Pokémon Go: Gedenkstätten wollen keine Spielplätze sein
Ein Plakat des Holocaust-Museums in Washington, DC
(Bild: Son of Groucho CC BY 2.0)
Unter anderem das Holocaust-Museum in Washington, DC, freut sich nicht über die Pokémon-Spieler in seinen Hallen. Es möchte gerne vom Spiel ausgenommen werden. Beim AR-Spiel Ingress gab es in Deutschland bereits ähnliche Probleme.
Das Holocaust-Musem in der US-Hauptstadt Washington möchte gerne vom Pokémon-Go-Spiel [1] verschont bleiben. "Das Spiel im Museum zu spielen ist nicht angemessen. Es ist ein Ort der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus", sagte Museumssprecher Andrew Hollinger zur Washington Post [2], "Wir versuchen, herauszufinden, ob wir das Museum aus dem Spiel ausnehmen lassen können." Derzeit befinden sich in der Gedenkstätte drei sogenannte Pokéstops.
(Bild: zenobia_joy CC BY 2.0 [3])
Das Augmented-Reality-Spiel boomt, und leider gehen zahlreiche Besucher im Museum auf die Jagd nach den virtuellen Pokémons. Im Internet kursiert ein Bild, auf dem ein Pokémon namens Koffing (zu Deutsch: Smogon) in einem Bereich des Gebäudes zu sehen ist, in dem Berichte von Gaskammer-Überlebenden gezeigt werden. Im Spiel speit Koffing giftige Gase. Das Koffing-Bild könnte eine Fotomontage sein.
Selbst wenn: Die Tatsache, dass Koffing oder andere Ungeister jederzeit dort auftauchen könnten, bereitet der Museumsverwaltung Sorgen. Ähnliches gilt für die Verwalter des Arlington-Ehrenfriedhofs in Washington: Sie forderten die Besucher bei Twitter auf, das Spielen von Pokemon Go sein zu lassen, weil es unangemessen sei.
Zu Pokémon Go siehe:
- Pokémon Go: Besser kämpfen und immer genug Akku haben [4]
- Pokémon Go in Deutschland aus vertrauenswürdiger Quelle installieren [5]
- Pokemon Go Update 1.0.1: Update für iOS-Version will keinen Google-Vollzugriff mehr [6]
- Pokémon Go: Android-Versionen mit Trojaner im Umlauf [7]
- Pokémon Go: Räuber locken Opfer über Augmented-Reality-Spiel [8]
- Pokémon Go: Ingress-Macher laden zur Pokemon-Jagd [9]
Ähnliche Kritik auch bei Ingress
Niantic - damals noch als Google-Tochter - hatte im vergangenen Jahr schon ähnlichen Ärger in Deutschland. In dem Augmented-Reality-Spiel Ingress wurden einiger der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Nazi-Konzentrationslagern platziert. Nach Kritik wurden sie schnell aus der Nähe der Gedenkstätten entfernt. Pokémon Go greift auch auf Datenbanken von Ingress zurück.
Auch für Pokémon-Go-Spieler gilt: Im Wort Gedenken steckt das Wort Denken. Nicht überall, wo man spielen könnte, sollte man sich dazu hinreißen lassen.
Denken sollte beim Spielen von Pokémon Go [10] aber auch sonst eine Rolle spielen: Die Polizei der A&M University in Texas meldete einen Auffahr-Unfall im Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer stellte seinen Wagen regelwidrig ab, um auszusteigen und ein Pokémon zu fangen, wie die Polizei bei Twitter erklärte [11]. Ein anderes Auto fuhr von hinten auf. (ds [12])
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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Pokemon-Go-5-Dinge-die-ich-gern-vorher-gewusst-haette-3263653.html
[2] https://www.washingtonpost.com/news/the-switch/wp/2016/07/12/holocaust-museum-to-visitors-please-stop-catching-pokemon-here/
[3] http://creativecommons.org/licenses/by/2.0
[4] https://www.heise.de/news/Pokemon-Go-Besser-kaempfen-und-immer-genug-Akku-haben-3263700.html
[5] https://www.heise.de/news/Pokemon-Go-in-Deutschland-aus-vertrauenswuerdiger-Quelle-installieren-3263377.html
[6] https://www.heise.de/news/Pokemon-Go-Update-fuer-iOS-Version-will-keinen-Google-Vollzugriff-mehr-3265326.html
[7] https://www.heise.de/news/Pokemon-Go-Android-Versionen-mit-Trojaner-im-Umlauf-3262816.html
[8] https://www.heise.de/news/Pokemon-Go-Raeuber-locken-Opfer-ueber-Augmented-Reality-Spiel-3262937.html
[9] https://www.heise.de/news/Pokemon-Go-Ingress-Macher-laden-zur-Pokemon-Jagd-3262251.html
[10] http://www.heise.de/download/product/pokemon_go
[11] https://twitter.com/TAMUPolice/status/753037442643484672
[12] mailto:ds@heise.de
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