Primacom ist verkauft
Das operative GeschÀft und die Kabelnetze der insolventen Primacom AG wurden an eine "Gruppe privater Investoren" verkauft, teilte der Insolvenzverwalter mit. Bleibt die Frage, wer dahintersteckt.
Das operative GeschĂ€ft des insolventen Kabelnetzbetreibers Primacom AG [1] wurde an eine Investorengruppe verkauft. Laut Informationen aus Finanzkreisen war am Sonntag die Einigung ĂŒber einen Verkauf der operativen Einheiten einschlieĂlich der vorwiegend in Ostdeutschland liegenden Kabelnetze erfolgt. Noch vor einer fĂŒr 11 Uhr am Montagmorgen in Berlin angesetzten Versteigerung wurde der Kaufvertrag von Insolvenzverwalter [2] Hartwig Albers unterschrieben und die Auktion abgesagt. Am frĂŒhen Montagmorgen hatte das Amtsgericht Charlottenburg das Insolvenzverfahren ĂŒber die Primacom AG offiziell eröffnet.
Ăber den KĂ€ufer Medfort S.Ă .r.l. und nĂ€here Konditionen machte der Insolvenzverwalter zunĂ€chst keine weiteren Angaben. "Es handelt sich dabei um eine Gruppe privater Investoren", heiĂt es in einer Mitteilung [3]. Hinter der erst im Februar in Luxemburg registrierten Investmentgesellschaft steckt ein auf den britischen Jungferninseln eingetragenes Unternehmen namens Quebec Nominees Limited. Der Insolvenzverwalter betont, dass das zuletzt gesicherte operative GeschĂ€ft [4] durch den Verkauf nicht beeintrĂ€chtigt wird.
Unbekannt ist, wer hinter dem KĂ€ufer steht. Dazu machen die Beteiligten keine Angaben. Eine Möglichkeit sind die GlĂ€ubiger selbst, die Anfang Juni Verbindlichkeiten von knapp 30 Millionen Euro eingefordert und damit die ZahlungsunfĂ€higkeit der Primacom ausgelöst hatten. Die ING Bank hatte schlieĂlich das an sie verpfĂ€ndete operative GeschĂ€ft zur Versteigerung ausgeschrieben [5]. Die GlĂ€ubiger könnten mit einem Kauf jetzt die Kontrolle ĂŒber das operative GeschĂ€ft ĂŒbernommen haben. Das hat so schon einmal funktioniert: Bei der Primacom-Schwester Tele Columbus [6].
Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen den GlĂ€ubigern um die niederlĂ€ndische Bankengruppe ING und dem Primacom-Hauptgesellschafter Escaline. Primacom leidet unter einer Schuldenlast von 340 Millionen Euro. Beide Seiten hatten sich nicht auf einen Plan zur Sanierung und WeiterfĂŒhrung des GeschĂ€fts einigen können. Die von Scott Lanphere kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Escaline hatte nach Informationen aus Finanzkreisen darauf bestanden, dass die GlĂ€ubiger auf einen GroĂteil ihrer Forderungen verzichten.
Ende Mai war Primacom-Vorstandssprecher und Finanzchef Michael Buhl ĂŒberraschend abberufen worden. Er soll sich, so viel ist aus GlĂ€ubigerkreisen zu hören, zuvor mit den GlĂ€ubigern ĂŒber einen Sanierungskurs weitgehend einig gewesen sein. Statt seiner wurde dann der Berater Sebastian Freitag als "Chief Restructuring Officer" installiert. Kurz danach scheiterten die GesprĂ€che und die GlĂ€ubiger â neben der ING auch einige Hedgefonds â stellten Verbindlichkeiten von knapp 30 Millionen Euro fĂ€llig. Daraufhin hatte Primacom Anfang Juni zunĂ€chst seine ZahlungsunfĂ€higkeit [7] erklĂ€rt und zwei Wochen spĂ€ter Insolvenzantrag [8] gestellt. Freitag soll nun ein ĂŒppiges Honorar in Millionenhöhe erhalten, heiĂt es in Finanzkreisen.
Die Primacom AG hĂ€lt 100 Prozent an der in Mainz eingetragenen und mit GeschĂ€ftssitz in Berlin vertretenen Primacom Management GmbH, in der das operative GeschĂ€ft mit etwa 30 Gesellschaften gebĂŒndelt ist. Die 473 Mitarbeiter zĂ€hlende Gruppe hatte im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatz von 28,02 Millionen Euro verbucht, 6,0 Prozent mehr als im ersten Quartal 2009. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 11,95 Millionen Euro um 4,8 Prozent ĂŒber dem Wert des Vorjahresquartals. Das Unternehmen versorgt nach eigenen Angaben etwa 700.000 Haushalte vor allem in Ostdeutschland. (vbr [9])
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[2] https://www.heise.de/news/Insolvenzverwalter-fuer-Primacom-bestellt-1024024.html
[3] http://www.rw-konzept.de/de/aktuelle-meldung/article/1203.html
[4] https://www.heise.de/news/Primacom-kann-Luft-holen-1026510.html
[5] https://www.heise.de/news/Die-Zeit-laeuft-ab-fuer-Primacom-1016629.html
[6] https://www.heise.de/news/Kabelnetzbetreiber-Tele-Columbus-wird-verkauft-893977.html
[7] https://www.heise.de/news/Primacom-ist-zahlungsunfaehig-1013232.html
[8] https://www.heise.de/news/Primacom-stellt-Insolvenzantrag-1021564.html
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