Polizei baut Suche nach Kriminellen im Internet aus
FĂŒnf Beamte des LKA Baden-WĂŒrttemberg suchen bei der "Streife im Internet" das Netz stichprobenartig nach SexualtĂ€tern, PĂ€dophilen und Verbrechern ab. Die Daten, die sie dabei zu Gesicht bekommen, sind fĂŒr sie mitunter nur schwer zu verdauen.
Dieser Job ist nichts fĂŒr schwache Nerven: Seit Anfang des Jahres klicken sich tagtĂ€glich fĂŒnf Beamte des Landeskriminalamtes Baden-WĂŒrttemberg [1] durch die dĂŒsteren Seiten des Internets. Sie suchen nach möglichen SexualtĂ€tern, PĂ€dophilen und Verbrechern wie Waffenschiebern oder Wirtschaftskriminellen. Bei ihrer "Streife im Internet" -- auch anlassunabhĂ€ngige Recherche genannt -- gehen die Cyber-Polizisten stichprobenartig vor.
"Das ist wie bei einer normalen Polizeistreife mit dem Auto im richtigen Leben. Wir sind mal hier und mal dort. Fahren am Bahnhof vorbei oder schauen mal gezielt auf einen Spielplatz", erklĂ€rt der Chef der fĂŒnfköpfigen Truppe, Kriminalhauptkommissar Achim Traichel. Auch im Internet sind die Orte, die die Streife absurft, vielfĂ€ltig: "Wir interessieren uns fĂŒr AuktionshĂ€user ebenso wie fĂŒr Tauschbörsen, Newsgroups oder ChatrĂ€ume."
Einer der Schwerpunkte der virtuellen Polizisten liegt im Bereich der Sexualdelikte und Kinderpornografie [2]. Die Datenflut, die die Kriminalisten und EDV-Spezialisten dabei zu Gesicht bekommen und auswerten mĂŒssen, ist mitunter nur sehr schwer zu verdauen: Nackte Kinder in eindeutiger Position, Bilder geschĂ€ndeter Kinder oder Sex mit Tieren. "Es gibt nichts, was es nicht gibt", sind sich die Beamten einig. Und wenn den einen oder anderen Beamten die Bilder und das Gesehene auch mal ĂŒber die Arbeitszeit hinaus verfolgen, dann ist Traichel gefordert: Er hat sich vor sechs Jahren zum Konfliktberater ausbilden lassen und unterstĂŒtzt seine Kollegen in kritischen Momenten mit einem professionellen GesprĂ€ch.
Welche FrĂŒchte die "Streife im Internet" tragen kann, verdeutlicht ein Fall aus Bayern: MĂŒnchner Polizeibeamten waren bei einer virtuellen Streife im Jahr 2001 Bilddateien eines Mannes aufgefallen, auf denen der sexuelle Missbrauch drei- bis vierjĂ€hriger MĂ€dchen gezeigt wurde. Ein Hinweis an die australische Polizei fĂŒhrte schlieĂlich zu einer Festnahme. Dieser Fall zeigt, dass Internet-StraftĂ€ter auch ĂŒber LĂ€ndergrenzen hinweg effektiv verfolgt werden können.
Mit der Möglichkeit der verdachtsunabhĂ€ngigen Recherche im Internet sei das "MaĂnahmenpaket Internet" des Landes nun erweitert worden, erzĂ€hlt Traichel weiter. Denn bereits seit Mitte 2004 ziehen im prĂ€ventiven Bereich Polizei und Internetanbieter im Kampf gegen Schund und Kriminelle an einem Strang. Dazu hatten sich einige Internetanbieter verpflichtet, Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu sperren und die Polizei bei den Ermittlungen gegen deren Anbieter und Nutzer zu unterstĂŒtzen.
Der Grund: Mit der wachsenden Nutzung des Internet hat auch der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie rasant zugenommen. Bundesweit ermittelte die Polizei im Jahr 2000 in mehr als 2600 FĂ€llen gegen etwa 2000 TatverdĂ€chtige. In Baden-WĂŒrttemberg haben sich die Zahl dieser Straftaten nach offiziellen Angaben im gleichen Zeitraum von fast 300 auf 350 und die Zahl der TatverdĂ€chtigen von rund 260 auf 320 erhöht. Die anlassabhĂ€ngige Recherche, zum Beispiel auf Grund von Hinweisen [3] aus der Bevölkerung, gibt es schon seit 1997.
"Mit unserer Arbeit wollen wir das Entdeckungsrisiko fĂŒr StraftĂ€ter im Internet erhöhen, die TĂ€ter sollen sich nirgendwo mehr sicher fĂŒhlen", betont Traichel. Bei ihrer Recherche gehen die Ermittler in der Regel nach dem gleichen Muster vor: "Im Internet suchen wir uns meist eine Plattform heraus, wo wir wissen, dass sich dort auch SexualstraftĂ€ter tummeln. Dann recherchieren wir", erklĂ€rt der Spezialist fĂŒr Kinderpornografie, RĂŒdiger Kottmann. Angesichts des AusmaĂes und der schnellen Verbreitung im Internet weiĂ er aber auch, dass er und seine Kollegen an eine natĂŒrliche Grenze stoĂen: "Wir können nicht das ganze Internet sauber halten." (Tatjana Bojic, dpa) / (thl [4])
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