-150137.html
[8] http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/schweiz/791838.html
[9] http://www.heise.de/ct/aktuell/meldung/68064
[10] mailto:anw@heise.de