Primacom ist zahlungsunfÀhig
GlÀubiger und Gesellschafter des Mainzer Kabelnetzbetreibers konnten sich nicht auf ein Sanierungskonzept einigen. Die Kreditgeber wollen nun Geld sehen. Gibt es keine schnelle Lösung, bleibt Primacom nur der Weg in die Insolvenz.
Der Mainzer Kabelnetzbetreiber Primacom [1] ist zahlungsunfĂ€hig. Das börsennotierte Unternehmen teilte am Dienstagmorgen in einer Pflichtmeldung [2] mit, dass Kreditgeber der Primacom AG in der Nacht Forderungen in Höhe von 29,2 Millionen Euro fĂ€llig gestellt haben. Damit sei die Holdinggesellschaft des Netzbetreibers zahlungsunfĂ€hig. Sollte mit den GlĂ€ubigern nicht innerhalb der nĂ€chsten Tage eine Lösung gefunden werden, mĂŒsse die Primacom AG einen Insolvenzantrag stellen. Auf dem Unternehmen lasten Schulden in Höhe von 340 Millionen Euro.
Das operative GeschĂ€ft des Unternehmens, das regionale Kabelnetze hauptsĂ€chlich in Ostdeutschland betreibt, soll davon nicht betroffen sein und weiterlaufen. Allerdings haben die GlĂ€ubiger der Mitteilung zufolge "die Verwertung des Pfandrechts ĂŒber die Primacom Management GmbH" eingeleitet, in der das operative GeschĂ€ft gebĂŒndelt ist. Der Netzbetreiber versorgt rund eine Million Haushalte in den Kerngebieten Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThĂŒringen, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie einigen westdeutschen Standorten.
Primacom gehört zur angeschlagenen Orion-Cable-Gruppe [3], hinter der die Beteiligungsgesellschaft Escaline steckt. Verhandlungen zwischen Escaline und den GlĂ€ubigern ĂŒber eine Restrukturierung des Unternehmens waren zuletzt ins Stocken geraten. WĂ€hrend die GlĂ€ubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollten, wollte Escaline frisches Geld nachschieĂen. Eine Einigung darĂŒber kam offenbar nicht zustande. Am Montagabend hatte Escaline schlieĂlich eine Frist fĂŒr die Vorlage eines tragfĂ€higen Sanierungskonzepts verstreichen lassen, wie Primacom in einer weiteren Pflichtmeldung [4] vom Montagabend mitteilte.
Escaline hatte ĂŒber die Orion-Gruppe seit 2006 Anteile an Primacom und Tele Columbus [5] aufgekauft und die Mehrheit [6] an den Netzbetreibern ĂŒbernommen. Die Finanzierung der Ăbernahme wurde Orion und den Töchtern aufgebĂŒrdet. Schon vor einem Jahr war fĂŒr die Kabel-Gruppe die Lage kritisch, in Medienberichten war von einem Schuldenberg von insgesamt 1,8 Milliarden Euro die Rede. Obwohl beide Netzbetreiber ein solides operatives GeschĂ€ft vorweisen können, drohen sie unter der Schuldenlast zusammenzubrechen.
Bei Primacoms Schwestergesellschaft Tele Columbus, bei der ebenfalls akute Insolvenzgefahr bestand, haben Anfang des Jahres die GlĂ€ubiger das Ruder ĂŒbernommen [7]. Die neuen Inhaber fĂŒhren bereits GesprĂ€che mit KabelBW [8] ĂŒber den Verkauf einiger Netze in Baden-WĂŒrttemberg. Auch andere Kabelanbieter wie Kabel Deutschland [9] und Unitymedia könnten so ihr Netz in bestimmten Regionen ergĂ€nzen. Auch die Situation bei Primacom dĂŒrfte auf einen Verkauf der Netze hinauslaufen und so die Konsolidierung der Branche voranbringen. (vbr [10])
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[3] https://www.heise.de/news/Bericht-Kabelnetzbetreiber-Orion-unter-Druck-187560.html
[4] http://www.primacom.de/unternehmen/presse.php?action=news&view=1022
[5] https://www.heise.de/news/Orion-uebernimmt-Tele-Columbus-163648.html
[6] https://www.heise.de/news/Escaline-will-auch-den-Rest-von-PrimaCom-148696.html
[7] https://www.heise.de/news/Kabelnetzbetreiber-Tele-Columbus-wird-verkauft-893977.html
[8] https://www.heise.de/news/Bericht-Kabel-BW-an-Netzen-von-Tele-Columbus-interessiert-997233.html
[9] https://www.heise.de/news/Kabel-Deutschland-an-Orion-interessiert-188474.html
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